STARTSCHUSS FÜR ZUKUNFTSSTADT »PHVISION«

Abbildung IBA Heidelberg ©KCAP

Vor fünf Jahren begann der Prozess mit einer ersten Ideenfindung, jetzt hat der Heidelberger Gemeinderat den Dynamischen Masterplan für die Umsetzung der Zukunftsvision bewilligt: Auf der größten Konversionsfläche Heidelbergs, dem Patrick-Henry-Village (PHV), baut die Stadt gemeinsam mit Partnern und der Internationalen Bauausstellung (IBA) Heidelberg ein Musterquartier für die Wissensstadt von morgen. Rund 10.000 Menschen sollen hier zukünftig wohnen, 5.000 ihren Arbeitsplatz haben. Für den Städtebau in Post-Corona-Zeiten könnte das Modell Heidelberg heute schon wichtige Antworten geben. »Städtebau im 21. Jahrhundert muss vielfältiger sowie ökologisch und sozial nachhaltiger gestaltet werden als bisher. Mit der PHVision möchten wir einen Weg weisen, wie das gelingen kann«, so Prof. Michael Braum, Geschäftsführender Direktor der IBA Heidelberg, die den Planungsprozess koordiniert. »Statt einem ›Höher, Schneller, Weiter, Teurer‹ haben wir im Masterplan wertvolle Ansätze für den Schutz vor Risiken und vor sich wandelnden Rahmenbedingungen herausgearbeitet. Wir freuen uns sehr, dass nun die Realisierung des IBA-Leuchtturmprojektes beginnen kann!«

Der Dynamische Masterplan bildet die Grundlage für die weitere Entwicklung des Patrick-Henry-Village. Abbildung: IBA Heidelberg/© KCAP

Mit dem Startschuss für PHV bietet sich Heidelberg nach der Bahnstadt bereits zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert die Chance, einen ganzen Stadtteil neu zu denken und zu bauen. »Wir wollten erneut einen zukunftsfähigen und international vorbildlichen 16. Stadtteil. Der ambitionierte Masterplan für das Patrick-Henry-Village ist hierfür eine hervorragende Grundlage«, begrüßt Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner die Entscheidung des Gemeinderates.

VITALER, HETEROGENER, GRÜNER: DIE PHVISION FÜR DIE RESILIENTE STADT VON MORGEN

»Vitaler, heterogener, grüner« ist der Leitgedanke des neuen resilienten Stadtteils, der auf der 100 Hektar großen Konversionsfläche mit zeitgemäßen Wohn- und Arbeitswelten, innovativen Freiraum- und Mobilitätskonzepten, einer klimaneutralen Energieversorgung sowie dem intelligenten und gesellschaftlich verantwortlichen Einsatz digitaler Technologien Antworten auf drängende Zukunftsfragen gibt. Hierfür wurden fünf Quartierstypen mit unterschiedlichen Identitäten entwickelt, die oftmals Neu- und Bestandsbauten der US-amerikanischen Wohnsiedlung mischen.

Ein zentraler Park mit einem See für das Wassermanagement im Zentrum, Vielfalt in der Architektur und bei der Nutzung von Gebäuden, die Produktion von Nahrungsmitteln und Energie direkt im Quartier – das sind nur einige Aspekte des ganzheitlichen Ansatzes. Dank Quartiersgaragen in Randlage ist der öffentliche Raum fußgängerfreundlich und stellplatzfrei. Die ehemalige Ringstraße wird als »Parkway« mehrfach genutzt: als Verkehrsraum und Park zugleich. Auch neuartige sektorenübergreifende städtische Betreibermodelle sind angedacht. »Unser Ziel war und ist es, einen in allen Belangen nachhaltigen, zukunftsweisenden und lebenswerten Wohn- und Arbeitsort zu entwerfen. Das ist uns dank eines komplexen Innovationsprozesses gelungen, in den ambitionierte Partner aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft eingebunden waren«, fasst Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck zusammen.

»Vitaler, heterogener, grüner« ist der Leitgedanke des neuen resilienten Stadtteils. Abbildung: IBA Heidelberg/© KCAP

Bereits im Vorfeld zog das Projekt im Städtediskurs Aufmerksamkeit auf sich: »Als international ausgerichtetes Reallabor nutzen wir mit PHV die Jahrhundertchance, die sich aus dem Abzug der US-Armee ergeben hat, für die Entwicklung eines kompletten Stadtteils. Der Ort und das Ergebnis ist einmalig und hat Vorbildcharakter«, erklärt Architekt und Stadtplaner Kees Christiaanse, Gründer des Planungsbüros KCAP, das auf die Entwicklung nachhaltiger städtischer Lebensräume weltweit spezialisiert und federführend an der mehrstufigen Entwicklung des Masterplans für PHV beteiligt ist.

INSTRUMENTENBAUKASTEN STATT PLANUNG VOM REISSBRETT

Als Grundlage für die Entwicklung von PHV wurde mit dem Dynamischen Masterplan ein sorgfältig ausbalanciertes Konzept geschaffen, das bewusst offen für die Anforderungen von morgen bleibt. Der über 120 Seiten umfassende Bericht wurde in Zusammenarbeit mit internationalen Expertenteams und unter experimenteller Beteiligung von Verwaltung und Bürgern erarbeitet. Er beschreibt die wesentlichen Ziele sowie Umsetzungsprinzipien und Maßnahmen zum Erreichen dieser. Der Dynamische Masterplan geht dabei über städtebauliche Themen hinaus: »Neben der Gestaltung von innovativen Gebäudetypologien, Freiraumlösungen und technischen Infrastrukturen befasst sich der Dynamische Masterplan mit Umsetzungsstrategien, Betreibermodellen und Gouvernance-Prozessen. Ziel war es, einen Instrumentenbaukasten zu entwerfen, mit dessen Hilfe ein zukunftsorientierter Stadtteil entwickelt werden kann«, erläutert Anouk Kuitenbrouwer, Partnerin bei KCAP.

UMSETZUNG IN ETAPPEN: PHV WIRD STUFENWEISE ZUR ZUKUNFTSSTADT

Der Masterplan bietet eine stabile städtebauliche Struktur, die übergeordnete Infrastrukturen und zentrale öffentliche Räume vorgibt. Für die Umsetzung ist eine stufenweise Entwicklung des Areals vorgesehen, die auch vorhandene Gebäude und Freiraumstrukturen einbindet. Sie soll auf der Basis von Regelwerken und unter qualitativer Begleitung erfolgen. In der ersten Phase zählen dazu Aktionen aus den Bereichen Kultur und Sport, Ansiedlungen von Pionieren aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie der kreative Umgang mit Wohnen im Bestand. Über die Nutzung zusätzlicher Flächen im Westen des PHV-Geländes soll zu einem späteren Zeitpunkt nochmals entschieden werden. Diese sind laut Gemeinderatsbeschluss frühestens ab 2030 schrittweise verfügbar.

Für die Entwicklung ist eine enge Partnerschaft zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und der Stadt Heidelberg vorgesehen. Die BImA ist die Eigentümerin der Liegenschaft und wird dort auch selbst Flächen entwickeln und Wohnraum schaffen. Sie will Teile des vorhandenen Wohnungsbestands behalten, instandsetzen und vermieten.


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Beitragsbild: IBA Heidelberg/© KCAP

1 Kommentar

  1. Tim Entenmann

    „Als Grundlage für die Entwicklung von PHV wurde mit dem Dynamischen Masterplan ein sorgfältig ausbalanciertes Konzept geschaffen, das bewusst offen für die Anforderungen von morgen bleibt.“

    eine glatte Lüge, seit 2 Jahren wird über den Verbleib der Erstaufnahmeeinrichtung (aktuell im PHV ) debattiert. Ein Stadtteil der Zukunft sollte auch die Möglichkeit haben eine solche Einrichtung unterzubringen. Statdessen wird diese für viel Geld 5km weiter neu gebaut und das gegen den Willen der Sozialeinrichtungen und Flüchtlingsverbände.

    Herr Braum sagte in einem Interview der RNZ zur Frage was eine Erstaufnahmeeinrichtung für seine Pläne das PHV betreffend bedeutet: „… es würde der IBA die Wirkungsmacht und die Strahlkraft substanziell nehmen.“

    Dazu sage ich: NEIN!! Sie Herr Braum nehmen ihrem Projekt die Strahlkraft wenn Sie substanzielle Themen der Gegenwart und der Zukunft nicht in Ihre Überlegungen mit einbauen. Keine Stadt kann es sich heute leisten die anhaltende Flüchtlingsthematik nicht in ihre Planungen einzubeziehen.

    MIt ihrem Standpunkt Herr Braum verhindern Sie eine soziale, zukunftsorientierte und integrative Unterbringung von Menschen auf der Flucht, Ihre Forderung die Erstaufnahmeinerichtung nicht im PHV zu belassen wird die Stadt und Ihre Bürger einen 8 stelligen Betrag kosten.
    Die Ersteinahmeeinrichtung die bisher als ein beispielloser Erfolg gefeiert wird, in ganz Deutschland dafür gelobt wurde, wird nun verlegt in ein Gebiet das die Flüchtlingorganisationen als unmenschlich ansehen.
    Es werden dafür mehr Grünflächen versiegelt als in ihrem Projekt neu geplant werden.

    Diese Lösung als Nachhaltig zu bezeichnen ist gelinde gsagt eine Unverschämtheit und zeigt wie wenig Verständnis für die Anforderungen von morgen bzw von heute vorherschen.

    Somit bleibt festzuhalten: In Heidelberg wird Flüchtlingpolitik von Architekten und „Städteplanern“ gemacht, ohne Rücksicht auf soziale Aspekte.

    P.s. „Wir wollten erneut einen zukunftsfähigen und international vorbildlichen 16. Stadtteil. “
    Ich hoffe Sie meinen mit erneut nicht wieder so eine Blamage wie in der Bahnstadt.

    Herzlichst,
    ein entäuschter Heidelberger Bürger

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