BERLIN: BAUKOLLEGIUM VERBIETET BAU VON HOCHHÄUSERN AM KURFÜRSTENDAMM

In diesem Jahr war das Interesse am Berliner Baukollegium größer als normalerweise – es ging nämlich um ein Bauvorhaben, das in den letzten Monaten häufig in den Medien thematisiert wurde: Es wurden die überarbeiteten Pläne für das Karstadt-Gelände am Kurfürstendamm vom Investor Signa des österreichischen Karstadtbesitzers René Benko präsentiert. Sie stießen auf deutlichen Widerstand.

Gemeinsam mit KCAP, Topotek 1 aus Berlin und den Berliner Entwicklern Realace sowie Urban Standards und dem Ingenieursteam BuroHappold hatte die Karstadt-Holding für ihren Standort in der City West Pläne entwickelt – und die im erteilten Bauvorbescheid enthaltene Baumasse drastisch überschreiten.

Das 900 Millionen Euro umfassende Projekt verzichtet auf das geplante neue Einkaufszentrum anstelle des Karstadtgebäudes – es wäre das 70. in Berlin, von denen kaum eins voll vermietet ist –  und sieht nun Pläne für ein komplettes Quartier zwischen Kudamm, Augsburger Straße und Rankestraße vor. Es soll als neuer Anziehungspunkt Büros, eine Gastro-Etage, Hotel, Fitness, Innenhöfe und neue Ausstellungsräumlichkeiten sowie auch kleine Wohnflächen umfassen. Das Ganze soll in einem mit Terrassen überzogenen Block realisiert werden, der von bis zu drei Hochhäusern umgeben werden soll. Der Gebäudekomplex soll von mehreren Seiten zugänglich sein. Sie wollten der Frage nach einer weitergreifenden Entwicklung des Einzelhandels in den kommenden Jahren vorweggreifen.

Es wurden dabei fünf Volumenstudien vorgestellt, die je zwei bis drei Hochhäuser von bis zu 150 Metern mit öffentlichen Terrassen und freiem Zugang zu den obersten Stockwerken, sogar angeblich hängende Gärten beinhalteten. Wer in die Türme einziehen könnte, wurde unklar gelassen, eventuell könnten Büroräume und ein Hotel dort Platz finden. Neue Bürogebäude sind in Berlin im Moment nur in der Gegend um den Alexanderplatz herum geplant, werden im Berliner Westen allerdings dringend nachgefragt.

Die Pläne sahen vor, das Gebiet um den Bahnhof Zoo als Hochhauscluster zu inszenieren, wie in vielen anderen Teilen Berlins. Die erweiterten städtebaulichen Planungen für die City West strebten Städtebau-Kohärenz durch architektonische Diversität an. Die angedachten Hochhäuser übersteigen die schon bestehenden Türme wie das Zoofenster und sollen der Startschuss für kommende Hochhäuser werden.

Das Baukollegium war von diesen Ideen allerdings nicht begeistert – der Maßstab sei nicht stimmig, der Projektentwurf für den Einzelhandelsbereich mit 50.000 m² völlig übertrieben und auch nicht die richtige Stelle für ein Hochhauscluster, hieß es vom Baukollegium unter der Leitung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Neben den Hochhäusern würden die Bestandsbauten völlig verblassen. Man wolle aber in jedem Fall im Gespräch bleiben.

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Renderings © KCAP | Foto © Bernd von Jutrczenka

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