POLIS KEYNOTES FRANKFURT // WIE VIEL DICHTE BRAUCHT URBANITÄT

Wie viel Dichte braucht Urbanität?

Unter diesem Thema fanden die polis Keynotes am 13. September im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main statt. Rund 80 Gäste lauschten den hochkarätigen Rednern. Mit knackigen Statements und einer anschließenden spannenden Diskussion stellten die polis Keynotes auch in der Metropolregion ihre Qualität unter Beweis – gleich zu Beginn etwa mit Mike Josef, der seit rund zwei Monaten neuer Dezernent für Planen und Wohnen der Stadt ist. In seiner Eröffnungsrede skizzierte er eine knappe Formel: Dichte lässt Urbanität entstehen, Urbanität wiederum ist die Voraussetzung für Attraktivität – wenn sie denn richtig gedacht und entwickelt wird. „Die attraktivsten Stadtteile sind heute die, die am dichtesten bebaut sind. Nur müssen wir den Menschen auch erklären, welchen Mehrwert sie davon haben, wenn wir dichter bauen“, sagte Josef mit Blick auf neu entstehende Infrastruktur, Kindertagesstätten, Schulen und einer besseren Nahversorgung.

Vor der Paneldiskussion stimmten drei Redner mit ihren Thesen auf das Thema ein: Jürgen Fenk, Mitglied des Vorstands der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, Birgit Ritscher-Filka, Director Leasing & Asset Management der RFR Management GmbH und Jakob Vowinckel, Leiter CA Immo Frankfurt der CA Immo Deutschland GmbH.

In seinem Vortrag betonte Jürgen Fenk, das Rezept der Stunde laute zwar offenkundig Nachverdichtung, allerdings spiele dabei die soziale Durchmischung die entscheidende Rolle. Sie sei der Garant für die Stabilität von Quartieren. „Wir müssen uns darauf konzentrieren, dass Verdichtung mehr Lebensqualität mit sich bringt“, forderte Fenk und plädierte dafür, architektonische und soziale Qualität zusammen zu denken.

Während Birgit Ritscher-Filka vor allem das Projekt „Flair in the City“ als gelungenes Beispiel für urbane Stadtentwicklung vorstellte, konzentrierte sich Jakob Vowinckel auf die Gesellschaft im Wandel, die mit ihrem Bedarf nach flexiblen Flächen und Arbeitsumgebungen auch strukturell neuartige Gebäude erfordert: „Heutzutage kann man überall arbeiten, Privates und Geschäftliches vermischen sich. Wir müssen Gebäude bauen, die die Menschen wieder zurück ins Büro holen, mit Sportmöglichkeiten, Multispace-Räumen und eine Café-Charakter.“

In der anschließenden Paneldiskussion stellte Moderator Prof. Dr. Johannes Busmann, Herausgeber und Chefredakteur des polis Magazins für Urban Development zunächst die Frage, wie es gelingen könne, dem Problem der Gentrifizierung zu begegnen. „Es ist ein Problem, dass sich einige Menschen durch die Mietentwicklung Wohnraum in der Stadt nicht mehr leisten können“, so Mike Josef. Seine Schlussfolgerung: Man dürfe beim Thema Stadtentwicklung nicht nur den Markt bedienen und ausschließlich teuren Wohnraum bauen. „Wir dürfen die Fehler aus den 70er Jahren, in denen wir uns auf sozialen Wohnraum konzentriert haben, jetzt nicht umgekehrt wiederholen.“ Spannend in diesem Zusammenhang war die Aussage von Robert Bambach, Mitglied des Vorstands der Commerz Real AG, es habe sich gezeigt, dass Investments dann langfristig wirtschaftlich am erfolgreichsten seien, wenn sie auch das Thema Urbanität bedienen. „Allerdings sind wir hier auch auf die Hilfe von Städteplanern angewiesen“, sagte Bambach, der bezweifelte, dass sich der Trend der Verteuerung aufhalten lässt: „Vielleicht ist es besser, andere Akzente zu setzen und beispielsweise den öffentlichen Nahverkehr und das Straßennetz zu stärken.“ So ließen sich die Randgebiete stärker in die Stadt holen.

Im Fokus der Diskussion standen wiederholt auch die Themen Regeln und Vorschriften. Hier gäbe es gerade in Deutschland eine eindeutige Überregulierung, betonte Jürgen Fenk. Dem schloss sich Mike Josef an: „Wir können keine gesetzlichen Vorgaben machen, die das Bauen teurer machen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum fordern, das widerspricht sich.“ Es sei zwar modern, gerade im Bereich der Bauanforderungen alles zu machen was möglich sei, etwa mit Blick auf Emissionsschutz, nur müsse man sich auch die Frage stellen, „ob das nicht manchmal auch an der Realität vorbeigeht“.

Um langfristig ein anderes Denken zu etablieren, brachte Fenk schließlich das New Yorker 80/20-Modell ins Gespräch, laut dem jeder Neubau 20 Prozent geförderten Wohnraum beinhalten muss, um gebaut werden zu dürfen. Die Idee sei zwar gut, aber sie stehe und falle mit ihrer Zuverlässigkeit und Langfristigkeit, sagte Robert Bambach: „Wir brauchen Planbarkeit. Ohne einen Konsens zu städtebaulichen Zielen über Generationen hinweg geht es für uns nicht.“

Am Ende herrschte unter den Diskussionsteilnehmer weitgehend Einigkeit darüber, wie Dichte und Urbanität auch künftig zusammen funktionieren können: Es sei wichtig, die Baukosten zu senken, integrierte und langfristige Stadtentwicklungskonzepte zu erarbeiten und Städte- und Wohnungsbau nicht nur betriebswirtschaftlich sondern auch volkswirtschaftlich zu sehen.

Die nächste polis Keynotes Veranstaltung findet am 30. Januar 2017 bei Hogan Lovells in Düsseldorf statt. Sie möchten teilnehmen? Dann senden Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff „polis Keynotes Düsseldorf“ und Ihrem Namen an keynotes@polis-magazin.com

Bild © Kirsten Bucher

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