Survive

Wenn man die Möglichkeiten der Stadtentwicklung für die kommenden Jahre beschreiben will, dann wird die Konversion von Gebäuden und Flächen wohl im Mittelpunkt stehen. In europäischen Städten besitzt nahezu jeder Quadratmeter seine Funktion. Von freien Grundstücken für den Neubau brauchen wir jenseits von Baulücken oder kleinen Restflächen in der Regel nicht zu träumen. Die Aufgabe der Zukunft hat viele Namen: Umnutzung, Erneuerung, Revitalisierung, Refurbishment oder Konversion. Doch letztlich bleibt das Bauen im oder mit dem Bestand eine Herausforderung. Was wird sich damit ändern?

Die Komplexität. Im Bestand zu planen oder bestehende Architektur in Projektentwicklungen zu integrieren, ist nicht immer einfach. Konstruktiv, städtebaulich und logistisch sind Rücksichten zu nehmen, von denen man bei der Umsetzung eines reinen Neubauprojektes in der Regel verschont bleibt. Die Komplexität ist anstrengend, erfordert Erfahrung und Aufmerksamkeit.

Die Individualität. Der Bestand zwingt zu einer besonderen Lösung, die auf eine Situation reagiert. Unabhängig ob für den Handel in der City, die Modernisierung von Bürogebäuden oder den Wohnungsbau auf Konversionsflächen. Aus der Routine formatierter Produkte lassen sich die Aufgaben des Refurbishments nicht bewältigen. Aus der Erneuerung des Bestandes entstehen unausweichlich Einzelstücke, Unikate und eigenständige Lösungen.

Der Standort. Jede Investition ist eine Frage der Abwägung. Ob es sich wirtschaftlich lohnt, sich im Rahmen von Projektentwicklungen mit dem Bestand auseinanderzusetzen, hängt wahrscheinlich künftig mehr denn je vom Potenzial des Standorts ab. Was nicht mit den Strategien der Stadtentwicklung abgeglichen ist, was nicht in den größeren Rahmen von Quartierentwicklungen – ob Innenstadt oder Stadtteil – integriert ist, wird nicht nachhaltig sein. Ohne Kenntnisse über Standort und Region wird es schwierig.

Die Partner. Ohne das verlässliche Miteinander von Stadt und Immobilienwirtschaft lässt sich Erneuerung nicht denken. Die wirtschaftlichen Risiken, die aus unberechenbaren Verfahren oder grenzenlosen Forderungen erwachsen, wären für die Unternehmen nicht darstellbar. Die städtebaulichen Probleme einer desolaten Stadtstruktur, die aus nicht zu bewältigenden Aufgaben oder riskanten Rahmenbedingungen entstehen, können für die Städte nicht wünschenswert sein.

Natürlich ist das Bauen mit oder im Bestand eine Herausforderung. Für die Immobilienwirtschaft, weil sie sich für erfolgreiche Projektentwicklungen differenzierter aufstellen muss, wie auch für die Kommunen, weil sie für die städtebaulichen Entwicklungen verlässliche und möglicherweise zunehmend individuelle Rahmenbedingungen schaffen müssen.

Städte werden erfolgreich sein, wenn sie sich immer wieder neu erfinden. Gebäude und Quartiere wandeln sich. Brachen und Abgewirtschaftetes sind die Voraussetzung für Kreativität, neue Ideen und Projekte. Die Auseinandersetzung mit dem Bestehenden ist schon heute nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel.

The space within becomes the reality
of the building.

Frank LLoyd Wright

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