Schönheit

Es gibt wenige Begriffe, die wir so selten nutzen wie das Wort Schönheit. Etwas eigentümlich Forderndes scheint sich hinter dem Begriff zu verbergen. Im beruflichen Zusammenhang bildet das Schöne selbstverständlich keine Kategorie des Handelns und der Entscheidung. Im alltäglichen Sprachgebrauch dagegen wird es schnell einmal als Attribut und Synonym für Nettes, Hübsches, Liebliches und Attraktives verwendet.

Unser Verhalten tendiert dazu, die Welt in zwei Hälften zu trennen, in die eine, die ihre Haltung aus Funktionen, Prozessen und Effizienzen begründet, in die andere, die all das auch einmal beiseiteschieben darf, wenn Entspannung und Wohlgefühl im Mittelpunkt stehen. Das eine kennzeichnet in der Regel den Beruf, das andere das Private.

Welch ein Glück ist es, in einem Metier tätig zu sein, in dem das Bauen und Gestalten von Architektur die eigene Profession bestimmt. Unabhängig davon, ob als Architekt, Stadtplaner,
Städtebauer, Projektentwickler oder Investor, ermöglicht das Bauen, mehr zu sein als Funktion, Prozess, Effizienz und Investment. Das Bauen ermöglicht, gestalten zu können und über die Gestaltung mehr mitzugeben als das reine Bedürfnis. Gebaute Architektur ist unausweichlich immer etwas, was Menschen langweilt oder inspiriert, was trostlos arm oder anregend reich wirkt.

Schönheit ist keine Erfahrung, die Menschen in gleicher Weise machen. Bekanntlich sind die Geschmäcker verschieden. Was uns aber alle verbindet, ist die Erkenntnis, dass Schönes eine Kraft besitzt, die uns anzieht, und eine Quelle der Inspiration darstellt, die uns mehr gibt als das Notwendige. Das Schöne – in welcher Gestalt auch immer – ist deswegen so stark, weil wir in ihm das Eigentliche und Bereichernde erkennen. Deswegen suchen wir schöne Städte, schöne Plätze und schöne Architektur.

Jede Architektur, jede Projektentwicklung und jedes Investment birgt in sich die Möglichkeit, mehr zu sein als das Notwendige. Schönheit ist das Darüberhinausgehen, das Objekte zu Werten macht, Gebäude zu Architektur und Kosten zu Investments.
Das ist das Glück des Bauens.

Du bist
keine Schönheit,
vor Arbeit ganz grau,
du liebst dich
ohne Schminke,
bist ’ne ehrliche Haut,
leider total verbaut, aber grade das
macht dich aus.

Herbert Grönemeyer, Bochum

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