Dreams

untitledDas Wort sozial zu nutzen, führt in Gesprächen eher auf Glatteis, als auf sicheres Terrain. Was ist sozial, für wen ist etwas sozial und was soll mit dem Wort sozial bewirkt werden? Wer den Begriff einbringt, so wird erwartet, kommt in der Regel aus einer soziokulturellen Peer-Group, stellt entsprechende Ansprüche in der Öffentlichkeit und kämpft für die Schwachen der Gesellschaft.

Mit dem Begriff der sozialen Stadt verhält es sich daher auch nicht wesentlich anders. Im Rahmen des Städtebauförderprogramms geht es um „die Stabilisierung und Aufwertung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligter und strukturschwacher Stadt- und Ortsteile“, um Generationengerechtigkeit, Familienfreundlichkeit sowie um Chancen auf Teilhabe und Integration.

Vielleicht hilft es, sich aus dieser Kultur der Förderung von Benachteiligung, der Logik von Gebenden und Nehmenden, gedanklich ein wenig zu entfernen und eine andere Perspektive zum Sozialen einzunehmen.

Stadt als Ganzes kann nichts anderes sein, als die Gemeinschaft von Menschen, die sich mit aller Unterschiedlichkeit zu einem „Zusammen Leben“ in ein und demselben Raum entschieden haben. Sozial meint daher im wörtlichen Sinn nichts anderes, als dass privates, berufliches und öffentliches Leben nicht voneinander getrennt sind, sondern in einem, ständig wechselnden Verhältnis zu einander stehen.

Natürlich kann jeder wohnen, ohne sich um seine Nachbarn zu kümmern, jeder bauen, ohne sich für seine Umgebung zu interessieren, jeder der Verwaltung ihre Pflichten aufzeigen, ohne das eigene bürgerliche Engagement zu hinterfragen. All das ist legitim, vielleicht auch zunehmend üblich, aber nicht sozial. Dieses Verhalten leistet keinen Beitrag für die Gemeinschaft, sondern degradiert die Stadt lediglich zum Steinbruch partikularer Interessen.

Eine Stadt wird aber nur da erfolgreich sein, wo eine Projektentwicklung über die ökonomische Selbstverständlichkeit hinaus einen Anspruch formuliert, wo eine Kommune im Blick auf Recht und Verfahren den Mut zum „Ermöglichen“ aufbringt und wo ein Bürger wieder lernt, dass es nicht nur „die Politik“ und „die Verwaltung“ gibt, die sich um alles kümmert, sondern insbesondere auch er selbst zum Wohl der öffentlichen Angelegenheiten beiträgt, indem er sich in den Kontext des Urbanen integriert. Sozial bedeutet dann, über das Eigene hinaus zu gehen, zu wissen, dass man von der Gemeinschaft profitieren, d. h. nehmen kann und der Gemeinschaft deswegen auch einen Teil gibt.

Quiet thoughts and quiet dreams,
Quiet walks by quiet streams,
And window that looking so to Corcovado,
Oh! How I lovely.

Antonio Carlos Jobim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.