SOLINGEN: VOLLSTÄNDIG ELEKTRISCHE OBERLEITUNGSBUSSE IM EINSATZ

Es gibt sie schon seit 1952, seit diesem Jahr sollen sie umgerüstet werden: Die Oberleitungsbusse in Solingen. Sie hängen am Stromnetz wie eine Straßenbahn und bringen Passanten von A nach B. Seit dem Dieselskandal ist die Luftverschmutzung durch täglich benötigte Verkehrsmittel besonders präsent geworden. Ein sauberer ÖPNV kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten und sollte weitere Vorteile gegenüber der Nutzung von PKWs bieten. So auch die neuen Oberleitungsbusse in Solingen. Sie fahren leise und mit schlichtem Design übe die Solinger Straßen, ausgestattet mit bunten Sitzen und Steckdosen mit USB-Anschluss. Die O-Hybrid-Busse fahren selbst dann mit Elektromotor, wenn sie vom Netz getrennt werden. Per Knopfdruck können sie nun vom Netz gelöst werden und trotzdem bis zu 20 Kilometer lang normal weiterfahren: Die vier Testmodelle, die seit diesem Jahr auf Solingens Straßen unterwegs sind, sind batteriebetrieben. Der Akku lädt sich immer dann auf, wenn der Bus mit der Oberleitung verbunden ist – eine Ladung hält sogar so lange, dass man die Nachbarstadt Wuppertal erreichen kann.

Bislang müssen die Oberleitungsbusse bei einem Stromausfall ihren Dieselmotor anschmeißen, es sind außerdem nur die Hälfte der Busse in Solingen elektrisiert – einige Stromleitungen enden kurz vor der letzten Haltestelle einer Linie, was bedeutet, dass die komplette Strecke mit Diesel gefahren werden muss. Hier sollen die neuen Varianten ansetzen.

Das alles hat leider seinen Preis: Die neuen Busse kosten 900.000 Euro und sind somit deutlich teurer als ihre Vorgänger ohne Akkus. Sie bieten allerdings auch bedeutende Vorteile: Auf nur einer Linie installiert könnten fast 150.000 Liter Diesel und 334 Tonnen CO2 eingespart werden. Auf lange Sicht ist geplant, alle Linien ausschließlich mit Öko-Strom zu betreiben und den Nahverkehr in Solingen vollständig emissionsfrei zu betreiben. Die Umrüstung und Testphase wird mit 15 Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium gefördert, dass die Hybrid-Busse als „fahrende Innovationslabore“ betitelt.

Noch gibt es viele offene Fragen und Hürden bei dem Unterfangen – zum Beispiel ob die nun kalten Temperaturen die Laufzeit der Akkus verringern könnten oder ob die hohen Anschaffungskosten sich auf lange Sicht überhaupt rentieren. Um Antworten auf derlei Fragen zu finden, wird das Projekt von der Uni Wuppertal begleitet. Was feststeht ist: Das Projekt lohnt sich nur dann, wenn es von genügend Fahrgästen genutzt wird.

Neben Solingen gibt es die Oberleitungsbusse nur in Esslingen und Eberswalde. Auch dort wird gerade umgerüstet. Die Dieselmotoren sollen verschwinden, in Esslingen sind momentan auch schon Testläufe in vollem Gange. In Eberswalde sollen bis zum nächsten Sommer sogar alle O-Busse umgerüstet worden sein. Im dort benachbarten Berlin wird momentan ebenfalls über den Aufbau eines komplett neuen Verkehrsnetzes für solche Busse nachgedacht – Nachfrage besteht dort auf jeden Fall.

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Fotos © Steve Przybilla

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