PARIS: REGENERATION DURCH TRANSFORMATION STATT NEUBAU

© Sergio Grazia

Paris ist eine Stadt, die sich im ständigen Wandel befindet. Seit einiger Zeit ist die Bürgermeisterin Anne Hidalgo dabei, besonders Projekte zu fördern, die zu den rigoros verfolgten Klimazielen der Stadt passen. Deshalb wurde auch bei der Umgestaltung ehemaliger Militärkasernen in einen Universitätscampus der Fokus auf Erhalt statt Neubau gelegt. Chartier Dalix Architectes setzt die Transformation des Areals im 13. Arrondissement um.

© Takuji Shimmura

Herausgekommen ist ein völlig neues Programm auf dem Gelände, das 1875 ursprünglich als Militärstandort mit Paradeplatz erbaut wurde. Seit Juni 2019 befindet sich auf dem Lourcine-Areal ein Hörsaal mit 500 Plätzen, 27 Seminarräume sowie eine 2000 m2 große Bibliothek, in der Studierende bei großzügigem Lichteinfall ideal lesen, lernen und arbeiten können. Außerdem wurde eine Fläche von 1.500 m2 für Büros vorgesehen.

Zentraler Paradeplatz als Kernelement

© Sergio Grazia

Das vorrangige Ziel der Architekten war dabei neben der Modernisierung des Geländes auch der Erhalt des historischen Erbes der ehemaligen Kaserne. Es ist ein Mittel zur Regeneration der Stadt: Die Architeken wollten dem Areal neues Leben einhauchen und zugleich die Vergangenheit würdigen. Dabei ist der Entwurf vor allem eines: Grün. In diesem Zusammenhang wurde der zentrale Paradeplatz auf dem Gelände als Kernelement beibehalten. Dieser ist heutzutage ein landschaftlich ansprechender Vorplatz des Campus. Die sanfte und kontinuierliche Neigung stärkt die Position des Platzes als verbindendes Element des Areals. Er umrahmt den neuen Zugang zur Galerie, die zum Hörsaal führt.

Die neuen Räumlichkeiten wurden in die bestehenden Gebäude eingefügt. Diese bieten der Universitätseinrichtung besondere Qualitäten wie hohe Decken sowie hochwertige Materialien aus vergangener Zeit.

© Camille Gharbi

Kontrastreiche Gestaltung

Das Gelände ist ein Ort der Kontraste: Ein gewisser Grad an Rohheit begleitet die Besucher durch alle öffentlichen Außenbereiche und reicht bis ins Innere. Dieser Eindruck entsteht durch die freiliegenden Rohre und Kanäle sowie selbstverwitternden Stahl, der die gesamte Galerie bedeckt. Der Stahl ist ein warmes und lebendiges Material, das zu dem Fluss an Wissen passt, der sich durch das Gelände zieht. Diese Rohheit steht im Gegensatz zu den feinen Details der maßgefertigten Möbel und den edlen Materialien wie massiver Eiche.

© Takuji Shimmura

Die „Öffnung“ der Räumlichkeiten trägt zu dem einladenden Charakter des Geländes bei. Dazu gehört die einfache Beflockung der Unterseite der Bögen auf dem Areal. Diese unterstützt zudem die Akustik sowie den Brandschutz. Auch das Fehlen von Zwischendecken öffnet die Räume und erhält die bestehenden Volumen aufrecht.

Garten bietet Übergang zwischen gebautem und offenem Raum

© Sergio Grazia

Für die Innengestaltung der Lesesäle der Bibliothek haben die Architekten die Gänge entlang der Fassaden so positioniert, dass natürliches Licht ungehindert in das Gebäude eindringen kann. Eine monumentale Wendeltreppe markiert den Eingang zur Bibliothek sowohl auf mehreren Ebenen. Landschaftlich bilden die Bäume auf dem Gelände ein vertikales Muster und sind ein identitätsstiftendes Element. Sie sind so angeordnet, dass sie immer wieder freie Sicht auf unterschiedliche Perspektiven auf den Campus lassen.

„Es gab auf diesem Gelände ein großes Potenzial für einen Garten, einen Ort für die Studenten, an dem sie sich in geselliger Umgebung austauschen können. Es war auch eine einzigartige Gelegenheit, einen großen baumbewachsenen Platz im Herzen von Paris neu zu gestalten. Das Ziel war also, eine Landschaft wiederzuentdecken, ihre Geschichte zu erzählen, sie ins beste Licht zu rücken. Sie soll den Übergang zwischen einem Arbeitsplatz und einem Wohnraum für Studenten, zwischen einem gebauten Raum und einem offenen Raum darstellen.“  DHpaysage

© Takuji Shimmura

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