MVRDV: ZUKUNFT DES SOZIALEN WOHNUNGSBAUS IN AUGSBURG

Die älteste soziale Wohnungsbauanlage der Welt feiert dieses Jahr ihr 500-jähriges Jubiläum: Die Fuggerei in Augsburg. Dieses Jubiläum wird aktuell mit einem temporären Festpavillon, dem NEXT500-Pavillon vom niederländischen Architekturbüro MVRDV, gebührend zelebriert. Rund um den Pavillon findet ein fünfwöchiges Programm statt, um einerseits die Geschichte der Fuggerei mit ihrem besonderen Fokus auf den sozialen Wohnungsbau zu beleuchten. Andererseits wird der Blick aber auch in Richtung Zukunft gerichtet: Im Pavillon werden Entwürfe für drei Fuggereien in verschiedenen Teilen der Welt vorgestellt – die Herausforderungen, die das Fuggerei-Modell angeht, sind global. Momentane Schwierigkeiten wie Wohnungsnot, soziale Ungleichheit und die Klimakrise machen Lösungen wie die Fuggerei notwendiger als je zuvor.

„Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum betrifft Menschen auf der ganzen Welt“, sagt Jacob van Rijs, Gründungspartner von MVRDV, „und ist meiner Meinung nach ein Grundrecht. Unser Team bei MVRDV hat untersucht, welche Art von Fuggerei an den verschiedenen Orten benötigt wird, wobei der Schwerpunkt auf Bildung, ältere Menschen, Gleichstellung der Geschlechter sowie die Stärkung und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Bewohner liegt. Ich freue mich über das große Interesse an den Feierlichkeiten zum 500-jährigen Bestehen der Fuggerei, das zeigt, dass es sich um ein globales Thema handelt, das dringend Aufmerksamkeit braucht.“

Nachhaltiger Holzpavillon

© Eckhart Matthaeus

Die Form des Pavillon ist inspiriert von den langen Reihenhäusern der Fuggerei selbst. Er ist ein schmales, giebelständiges Bauwerk, dessen eines Ende so gebogen und angehoben ist, dass sich eine 8,5 m lange Auskragung ergibt. Sie dient als Tribüne unter anderem für Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen. Im Inneren findet eine Ausstellung über die „Fuggerei der Zukunft“ statt. Zu diesem Zweck hat MVRDV in Kooperation mit der Fugger-Stiftung eigens eine Studie durchgeführt, um zu analysieren, welche Merkmale es für einen erfolgreichen sozialen Wohnungsbau braucht. Brettsperrholz dient als Material für den Pavillon. Es ist nach moderner CLT-Technologie gefertigt und folgt dem nachhaltigen Anspruch des Architekturbüros: Holz speichert Kohlenstoff, statt ihn in die Atmosphäre auszustoßen. Ein weiterer nachhaltiger Aspekt des Bauwerks: Es ist leicht demontierbar. Durch den modularen Aufbau des Pavillons kann er ohne viel Aufwand an einem neuen Ort wiederverwendet werden.

Drei Entwürfe für Fuggereien der Zukunft

Die Studie zur bestehenden Fuggerei in Augsburg zeigt dabei, dass acht einfache Bausteine die Grundlage des Modells bilden. Diese finden sich auch im Bauwerk selbst wieder: Im Inneren des NEXT500-Pavillon befinden sich analog zu den Bausteinen acht unterschiedliche Räume für Veranstaltungen und Workshops, die auch die Inhalte der Studie vermitteln.

Das Ziel der Studie war es aber nicht nur, die Merkmale eines erfolgreichen sozialen Wohnungsbaus herauszustellen. MVRDV stellt im Zuge der Studie auch drei konkrete Beispiele vor, auf welche Art und Weise und an welchen Orten künftige soziale Wohnungsbauanlagen sinnvoll sein könnten. Die Studie stellt insbesondere eins heraus: Wie vielfältig sozialer Wohnungsbau sein kann. Der erste Vorschlag bleibt in der Gründerstadt der Fuggerei, verleiht ihr aber einen neuen Fokus: Die Bildung. Der erste Entwurf will die Selbstbestimmung der Bewohnenden fördern und dazu beitragen, das Wohlstandsgefälle durch Bildung zu verringern.

Fuggerei goes international

Ein weiterer Entwurf geht über Deutschlands Grenzen hinaus: In einer ländlichen Region mit schöner natürlicher Umgebung in Litauen könnte künftig eine weitere Fuggerei entstehen. Hier legt MVRDV den Schwerpunkt auf die Herausforderung einer alternden Bevölkerung, die oftmals unter einer Altersarmut leidet. Der letzte Entwurf überschreitet sogar die europäischen Grenzen. MVRDV hat ein Fischerdorf in Sierra Leone für den Standort der dritten neuen Fuggerei ausgewählt. Diese Anlage zielt insbesondere darauf ab, Frauen und Kindern eine sichere Umgebung zu gewährleisten. Das Erscheinungsbild der drei potentiellen Fuggereien hängt maßgeblich von ihrem Standort sowie der Zielsetzung ab – sie folgen aber alle der Formel des Augsburger Originals.

Der Festpavillon ist bis zum 12. Juni für Interessentinnen und Interessenten geöffnet, die sich mit der Zukunft des smarten sozialen Wohnungsbaus beschäftigen möchten. Auch ein Buch zur Studie ist erhältlich.

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Bilder: © Eckhart Matthäus, © MVRDV

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