ANTJE SCHEFFER: VERNETZT EUCH!

Wo eine Hochschule ist, da entsteht Infrastruktur für Forschung und Lehre, sind Wohnraum, Konsum- und Kulturangebote für Studierende und Wissenschaftler gefragt, da suchen Unternehmen die räumliche Nähe zu wissenschaftlichen Einrichtungen. Wissen ist anziehend für Akademiker als kaufkräftige urbane Bewohner und für Studierende, die eine Stadt verjüngen. Unternehmen schätzen die Verfügbarkeit bestqualifizierter Arbeitskräfte als wesentlichen Faktor für ihren Erfolg.

© Landmarken AG / Andreas-Horsky

Städte wie Aachen oder Münster sind von jeher als Universitätsstädte geprägt. Hochschulgebäude verteilen sich über große Teile des Stadtgebiets und verzahnen Uni, FH und Stadt miteinander. Aber auch in Städten mit klar definierten Campus-Arealen dehnen die Hochschulen sich aus. Stadt- und Hochschulentwicklung sind untrennbar miteinander verbunden. In der räumlichen Ausdehnung der Hochschulen liegen viele, zum Teil noch nicht ausgeschöpfte Entwicklungspotenziale für Städte.

Einer der größten Erfolgsfaktoren ist deshalb eine gute Vernetzung: zwischen Hochschule, Verwaltung und Politik, aber auch zwischen Hochschule und lokaler Wirtschaft. Gerade Städte ohne großen Wirtschaftsmotor, die mit sinkenden Einwohnerzahlen kämpfen, wie z. B. Siegen, können von ihren Hochschulen enorm profitieren. Für sie ist es eine bedeutende Chance: auf eine Belebung des Stadtbilds, auf steigende Anziehungskraft und eine bessere Positionierung als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort mit Know-how. Aber auch wachsende und wirtschaftlich starke Städte sichern sich im Schulterschluss mit ihren Hochschulen eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung.

Die Kehrseite der Medaille: Hochschulentwicklung benötigt Fläche. Und an freien Grundstücken in Hochschulnähe mangelt es an den meisten Standorten. Steigende Studierendenzahlen verändern die Ansprüche: Studierende wie Lehrende müssen wohnen und einkaufen, wollen mobil sein und unterhalten werden. Für Politik und Verwaltung der Städte bedeutet das, ihren hochschulischen Aushängeschildern trotz Flächenknappheit Raum zu geben, den diese dann bestmöglich nutzen müssen.

Dies jedoch ist eine Herausforderung, die von den Hochschulen und Liegenschaftsbetrieben der Länder nicht alleine bewältigt werden kann. Das liegt zum einen an der großen Bandbreite der Aufgaben von der Sanierung des Altbestands bis zur Neuentwicklung von hochmodernen Forschungsbauten, Rechenzentren, Sportstätten oder Hörsaalgebäuden. Andere Gründe sind Ressourcenknappheit und fehlende Finanzmittel. Das Resultat sind Sanierungsstau, Investitionsrückstand und zum Teil sehr lange Realisierungszeiten.

Im besten Fall werden Hochschul- und Stadtentwicklung gemeinsam vorangetrieben. Hier können auch starke Partner aus der Privatwirtschaft eine wichtige Rolle einnehmen. Genau diese Rolle übernehmen wir mit dem lange aufgebauten Wissen unseres interdisziplinären Teams und setzen mit hohem Engagement spürbar Impulse. Der RWTH Aachen Campus ist eines der europaweit auffälligsten Beispiele dafür, wie Hochschulentwicklung Stadtentwicklung vorantreibt: Gemeinsam mit international renommierten Architekten wie dem New Yorker Büro Kohn Pedersen Fox oder Meyer en Van Schooten aus Amsterdam haben wir Beiträge zur Campusentwicklung geschaffen, die über den bloßen Zweckbau weit hinausführen. Denn Spitzenforschung braucht Spitzenarchitektur.

Die von uns entwickelten Forschungscluster Smart Logistik und Photonik haben Maßstäbe für die Entstehung eines neuen Hochschulquartiers gesetzt, das im Schulterschluss zwischen Hochschule und privaten Unternehmen entsteht. Es wird das Stadtbild Aachens als Hochschulstandort prägen, wie es durch öffentliche Akteure alleine kaum machbar wäre. Beide Gebäude greifen die Grundprinzipien des RWTH Aachen Campus – Austausch und Dialog zwischen Forschung und Wirtschaft – auf und bringen ihre Nutzer miteinander in Kontakt. Mit offenen Bürowelten, gemeinsam genutzten Forschungseinrichtungen und hellen Atrien als zentrale Treffpunkte und Veranstaltungsorte schaffen sie Raum zur Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft.

© Landmarken AG / kadawittfeldarchitektur / Rendertaxi Hansator Münster: Im rahmen einer Quartiersentwicklung der Landmarken AG entstehen unter anderem Mikro Apartments für Studierende.

Um den Herausforderungen in Hochschulstädten zu begegnen, braucht es zukunftsfähige Konzepte. Dringend benötigter Wohnraum kann nicht alleine durch die Studierendenwerke bereitgestellt werden. Zur Zielgruppe zählen neben den jungen Studierenden auch Post-Graduates, wissenschaftliche Mitarbeiter, Gastwissenschaftler und internationale Studierende, urbane Nomaden und schließlich auch junge Akademiker, die nach ihrem Studium in den Städten bleiben und Familien gründen möchten. Der private Wohnungsmarkt kann den hohen Bedarf nicht decken. Hier sind neue Konzepte gefragt für kleinere, flexible Wohneinheiten, kürzere Mietverhältnisse, Gemeinschaftsangebote und Services.

In Aachen entstehen in drei Projekten fast 400 Wohnungen für Studierende nach dem von uns entwickelten WE-PARTMENT-Konzept, das sich auch für andere Standorte eignet. Das neue Wohnkonzept spricht hauptsächlich junge Menschen an, denen ein dynamischer und lebendiger Ort zum Leben wichtig ist. Eine zentrale Stadtlage, flexible Grundrisse und attraktive, gemeinsam nutzbare Flächen sind grundlegende Bestandteile des WE-PARTMENT-Konzepts.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung von Städten wird durch die Hochschulen und das von ihnen generierte Wissen gespeist. Ein gutes Beispiel ist die Metropole Ruhr, wo sich die Landmarken AG mit einer eigenen, regionalen Unit besonders stark engagiert: Früher versprachen Kohle und Stahl dort Arbeit und Lohn, heute ziehen die Hoch- und Fachhochschulen sowie zahlreiche Forschungseinrichtungen mit ihrem Know-how neue Unternehmen an. Diesen stellen wir als Projektentwickler den passenden Raum zur Verfügung – für Kommunikation, Kreativität, agiles Arbeiten und die richtige Work-Life-Balance.

In unserem O-Werk in Bochum, der ehemaligen Opel-Hauptverwaltung als Symbol der Industriegesellschaft und heute als Leuchtturm des Wandels hin zur Wissensgesellschaft, arbeiten die Ruhr-Universität und das Online-Unternehmen babymarkt.de künftig unter einem Dach. Hier entstehen moderne Büros, Maker-Spaces und Co-Working-Spaces, die die Zusammenarbeit fördern, aber auch eine Kita und Gastronomie. Aus dem ehemaligen Autowerksgelände wird ein neues, lebendiges Quartier, das bald mehr Arbeitsplätze bieten wird als zuvor das Opel-Werk. Während der Umbau zu unserem Innovation Campus im O-Werk läuft, wird nebenan der Bebauungsplan für die nächste Landmarke angepasst. Am Opelring entwickeln wir bis zu 50.000 m² modernste Büroflächen als weiteren Beitrag zu einer wissensgetriebenen Quartiersentwicklung.

Wesentliche Voraussetzung für gute Stadtentwicklung ist, dass die Akteure miteinander reden und kooperieren. Nirgendwo wird diese Vernetzung so gut deutlich wie in der DIGITAL CHURCH. Die ehemalige Kirche in Aachen, die von der Landmarken AG zu Deutschlands erstem Co-Working-Space in einem profanierten Sakralbau umgewandelt wurde, ist zum bundesweiten Referenzprojekt für neue Collaboration Hubs zur Vernetzung von regionalen Unternehmen, Hochschulen und Start-ups geworden. Sie ist Heimat des digitalHUB Aachen, der junge Entwickler und Start-ups mit dem Aachener Mittelstand und technologiegetriebenen Industrieunternehmen zusammenbringt.

Ob impulsgebende Forschungsbauten, moderne Wohnkonzepte für Studierende und Hochschulangehörige oder Kollaborationsflächen für Hochschulen, Start-ups und Unternehmen: Wir konzipieren und realisieren ideenreiche Projekte für höchste Anforderungen der Hochschulentwicklung. Längst haben wir auch andere Hochschulstädte fest im Blick.


 ANTJE SCHEFFER

ist seit 2017 bei der Landmarken AG für den Bereich Hochschulentwicklung zuständig. Von 2003 bis 2008 studierte sie Architektur an der TWH Konstanz, mit Auslandsaufenthalt in Shanghai bei STISITU und Praxissemester bei Kresings Architekten in Münster. 2014 folgte ein berufsbegleitendes Studium der Immobilienökonomie an der EBS Universität Wiesbaden. Nach ihrer Diplomarbeit 2008 arbeitete sie bei BASF und anschließend bei Fischer Architekten. Von 2010 bis 2017 war sie bei der RWTH Aachen Campus GmbH beschäftigt, wo sie sich schwerpunktmäßig um die Investorenauswahlverfahren für die zu errichtenden Cluster des europaweit einzigartigen Forschungscampus gekümmert hat. Anschließend wechselte Sie zur Landmarken AG.

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