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Back-Issues_CoverWas meint eigentlich kompakt? Will man das? Muss man das? … und dann noch die kompakte Stadt. Stellt das Adjektiv „kompakt“ wirklich das Ideal dar, nach dem wir so lange gesucht haben; dem wir andere Ideale erst voraus schicken mussten, um nun auf absehbare Zeit Klarheit in den Leitlinien der Stadtentwicklung zu erlangen? Wahrscheinlich muss man erst einmal „Ja!“ sagen…kurz danach „Nein!“ und am Ende erkennen, dass
irgendwie beides zutrifft.

Für das Wort „kompakt“ gibt es keine unmittelbare oder eindeutige Übersetzung. Am ehesten trifft wohl die Bedeutung zu, die sich auf das lateinische „compactilis“ bezieht und etwas „dicht zusammengefügtes“ kennzeichnet.

Was also könnte eine kompakte Stadt anderes sein, als eine Stadt, die ihre Qualitäten aus der Dichte bezieht, aus einer Dichte der Bebauung, einer Dichte der Funktionen, einer Dichte des Wohnens, des Arbeitens und der Versorgung? Nach den flächenverbrauchenden Jahrzehnten der Zersiedlung, der Baulandausweisung peripherer – weil kostengünstiger  – Flächen sowie der kostentreibenden Ineffizienz der damit einhergehenden Infrastruktur, ist die Orientierung auf eine kompakte Stadt in vielerlei Hinsicht richtig: Das Flächenrecycling öffnet den Blick für vorhandene Ressourcen, die Nachverdichtung stabilisiert Quartiere und Stadtteile in einer Zeit, in der in den Metropolen der verfügbare Raum knapp wird. Die Stadt der kurzen Wege und durchmischten Nutzungen nährt die Hoffnung, dass in einer kompakten Stadt auch andere Formen der Mobilität
attraktiv sein werden. Sollte uns der Weg bis zum Jahr 2020 wirklich zu einer Reduzierung des bundesweiten Flächenverbrauchs auf knapp die Hälfte der heutigen Inanspruchnahme führen, wird es nur mit den kreativen und intelligenten Konzepten für eine kompakte Stadt funktionieren.

Was muss die kompakte Stadt aber auch sein, wenn sie schon zunehmend effizienter und dichter geplant und genutzt wird? Sie muss sich um ihre Fugen kümmern, um das, was zwischen den Bausteinen des Gefüges liegt. Denn wenn mit der Verdichtung alles ausgereizt wird, wenn jeder Quadratmeter seinen letzten Preis hat und jede Fläche nach den Möglichkeiten des Bebauungsplans bespielt wird, dann bleibt für alle Nutzungen und Bemühungen, die am Anfang stehen, kein Platz mehr. Was bleibt sind Versuch und Irrtum, Idee und Leidenschaft, Erfahrung und Entdeckung, Informelles und Provisorisches, die undefinierte Räume benötigen. Das alte Industrieareal, die Fabrik, das Haus und die Garage beschreiben diese Bilder urbaner Kreativ- und Experimentierzonen, die niederschwellig funktionieren. Ohne diese Zonen, Angebote und Überlassungen reduziert sich die Urbanität der kompakten Stadt auf ein komplexes und optimiertes Funktionieren. Doch was hätte man, wenn man Kompaktheit gewinnt, aber das Andere verliert?

Long you live and high you fly

And smiles you’ll give and tears you’ll cry

And all you touch and all you see

Is all your life will ever be.

Pink Floyd

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