Europäischer Preis für Urbanen Öffentlichen Raum: Die Shortlist

Der European Prize for Urban Public Space ist ein alle zwei Jahre verliehener Ehrenpreis, mit dem das Centre de Cultura Contemporània de Barcelona (CCCB) seit 2000 die besten Konzepte zur Schaffung, Umgestaltung oder Wiederherstellung öffentlichen Raums in europäischen Städten auszeichnet. In der „europäischen Stadt“, deren Idealbild trotz aller regionaler Eigenheiten flächendeckend von menschlichem Maßstab, kompakter Bauweise und einer Mischung der Nutzungen geprägt ist, spielt der öffentliche Raum eine Schlüsselrolle. Als kollektiver Treffpunkt durchdrungen von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Werten, benötigt er eine physischen Gestaltung, die diese Werte aufnimmt und möglich macht.
In diesem Jahr konnte man sich in Barcelona über 326 Einreichungen aus 35 Ländern freuen, so viele wie noch nie. Die meisten eingereichten Projekte finden sich in Spanien, Polen, Italien, Frankreich und Portugal, eines sogar in der Ukraine. Vor der Preisverleihung am 14. und 15. November wurden nun die fünf Projekte in der engeren Wahl veröffentlicht.

Catharijnesingel, 2020. Utrecht, Niederlande. OKRA landschapsarchitect

© 2021 OKRA landschapsarchitecten

Die Sanierung des Catharijnesingel befreit die Straße vom Autoverkehr und bringt dafür das Wasser zurück. Der öffentliche Raum der Stadt wird für Radfahrende und Menschen zu Fuß zugänglich gemacht und so belebt. Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel dafür wie die (Re-)Integration von Wasserwegen und ihrer biologischen Vielfalt die Qualitäten der Stadt ebenfalls zurückbringen kann. Nach natürlichem Vorbild wurden Bäume und Vegetation ausgewählt und um sorgfältig ausgewählte Pflasterung und Stadtmobiliar ergänzt. Es wird ein neues, natürliches und gesundes Mikroklima geschaffen, das in der gegenwärtigen Situation der globalen Klimakrise eine wichtige Rolle spielen wird.

 

FLOW, 2021. Brüssel, Belgien. POOL IS COOL, Dekoratelier Jozef Wouters

© 2021 Paul Steinbrück

Flow, entworfen und gebaut in Kooperation mit fünfzig jungen Menschen, ist seit vierzig Jahren das erste Freibad, das in Brüssel errichtet wurde. Die temporäre Struktur des Projekts ist zu einem vielseitigen Treffpunkt geworden. Dank des einfachen und günstigen modularen Systems, das leicht von einigen helfenden Händen gebaut werden kann, ist es ein gutes Beispiel dafür, wie die Stadtgesellschaft an der Entstehung eines aktiven, gesunden öffentlichen Raums mitwirken kann.

 

Hage, 2021. Lund, Schweden. Brendeland & Kristoffersen architects, Price & Myers

© 2021 Geir Brendeland

Die Kathedrale von Lund will ihre Grundstücke nutzen, um einen öffentlichen Raum zu schaffen, der eine Alternative zur Logik der raschen Urbanisierung in ihrer Umgebung darstellt. Ein Hof, an drei Seiten von Mauern aus Ziegelsteinen eines abgerissenen Fabrikgebäudes umschlossen, befindet sich auf einem noch unbebauten Grundstück am Stadtrand von Lund. Ziel ist es, mit der städtebaulichen Entwicklung des Gebiets NICHT Schritt zu halten, sondern zusammen mit den Menschen der Stadt eine Alternative zu schaffen. Der Hof ist ein erster Eingriff, ein Vorgriff auf eine allmähliche Entwicklung des Ortes: ein hortus inconclusus.

 

 

Platz Saint Sernin, 2020. Toulouse, Frankreich. Joan Busquets, Pieter-Jan Versluys, BAU

© 2020 BAU

Die Neugestaltung des Platz Saint Sernin in Toulouse verleiht dem historischen Stadtgefüge der Stadt wieder mehr Eleganz. Die Autos, die den Platz belegten, wurden verbannt und die verlorenen Bäume als bestimmende Gestaltungselemente des öffentlichen Raums durch neue Pflanzungen ersetzt. Die Einfachheit des Konzepts, die eingesetzten Materialien und die Wertschätzung der Geschichte des Ortes sind die Grundlagen, mit denen neuer, einst gefährdeter öffentlicher Raum reaktiviert und vielen unterschiedlichen Nutzungen erschlossen wird.

Sporta pils dārzi, 2021. Riga, Lettland. Artilērijas dārzi

© 2021 Kristīne Majare

Der städtische Gemeinschaftsgarten „Sporta pils dārzi“ ist das Ergebnis einer Volksinitiative zur Nutzbarmachung eines verlassenen Grundstücks und wird zu einer neuen Typologie öffentlichen Raums. Das Projekt besteht aus von dichtem Grün umschlossenen Rückzugsräumen und ist Treffpunkt und Veranstaltungsort. Diese neue Art von städtischem Raum bezieht produktive, kulturelle und soziale Logiken mit ein und integriert die natürlichen Elemente als Teil des Gemeinschaftsraums.

 

 

 

 


Das Archiv des Europäischen Preises für Urbanen Öffentlichen Raum fasst in Form einer Online-Ressource die besten Arbeiten zusammen, die seit der Einführung des Preises eingereicht wurden. Mit mehr als 300 Beispielen aus fast 200 Städten ist es eine ständig wachsende Quelle für die Untersuchung des Baus und der Entwicklung öffentlicher Räume in Europa.

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