Visions

Bildschirmfoto 2015-10-06 um 14.14.48Die Vorstellung, dass Smart City einmal ein Regelwerk, eine Norm oder sogar ein Zertifikat sein solle, das Qualitätsmerkmale einer Stadt festlegt, mag manchem durchaus plausibel erscheinen. Ob es aber sinnvoll ist, darf man sicherlich in Frage stellen.

Die Elektromobilität wird kommen. Wer bereits in einem der rein elektrisch betriebenen Fahrzeuge gefahren ist, ahnt, dass heute zwar noch über Reichweite und Infrastruktur debattiert wird, der Elektroantrieb aber in wenigen Jahren den Mainstream erfassen wird. Wie sehr das die Städte verändern wird, lässt sich leicht nachvollziehen: Das Parken wird zum Ladevorgang, Parkhäuser werden zu Tankstellen, Energieversorger zu Stellplatzanbietern und Partnern in der Projektentwicklung. Immobilien ohne den Anschluss an oder die Integration von Elektromobilität werden dann kaum noch vorstellbar sein.

Das Smart Grid wird kommen – und zwar in allen Bereichen des Wohnens, Arbeitens und Einkaufens. Wenn jedoch die Stromerzeugung durch regenerative Energien Schwankungen unterworfen ist, wenn anstelle weniger zentraler Kraftwerke unzählige dezentrale Anlagen Strom erzeugen, wenn Elektroautos zu Energiespeichern werden und Immobilien durch KWK- und Photovoltaikanlagen Energie produzieren, dann geht das alles nicht ohne Steuerung. Die Entwicklung, Steuerung und der Betrieb des Systems werden zur eigentlichen Kompetenz und die Energieversorger damit zu einem neuen Partner der Stadtentwicklung, der in Projekte und Standorte investiert.

Stadt ist digitale Kommunikation. 2007 hat Apple das iPhone in den Markt eingeführt. Acht Jahre später gibt es auf der ganzen Welt keinen anderen als den Smartphone-Standard. Ortungsdienste ermöglichen uns jede Form der räumlichen Zuordnung, Apps begleiten jeden sozialen Bedarf und mobile Geräte begleiten uns an jeden Ort. Was wir in der Stadt suchen, wie wir uns bewegen, wen wir treffen, wann, wo, warum …, all das wird mittlerweile in der digitalen Abbildung der Stadt sondiert und
vorbereitet.

Und ohne Zweifel: Die technischen Innovationen bestimmen als Treiber all dieser Veränderungen neue Qualitäten in der Stadtentwicklung. Eins sollte man jedoch vor dem Hintergrund dieser Impulse nicht aus dem Auge verlieren: Sie bleiben nur Werkzeuge für eine Stadt, die sich damit auf den Weg macht, eine smarte City zu werden. Die eigentliche Smart City lebt von den gestalteten Räumen, in denen Begegnungen, Zufälle, Inspirationen und Experimente gesucht werden – weil wir als Menschen nicht das iPhone suchen, sondern den anderen Menschen.

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the more you see
the less you know
the less you find out as you go
I knew much more then
than I do now

U2

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