polis 03/2016 Work

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Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat vor einiger Zeit eine Studie unter dem Titel „Wertewelten Arbeiten 4.0“ in Auftrag gegeben und veröffentlicht. Vor dem Hintergrund der tiefgreifenden technologischen und sozialen Veränderungen wurden 1.200 Personen befragt, wie sie ihre aktuelle Arbeitssituation erleben und welche Entwicklungen sie für den Bereich Arbeit bis zum Jahr 2030 erwarten. Auf sieben zentrale Gedankenfelder Sorgenfreiheit, Solidarität, Erfolg, Leistung, Selbstverwirklichung, Balance und Sinn konzentrieren sich die Ergebnisse der Studie.

Es überrascht wohl niemanden, dass einem Vieles vertraut und erwartet vorkommt und man versucht ist, sich die Antworten schon vor dem Lesen selbst zu geben. Dennoch bleibt das Bemühen, die Wahrnehmung von Arbeit differenzierter zu erfassen und daraus Handlungsfelder zu beschreiben, richtig und sinnvoll. Eine Passage im Vorwort lässt sich bei dem vielen Richtigen daher auch schnell überlesen, obwohl sie doch nachdenklich machen kann: „Nur die wenigsten Erwerbstätigen in Deutschland“, so heißt es, „empfinden ihre aktuelle Arbeitssituation als ideal. Lediglich ein Fünftel der Befragten fühlt sich dem persönlichen Idealbild von Arbeit bereits nah. Knapp die Hälfte der Befragten sieht die eigene Arbeitssituation heute weit vom persönlichen Idealbild von Arbeit entfernt.“

Vielleicht kann man sich auch ganz unabhängig von den gängigen Diskussionen einmal der Arbeit und dem Arbeitsplatz nähern. Wer acht Stunden an einem Ort oder für eine Sache arbeitet, verbringt den weitaus größten Teil seiner Tageszeit in einem beruflichen Kontext. Unausweichlich wird der Arbeitsplatz auf diese Weise zu einem wesentlichen Teil von Heimat. Und möglicherweise muss man diesen Aspekt des Arbeitens viel stärker gewichten. Wollen wir uns denn nicht alle beim Arbeiten wohl fühlen? Gehören dazu nicht Räume, die inspirieren und anregen? Gibt es nicht viel mehr Möglichkeiten, gewerbliche Architektur zu realisieren, als wir das in der schnellen Üblichkeit zwischen Brandschutz und Organisationseffizienz tun? Geht nicht auch vieles deutlich niederschwelliger, als im exzellent ausgestatteten Neubau? Ist nicht auch das gesamte Quartier, der städtebauliche Kontext in dem gearbeitet wird, ein wichtiger Teil für die Wahrnehmung der eigenen Arbeit, vom Blick durch das Fenster bis zum Mittagessen?

Und möglicherweise gibt es noch einen zweiten Aspekt, der beim Blick auf das verloren gegangene Ideal Arbeit helfen kann. Selbstverwirklichung und die fehlende Möglichkeit dazu wird als zentrales Motiv in der Studie an verschiedenen Stellen benannt. Diese Qualität des Arbeitens lässt sich tatsächlich nur schwer einklagen, denn sie hat vor allem damit zu tun, dass jeder selbst tätig werden muss, sein Verhältnis zur Arbeit und seinen Aufgaben zu finden. Zu dem, was Erfüllung bringt, Freude macht und zu Leistung anspornt, kann einem keiner verhelfen, sondern im besten Fall hierfür gute Rahmenbedingungen schaffen. An welchem Werk man sich selbst verwirklichen will, um Sinn erfüllt zu arbeiten, bleibt eigene Verantwortung. Werk und Work haben sprachlich dieselben Wurzeln.

 „Work it harder, make it better,

Do it faster, makes us stronger,

More than ever, hour after,

Our work is never over“

Daft Punk

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