HAMBURG: EHEMALIGE GUMMIFABRIK WIRD TRANSFORMIERT

Seit 148 Jahren schon werden Autoreifen, Dichtungen, Schläuche und vieles mehr aus Gummi in einem Backsteinensemble auf einem großen Areal in der Nähe des Harburger Bahnhofs in Hamburg produziert. 1856 von der Phoenix AG gegründet, war die einstige Fabrik zur Herstellung von Gummischuhen Ende des 19. Jahrhunderts bereits zu einem international agierenden Unternehmen mit mehr als 4.000 Mitarbeitern aufgestiegen – damals testete sie als eines der ersten Unternehmen Autoreifen auf dem Nürburgring. 2004 wurde sie vom Konkurrenten Continental aufgekauft. Neuankömmlingen springt immer noch der imposante Schornstein aus rotem Ziegel des Ensembles entgegen, wenn sie am Harburger Bahnhof aussteigen.

Bis heute werden im südlichen Teil der Fabrik noch Gummiprodukte gefertigt, im nördlichen Teil allerdings schon lange nicht mehr. Dort sollen bald neben studentischen Wohnungen und der Sammlung Falckenberg, eine vom Unternehmer Harald Falckenberg in Hamburg zusammengetragene Sammlung von Werken der modernen und zeitgenössischen Kunst, Büros, Läden und Galerien Einzug finden.

Die Entwürfe des Umbaus stammen vom Architekturbüro Kresings aus Münster/Düsseldorf.  Kern des Phoenixareals werden zwei denkmalgeschützte Fabrikgebäude sein, auch „Schiffe“ genannt. Unter Beachtung des Denkmalschutzes der altehrwürdigen Bauten sollen sie wieder aktiviert werden: Sie sollen mit einem Glasdach versehen werden, was durch die parallele Anordnung der beiden Gebäude erleichtert wird. Die entstehenden „Harburger Höfe“ werden somit zu einem wetterunabhängig nutzbaren Atrium, das außerdem als Verbindung zwischen Bahnhof und dem Zentrum Harburgs fungieren soll.

In dem Atrium sollen zukünftig Veranstaltungen und weitere öffentliche Nutzungen stattfinden. Neben den markanten Fabrikgebäuden sind außerdem weiße, ein- bis zweigeschossige Boxen wiederkehrende Kernelemente der geplanten Transformation. Sie finden sich spielerisch angeordnet auf dem Platz vor den Backsteinbauten sowie gestapelt und ineinander geschoben im Innenhof, wo die entstehenden Zwischenräume zum Verweilen einladen sollen. Auch auf dem Dach werden die weißen Kuben zu finden sein: Sie sind dort kronenartig angeordnet und ermöglichen die Gestaltung eines Dachgartens sowie einen besonderen Ausblick auf Harburg. Da keine permanente Wohnnutzung auf dem Areal möglich ist, werden die Kuben auf dem Dach voraussichtlich zu einem Boardinghouse vereint. Im Atrium sollen die Boxen als inspirierendes Arbeitsumfeld vor allem Räumlichkeiten für Start-Ups bieten.

Im Erdgeschoss der Harburger Höfe sollen vor allem Flächen für Gastronomie und Geschäfte entstehen. Die Etagen darüber sind für Büros, insbesondere Großraumbüros, vorgesehen. Es ist außerdem im Gespräch, die benachbarte Sammlung Falckenberg in den Räumlichkeiten der Harburger Höfe unterzubringen und auch weitere Kunst auszustellen. Das Ziel: Eine permanente Anlaufstelle für Kunst und Kultur in der Nähe des Harburger Bahnhofs erschaffen. Die Umnutzung des ehemaligen Industrieareals soll dabei Jung und Alt zusammenbringen.

Der Bauherr des Projekts ist sie Harburger Höfe GmbH. Die Planungsphase ist noch nicht beendet, weshalb sich wahrscheinlich noch die eine oder andere Änderung ergeben wird. 2022 soll das Vorhaben voraussichtlich fertiggestellt werden.

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Renderings © Imagine We Create

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