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Höxter brauchte einen langen Atem. Mitten im Herzen der Kreisstadt lag ein altes Hertie-Haus, das nach der Insolvenz des Eigentümers Dawnay Day im August 2009 seine Türen schließen musste. Seitdem stand der Großteil des Hauses leer – sechs Jahre lang.

Im März 2015 begannen die Umbauarbeiten. Am 26. November dieses Jahres wurde das ehemalige Hertie-Haus schließlich in neuem Gewand, mit neuer Funktion und unter dem Namen „Markt1“ wieder eröffnet.

Die Chronik dieses Hauses reicht aber noch viel weiter zurück in die Vergangenheit. Der Betonbau, der nun hinter einer Fassade aus Glas, Stahl und bunten Keramik-Kacheln verschwunden ist, entstand vor 44 Jahren auf dem Areal, auf dem vormals das König-Wilhelm-Gymnasium, welches 1870 im klassizistischen Stil erbaut wurde, sowie die Corveyer Kanzlei, ein repräsentativer Barockbau aus dem Jahr 1710, standen. Beide Gebäude mussten dem Bau eines Warenhauses weichen, das 1971 von der Kepa Kaufhaus GmbH – einer Tochter der Karstadt Warenhaus GmbH – erbaut und unter dem Namen „Kepa“ eröffnet wurde. Im Jahr 1979 wurde die Kepa-Gesellschaft aufgelöst und von Karstadt übernommen. Den Namen „Karstadt“ trug das Haus schließlich 26 Jahre lang, bis sich Karstadt im Jahr 2006 dazu entschloss, seine kleineren Warenhäuser an die Highstreet-Holding zu veräußern. Unter den verkauften Häusern befand sich auch der Standort Höxter. So wurde im März 2007 aus dem Höxteraner Karstadt schließlich ein Hertie-Haus, welches lediglich gut zwei Jahre am Netz war, bis im Sommer 2009 das Aus für Hertie verkündet und das Haus leergezogen wurde.

Im Jahr 2014 wurde der Projektentwickler und Investor Fokus Development auf die Hertie-Immobilie in Höxter aufmerksam und entschloss sich, das Haus zu erwerben. Das junge Unternehmen wurde im Sommer 2013 gegründet und hat mittlerweile 13 Mitarbeiter, die jahrelange, wertvolle Expertise in der Handelsimmobilienbranche gesammelt haben. Fokus versteht sich sowohl als Investor als auch als Dienstleister für innerstädtische Bauprojekte mit Schwerpunkt Einzelhandel. Das Unternehmen hat sich dem Erhalt der Lebendigkeit und der Anziehungskraft von Innenstädten verschrieben. Das Ziel der Fokus AG ist es, bei jeder Projektentwicklung mit allem gebotenen Respekt für die gewachsenen Stadtstrukturen vorzugehen und ihre Projekte in den vorhandenen Stadtraum zu integrieren. Hierbei spielen der Austausch und die Transparenz zwischen privatem und öffentlichem Raum eine große Rolle. Fokus-Projekte werden so konzipiert, dass sie diesen Austausch befördern, nicht verhindern.

Dieses Verständnis spiegelt sich auch in dem Logo von Fokus wider, das aus der Idee des Schwarzplans entstanden ist. Der Schwarzplan ist ein Instrument der Stadtplanung, der es dem Betrachter mit nahezu einem einzigen Blick erlaubt, die Bebauungsstruktur einer Stadt zu erfassen, da ein Schwarzplan eine Stadt lediglich in bebaute Flächen (schwarz) und unbebaute Flächen (weiß) gliedert. Die Raute im Fokus-Logo symbolisiert ein Stadtquartier. Die hervorgehobene rote Fläche steht für die „Fokus-Fläche“ – also die Fläche in einer Stadt, auf die sich Fokus Development konzentriert, um auf dieser ein Projekt zu entwickeln, welches im Austausch mit der vorhandenen Bebauung steht. Eine solche „Fokus-Fläche“ hatte das Unternehmen mit Sitz in Duisburg auf dem Areal ausgemacht, auf dem das alte Hertie-Gebäude in Höxter stand.

Höxter ist eine Kreisstadt mit etwa 30.000 Einwohnern im Weserbergland in Ostwestfalen. Die Stadt ist stolz auf ihre weitgehend erhaltene mittelalterliche Stadtstruktur, die geprägt ist von liebevoll restaurierten und gepflegten Fachwerkhäusern. Doch das war nicht immer so. In den 60er- und 70er-Jahren sind etliche dieser Häuser den Flächensanierungen und einer damit verbundenen umfassenden städtebaulichen Überprägung der Innenstadt zum Opfer gefallen. Wohl gemerkt: Hier handelte es sich nicht um eine kriegsbedingte Zerstörung historischen Baubestands, sondern um eine stadtplanerisch gewollte, dem Zeitgeist der Moderne folgend.

In dieser Zeit, in der Betonbauten in anderen Innenstädten eher unfreiwillig ihren Platz fanden, entstand der Kepa-Klotz in bester Innenstadtlage in Höxter. Die Herausforderung von Fokus bestand in erster Linie darin, eine architektonische Idee zu entwickeln, die als eine Art Vermittler fungiert zwischen der geschaffenen Realität der 70er-Jahre und der vorhandenen alten Stadtstruktur.

Gemeinsam mit dem niederländischen Stadtplaner Peter Trimp und den Architekten von msp architekten aus Dortmund hat Fokus eine Fassade für den „Markt1“ entworfen, die sich mit ihrer giebelständigen Struktur, welche einzelne Häuser andeutet, an der kleinteiligen Stadtstruktur von Höxter orientiert und sich auf diese Weise optimal in die vorhandene Bebauung einfügt. Bei dem „Markt1“ handelt es sich darüber hinaus um ein klassisches Geschäftshaus, bei dem jedes der Geschäfte einen eigenen Antritt zur Marktstraße oder zum Marktplatz erhalten hat. Das Projekt umfasst drei Verkaufsebenen und insgesamt sieben Mieteinheiten, die bereits vermietet sind. Hauptmieter ist die Firma Müller Drogerie, deren Laden sich über zwei Ebenen erstreckt.

Doch nicht nur die Architektur ihrer Projekte muss für die Fokus Development AG stimmig sein, auch in puncto Nutzungskonzept müssen diese den Anforderungen einer modernen Stadt gerecht werden. So wurden im „Markt1“ neben Einzelhandelsnutzung auch Flächen für drei gastronomische Betriebe, ein Fitness-Studio und eine Physiotherapiepraxis eingerichtet.

Die Gesamtmietfläche des Geschäftshauses beträgt etwa 4.500 m². Das Investitionsvolumen beläuft sich auf über 8,5 Millionen Euro. Durch den „Markt1“ gewinnt die Stadt Höxter nach jahrelangem Leerstand in ihrer Mitte wieder an urbaner Qualität und kann aufatmen.


Axel Funke

Axel Funke studierte Wirtschaftswissenschaften in Bochum. Er arbeitete u.a. für die HYPO-Bank und war Vertriebsdirektor bei der FGH in den Niederlanden. Darüber hinaus war er Vorsitzender der Geschäftsführung der Multi Development Germany GmbH. Seit Oktober 2013 ist er Vorsitzender des Vorstands der Fokus Development AG.

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