polis 01/2017

Cover_UnlimitedWenn wir heute über das Thema Mobilität diskutieren, steht die Bewältigung großer Herausforderungen im Mittelpunkt. Wie kommen wir in Zukunft zum Arbeitsplatz? Wie versorgen wir uns? Wieviel Energie werden wir dafür verbrauchen? Wieviel Zeit benötigen wir, um von A nach B zu gelangen? Diese Fragen ließen sich zahlreich variieren und ergänzen. Neben die Freude einer individuellen Freiheit, die uns das Fahren mit dem Auto nun über 100 Jahre vermittelt hat, ist das Bewusstsein und die Erkenntnis getreten, dass wir mit den üblichen Systemen an Leistungsgrenzen geraten sind.

Dieses Bewusstsein ist nicht nur politisch oder vernünftig begründet, sondern jeden Tag für uns auch persönlich „erfahrbar“. Keine Autobahn mehr ohne endlose LKW-Schlangen, Staus in und aus den Metropolen, zu wenig oder zu teurer Parkraum in Städten, die mit ihren verfügbaren Flächen effizienter denn je haushalten müssen. Aber wer kann an diesem Punkte wem noch einen Vorwurf machen?

Unsere Bedürfnisse und unser Verhalten prägen den Raum, in dem wir leben und uns bewegen. Wenn wir uns über das Internet versorgen (lassen), wird Logistik zur globalen Aufgabe. Wenn wir an unterschiedlichen Orten leben, arbeiten, erleben und einkaufen, bildet Mobilität die Grundlage, dies überhaupt zu ermöglichen. Umso spannender ist es, zu verfolgen, wie wir uns gegenwärtig mit den Anforderungen an eine zukunftsfähige Mobilität auseinander setzen.

Wahrscheinlich neigt sich das Zeitalter der einfachen Mobilität dem Ende entgegen. Die Komplexität steigt. Umweltbewusstsein, Energieeffizient, Schnelligkeit, Termintreue, Annehmlichkeit und Bequemlichkeit werden in gleicher Weise für jeden Einzelnen wie auch eine sich erfolgreich entwickelnde Gesellschaft bedeutsam. Die Parallelität verschiedener Verkehrssysteme geht in einem neuen komplexen System der Mobilität auf.

Dieses System Mobilität lässt sich mittlerweile immer deutlicher erkennen. E-Mobilität, Autonomie, Sharing, Dezentralität, Multimodalität u.v.a. erscheinen uns gegenwärtig noch sehr ambitioniert, manchmal modisch oder jugendlich euphorisch. Erkennbar ist, dass sich alles an der Schwelle zur Leistungsfähigkeit befindet und in eine Vernetzung übertragen wird, die wir bisher nicht annähernd kannten.

Grundlage dieser Möglichkeiten ist die digitale Leistungsfähigkeit globaler Rechner und Programme. Nichts von dem, was wir beim Thema Mobilität der Zukunft denken, wird ohne Big-Data, Speicherkapazitäten und Algorithmen möglich sein. Die Predictive Analytics entwickeln sich zu dem zentralen Instrument der Mobilität und Logistik. Wie die Wolkenbewegungen am Himmel werden sich Bewegungsprofile übereinander legen und in komplexen Vorhersage-Szenarien übertragen lassen.

Wahrscheinlich beginnt nun das Zeitalter einer komplexen Mobilität durch Computer gesteuerte Systeme. Es wird unausweichlich den Raum, in dem wir leben, verändern. Und das wird auch für den städtischen Raum gelten. Immobilienwerte, Sozialstrukturen und Versorgungsfunktionen hängen an dieser räumlichen Ordnung, die über Jahrhunderte entstanden ist. Was wir von der Stadt der Zukunft erwarten, werden wir unabhängig von allem technologischem Fortschritt beantworten müssen.

„We came to change the whole complexion,
Take this game a new direction“

Cypress Hill 

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