MELBOURNE: EINKAUFSZENTRUM MAL ANDERS

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Normalerweise stehen Einkaufszentren wie fast keine andere Einrichtung für Kapitalismus und Konsum. Mit sozialem Miteinander haben sie bis auf gelegentliche gemeinsame Shoppingtouren eher wenig zutun. Das Wollert Neighbourhood Centre in Whittlesea, 25 Kilometer nördlich von Melbourne, wird anders sein. Dieses Zentrum ist als soziale Infrastruktur konzipiert. Als Ort, wo sich Einzelhandel und soziale Interaktion ebenbürtig sind.

Das Rotterdamer Architekturbüro OMA hat von dem australischen Projektentwickler Sandhurst Retail den Auftrag bekommen, das Zentrum zu entwerfen. Es vereint unterschiedlichste Funktionen unter einem Dach. Dadurch können vielerlei Bedürfnisse abgedeckt werden – von sportlichen Aktivitäten über Wellness bis hin zum urbanen Gartenbau. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf Gesundheit und Wohlbefinden. Das Neighbourhood Centre dient Jung und Alt als sozialer Bezugspunkt in der Gegend und soll insgesamt gemeinschaftliche Erfahrungen fördern.

Zentraler Innenhof mit Amphitheater

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Geplant ist ein 9.000 Quadratmeter großes Zentrum, das Einzelhandel und Gemeinschafträume miteinander in Einklang bringt. Auch Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen finden sich im Inneren des vielfältigen Zentrums. Ein öffentlicher Innenhof dient als zentraler Treffpunkt. Dort sollen Veranstaltungen für die Gemeinschaft stattfinden und ein breites Spektrum täglicher Aktivitäten angeboten werden.

Ein begehbares Dach ist das Sahnehäubchen des Zentrums. Dort stehen zusätzliche Flächen für Sport- und Bildungsangebote bereit. Außerdem lädt es die Gemeinschaft ein, sich in der urbanen Landwirtschaft zu versuchen und versorgt darüber hinaus das Gebäude mit Energie.

Mehrere Eingänge in der langgestreckten Fassade – zu den Straßen und dem zentralen Innenhof – ermöglichen den Zugang zum öffentlichen Raum des Gebäudes und durch das Gebäude hindurch. Das Parkhaus ist von der fußgängerfreundlichen Nordfassade getrennt und bietet gleichzeitig klar definierte Wege, die zu den Eingängen des Zentrums führen.

Gut erreichbar für Vorstadtbewohner

Gut angebunden ist das Zentrum ebenfalls: Ein öffentlicher Verkehrsverbindungspunkt im Westen verbindet das Gebäude mit dem Großraum Melbourne. Auf diese Weise lockt man die ansonsten verstreuten Vorstadtbewohner in das Zentrum.

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Es steht noch die Frage im Raum, ob womöglich das gesamte Gebiet im Rahmen eines Masterplans mit Wohn- und Geschäftseinheiten revitalisiert wird. Das Zentrum würde dabei das Herzstück der Entwicklung darstellen. Insgesamt könnte das gemischt genutzte Gebiet, das mit den Vororten verbunden ist, eine neue, für die Vorstadtbevölkerung unentdeckte Lebensmöglichkeit bieten.

Aktuell sichtet man die Pläne im Whittlesea Council. 2023 sollen die Bauarbeiten beginnen.

„Einkaufszentren in den Vorstädten sind oft Orte des reinen Konsums. Wir haben das Wollert Neighbourhood Centre als soziale Infrastruktur konzipiert, in der Einzelhandel und soziale Interaktion gleichwertig sind. Bestehende Gemeindezentren in Wollerts Umgebung, die von Einzelhandelsprogrammen getrennt sind, werden oft nicht ausreichend genutzt. Es gelingt ihnen nicht, die Gemeinde zusammenzubringen. Unser Entwurf verwebt Einzelhandels-, Freizeit- und Kulturräume zur Nutzung durch Menschen in der Gemeinde mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Es wird ein sozialer Kondensator in dem Gebiet.“
– Paul Jones, Regionaldirektor OMA

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