DER ERDE DIE STERNE NAHBRINGEN

Im dichten Wald von Harestua, 45 Kilometer nördlich von Oslo, werden Galaxiebegeisterte bald die Möglichkeit haben, jede Menge über den Sternenhimmel zu lernen: Das norwegische Architekturbüro Snøhetta hat Pläne für ein 1500 m2 großes Planetarium vorgelegt. Das ist aber noch nicht alles – es soll auch ein Besucherzentrum für Norwegens größte astronomische Einrichtung entstehen, in dem Reisende und Studente die Wunder der Welt beobachten können. Es bietet der Öffentlichkeit einen Zugang zu wissenschaftlichen Aktivitäten, die dort jedermann hautnah erleben kann: Astronomie, Sonnenstudien, Naturwissenschaften – alles im Rahmen der Erforschung des Nachthimmels und der Nordlichter.

Es hat einen guten Grund, das Planetarium genau an diesem Ort zu errichten. Das Projekt wird eine Erweiterung der dort bestehenden Einrichtungen zu einem internationalen Wissenschaftszentrum darstellen: Es wird am „Soloobservatoriet“ angesiedelt, einer der führenden astronomischen Forschungsstationen Nordeuropas. Ganz in der Nähe befindet sich ein Original-Sonnenobservatorium, das ursprünglich von der Universität Oslo für die totale Sonnenfinsternis im Jahr 1954 erbaut wurde.

Die Architekten haben sich während des Entstehungsprozesses mit einfachen Prinzipien der Astronomie beschäftigt – dabei sind auch Pläne für die sieben interstellaren Kabinen mit einzigartigem Design rund um das Planetarium entstanden, inspiriert durch die Umlaufbahn der Planeten um die Sonne. In den Lodges ist Raum für etwa 120 Übernachtungsgäste vorhanden, in den einzelnen Kabinen können zwischen zwei und 32 Personen Platz finden. Sie reflektieren die sieben Planeten, die die Sonne umkreisen und bieten den Besuchern eine freie Sicht in den Himmel. Der kleinste Planet, Zolo, beherbergt eine Zweibett-Kabine, die den Gästen eine ungestörte Nacht unter den Sternen bereitet. Gestaltet sind die Bauten recht kontrastreich: Einige Lodges sind von einer rauen Oberfläche überzogen, andere stärker durch glatte Materialien geprägt; einige wirken wie in den Boden gestampft, andere ruhen sanft auf dem weichen Waldboden.

Die Einrichtung bietet die Möglichkeit zu einer „intellektuellen, visuelle und taktilen Reise in das Reich der Astronomie“ und bringt die Zugänglichkeit für Besucher mit Forschung und Fortschritt in Einklang – das Zentrum ist für einige wichtige Entwicklungen wie dem Spektrographen und der Entdeckung von Sonnenstürmen verantwortlich.

Architektonisch wurde der neue Bau vom weltweit ersten entstandenen Planetarium von Archimedes aus dem Jahr 250 vor Christus inspiriert: Es hat eine eindrucksvolle, goldene Kuppel mit eingravierten Sternbildern. Als dreistöckiges himmlisches Theater mit Platz für 100 Gäste konzipiert, bietet es realistische Projektionen von Sternen, Planeten und anderen funkelnden Himmelskörpern. Drum herum befinden sich ein Café, mehrere Ausstellungsflächen und eine geschwungene Rampe, die die Besucher zu einer Dachlandschaft im Freien führt. Das grüne Dach aus Gras, Heidekraut, Blaubeer- und Preiselbeerbüschen erhebt sich wie das Theater aus dem Boden und stellt das Verbindungsstück zwischen Landschaft und Bauwerk dar.

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Foto Credits © Snøhetta/Plompmozes

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