ReGen-VILLAGE // UTOPIE WIRD WIRKLICHKEIT

Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf rund zehn Milliarden Menschen anwachsen. Dieser Blick in die Zukunft macht globale Fragen zur Wasser- und Nahrungsmittelversorgung sowie zur Bereitstellung nutzbarer Ackerflächen und zu neuen regenerativen Konzepten zu zentralen Fragstellungen unserer Gegenwart. Wie wollen wir leben? Wie können wir auch in Zukunft „gut“ leben? Und welche Konzepte können uns hierbei unterstützen?

Eine Antwort liefert unser Nachbarland, die Niederlande. In Almere entsteht seit diesem Sommer ein sogenanntes ReGen-Village. Das regenerative Dorf ist vollständig versorgungsunabhängig und soll bereits in 18 Monaten bezugsfertig sein. Vor der eigenen Haustür wächst das Essen in eigenen Gewächshäusern, der Strom wird aus regenerativen Energiequellen bezogen und das Wasser direkt in der Nachbarschaft gesammelt. Um die Müllentsorgung müssen sich die Bewohner nur wenig Gedanken machen. Er ist kaum existent, da es eine nahezu vollständige Kreislaufwirtschaft gibt. Was sich kürzlich noch wie eine ferne Utopie angehört hat, lässt der Amerikaner James Ehrlich, Erfinder der ReGen-Villages, in Zusammenarbeit mit dem dänischen Architekturbüro EFFEKT Wirklichkeit werden. Ehrlich und EFFEKT kombinierten hierzu zahlreiche Kreisläufe zu einem komplexen autarken System, das aus vier Teilbereichen besteht: Nahrungsmittel-, Wasser- und Energieversorgung und Müllentsorgung.

Zahlreiche Produktionsstätten sichern die Nahrungsmittelversorgung innerhalb des ReGen-Village: Neben normalen saisonabhängigen Gärten, gibt es beheizte Gewächshäuser, die über den Wohngebäuden implementiert werden, Vertical Farms, Viehhaltung sowie Aquaponik. Letztgenannte besondere Form der Fischzucht wird mit Pflanzenanbau in Hydrokultur kombiniert. Die Exkremente der mit Fliegenlarven gefütterten Fische werden als Pflanzendünger verwertet. Die sich überschneidenden Kreisläufe der Nahrungsmittelversorgung und Müllentsorgung sind charakteristisch für die ReGen-Villages. Oben genannte Fliegen sowie alle zur Fleischproduktion gehaltenen Nutztiere ernähren sich von kompostiertem Abfall. Die nicht kompostierbaren Müllbestandteile werden wiederum zur Energieproduktion verbrannt. Biogas- und Solaranlagen decken den restlichen Energiebedarf. Wird gerade keine Energie produziert, versorgt der zuvor gespeicherte Energie-Überschuss das Dorf. In ungefilterter Variante dient Regenwasser zur Bewässerung und in gefilterter Variante als Trinkwasser. Auch hier sorgen spezielle Speichersysteme für Versorgungssicherheit.

Die ReGen-Villages greifen auf bekannte Technologien zurück und kombinieren diese intelligent und effektiv. Ziel von Ehrlich und EFFEKT ist es, mithilfe neuester Agrartechnik einen zehnfachen Ernteertrag mit 90 Prozent weniger Wassereinsatz zu erzielen. Auch der Flächenverbrauch soll reduziert werden: Zur Versorgung einer dreiköpfigen Familie soll noch noch 639 Quadratmeter Land genutzt werden. Nach Angaben der EFFEKT-Architekten werden hierzu aktuell bei herkömmlicher Landwirtschaft noch rund 8.100 Quadratmeter benötigt.

Bis dato wurde das ReGen-Villages Konzept mehrfach ausgezeichnet. Dass das Projekt auch außerhalb der Fachkreise den Nerv der Zeit trifft, beweist eine lange Warteliste, auf der sich bisher rund 6.500 Interessierte eingetragen haben, die künftig das ReGen-Village in Almere ihr neues Zuhause nennen wollen. Gut, dass es nicht bei einem Dorf in den Niederlanden bleibt. Auch in Deutschland, Dänemark und Norwegen sollen ReGen-Villages realisiert werden.

Weitere Informationen zu diesem Projekt gibt es online unter www.regenvillages.com

Alle Bilder © EFFEKT

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