5 VOR 12

Der Sozialverband Deutschland hat ein Gutachten mit dem Titel „Mietbelastung, soziale Ungleichheit und Armut“ herausgegeben. Darin stellen die Autoren fest, die mittlere Miete sei von 1993 bis 2014 stärker gestiegen als das mittlere Einkommen. Für die ärmsten zehn Prozent der deutschen Haushalte bedeute das geringere Einkommenswachstum eine Stärkung der ohnehin verheerenden Wirkung steigender Mieten. In über einer Million Haushalte in deutschen Großstädten ist die Miete relativ zum Einkommen so hoch, dass letzteres nach Miete unter dem Regelsatz von Hartz 4 liegt. So verstärke die Miete die soziale Ungleichheit noch weiter.

Das komplexe Wohnproblem wird in drei Bereiche unterteilt. Erstens bestehe ein Mangel an Wohnraum, den sich Mieter mit weniger als 30 Prozent ihres Haushaltseinkommens leisten können. Zweitens ist da die Überbelegung bei mehr als zwei Personen pro Wohnung und drittens die soziale Segregation. Die Autoren der Studie bemerken, dass es auch dann zur Segregation komme, wenn in einer Stadt genügend bezahlbarer Wohnraum existiere, dieser sich aber stark auf bestimmte Gebiete konzentriert. In der Summe dieser drei Teile sei das Wohnungsproblem sogar größer als gemeinhin angenommen.

Die Gruppen, die am meisten unter steigenden Mieten leiden seien arme, junge und alte Haushalte. Zudem seien Alleinerziehende und Haushalte mit Migrationshintergrund betroffen. Letztere würden auf dem Wohnungsmarkt vor allem durch hohe Mieten diskriminiert.

Die Politik habe das Problem des knappen Wohnraums zu spät erkannt und stehe nun vor massiven Aufgaben, schreiben die Autoren der Studie. Zwei Lösungsvorschläge liefern sie gleich mit. Einer davon zielt auf Subventionen, der andere auf Marktregulierung. Man könne einerseits ein Subventionierungsprogramm für Haushalte auflegen („Subjektförderung“), zum Beispiel durch Erhöhung von Wohngeldleistungen. Dies würde die Marktpreise nur indirekt beeinflussen und würde mehr Menschen dazu befähigen, mit steigenden Mietpreisen mitzuhalten. Andererseits könne man die Angebotsseite subventionieren, um diese zur Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums zu bewegen. Um eine Regulierung des Marktes komme man wahrscheinlich aber nicht umhin. Die Möglichkeiten hier sind vielfältig, hätten aber alle zur Folge, Unternehmen zu verunsichern – vielleicht sogar solche außerhalb des Wohnungsmarktes. In jedem Fall bräuchten all diese Maßnahmen Zeit. Zeit, die es aufgrund der Dringlichkeit der Lage eigentlich nicht gibt.

Die für die Studie herangezogenen Zahlen zur Einkommensentwicklung und Mietbelastung stammen aus der amtlichen Statistik und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Diese Zahlen wurden dann vom Forschungsprojekt der Hans-Böckler-Stiftung zweitausgewertet.

Link zur Studie

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.