STÄDTE BEWEGEN MENSCHEN – MENSCHEN BEWEGEN STÄDTE

© Deutscher Städtetag

Die Antwort auf diese Frage hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert. Die Städte haben sich längst auf den Weg gemacht, die „autogerechte Stadt“ zu überwinden und eine nachhaltige, zukunftsgerichtete und klimaschonende Mobilität zu fördern. Nie war der politische und gesellschaftliche Konsens für Wan­del, Umbau und Erneuerung der Verkehrssysteme größer.

Um dieses Ziel mit allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren voranzubringen, neue Ideen zu entwickeln und neue Partner­schaften zu finden, braucht es Messen wie die polisMOBILITY. Die Städte sind ein zentraler Player beim Thema Verkehrswende. Aber daneben gibt es viele andere, die ebenso ihren Beitrag leis­ten wollen und müssen – Bund, Länder, Verkehrsunternehmen, Industrie, Handwerk, Logistik, – alle sind für die Transformation der Mobilität gefordert. Die Themenwelten, die die polisMOBILI­TY aufruft und bespielt, finden sich alle auch in unseren Städten wieder – sei es „Mobil unterwegs“, die „Grüne Stadt“ oder auch das Thema „Planen und Bauen“. Die Mobilität der Zukunft ist elementarer Bestandteil der lebenswerten Stadt der Zukunft. Der Deutsche Städtetag als die „Stimme der Städte“ ist deshalb auch sehr gerne Schirmherr für diese Veranstaltung.

Müssen wir uns mehr bewegen oder weniger? – Die Stadt der kurzen Wege
Auch wenn die Städte sich auf den Weg gemacht haben, es gibt noch viel zu tun. Wenn der Verkehrssektor seinen vereinbarten Beitrag zum Erreichen der klimapolitischen Ziele bis 2030 und 2045/50 liefern will, müssen Schadstoffemissionen und Lärm­belastungen weiter deutlich reduziert werden. Der fossile Mo­torisierungsgrad muss entscheidend sinken, Fahrzeuge müssen effizienter genutzt werden.

Die polisMOBILITY 2022 hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Städte der Zukunft gemeinsam zu gestalten. Die Stadt der Zukunft ist eine „Stadt der kurzen Wege“. Siedlungserweiterun­gen ohne Anschluss an umweltverträgliche Verkehrssysteme müssen wir vermeiden. Wir brauchen mehr Kooperation zwi­schen Städten und Umland. Durch eine verdichtete Siedlungs­entwicklung mit Wohnungs-­ und Erholungsangeboten für alle Einkommensschichten können Wegelängen reduziert werden.

Das ist allerdings ein langer Weg – die „Quick wins“ müssen in an­ deren Bereichen erzielt werden: Wir brauchen Fahrgemeinschaf­ten im regionalen Pendlerverkehr mit komfortableren Umsteige­möglichkeiten von einem Pkw in den anderen an Autobahnen und Bundesstraßen. Wir brauchen mehr und attraktivere Park-­ und Ride-­Plätze. Und aus Sicht der Energiesicherheit und des Klima­schutzes ist es gewiss auch nötig, die Höchstgeschwindigkeiten auf Autobahnen und Landstraßen zu überprüfen.

Bei den Worten „Mobil unterwegs“ soll uns nicht mehr als Ers­tes das eigene Auto einfallen. Deshalb braucht es gute Alter­ nativen, wenn die Wege einmal nicht ganz so kurz sind. Das bedeutet ein nachfrageorientiertes Angebot im ÖPNV und eine Verdichtung des Angebots. Darüber hinaus können auch gute Rad­ und Fußwegenetze, Mobilitätsstationen, Sharing­-Systeme und Fahrradparkplätze Beiträge leisten, die Attraktivität des „Umweltverbunds“ zu steigern.

Wem gehört die Straße?

Wenn wir dem öffentlichen Raum wirklich wieder mehr Aufent­haltsqualität geben wollen, wenn wir die Straßen und Plätze der Stadt zu Orten der Begegnung und der Gemeinsamkeit machen wollen, dann müssen wir den öffentlichen Raum anders nutzen. Das wird vor allem auch den ruhenden Verkehr betref­fen. Damit Radfahrer:innen und Fußgänger:innen sicher und komfortabel unterwegs sein können, brauchen wir auch für sie mehr Platz. Und da die Flächen nicht mehr werden, müssen wir die vorhandenen Flächen anders verteilen. Der Mix ist das Ziel.

Die Städte wollen gestalten – die Flächen, den Modal Split, den Verkehr auf der Straße. Dafür brauchen sie Gestaltungs­spielräume, konkret: Entscheidungskompetenzen und die Möglichkeit, neue Modelle zu erproben. Die Städte wollen den Verkehr auf ihren Straßen effizienter, klimaschonender und sicherer machen. Verkehrssicherheit, attraktive Lebens­ und Aufenthaltsräume, gute Gestaltung, aber auch ein akzeptabler Verkehrsfluss stehen im Vordergrund. Die Städte wissen am besten, welche Geschwindigkeit dafür in welchen Straßen not­ wendig und angemessen ist.

Moving Cities

Die diesjährige polisMOBILITY trägt den Untertitel „Moving Cities“. Sie steht für die Zukunft von Mobilität und urbanem Leben. Ich freue mich, dass dieses Thema die Menschen be­wegt. Wir brauchen den Blick in die Zukunft. Wir sollten die Gelegenheit nutzen, dass bei der polisMOBILITY so viele unter­schiedliche Akteurinnen und Akteure zusammenkommen und ihre Ideen für die Mobilität von morgen miteinander teilen.

Ich wünsche Ihnen allen spannende neue Impulse und gute Gespräche mit einem offenen Ohr für die Ideen anderer!

Markus Lewe
Präsident des Deutschen Städtetages
Oberbürgermeister der Stadt Münster

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