VIVA VANCOUVER // VERKEHRSWEGE NEU GEDACHT

Mit dem Programm VIVA Vancouver sollen Straßenräume in lebendige öffentliche Räume für Fußgänger verwandelt werden. Grundlage für die Einführung des Programms ist der 2012 vom Rat der Stadt Vancouver aufgestellte Transportation 2040 Plan, der wichtige Programmpunkte für einen langfristig nachhaltigen Umgang mit Verkehr und Flächennutzung vorsieht. Der Transportation Plan 2040 ist ein wichtiger Meilenstein auf Vancouvers Weg zur grünsten Stadt der Welt. Doch die Zukunftsvision, die der Transportation Plan 2040 schreibt, ist nicht nur grün, sondern zeigt vielmehr auch eine Stadt mit einem intelligenten Verkehrssystem; eine Stadt, die erschwinglich ist und sich durch ihre blühende Wirtschaft auszeichnet; eine Stadt, die ihre natürliche Umwelt stärkt und eine gesunde Zukunft für ihre Bewohner sicherstellt.

Um diese Vision einer unvergleichlich lebenswerten Stadt in die Realität umzusetzen, ist es neben zahlreichen Faktoren unerlässlich einen Fokus auf den Umgang mit dem öffentlichen Raum zu setzen. Aus diesem Grund beinhaltet der Transportation Plan 2040 auch ausführliche Empfehlungen, wie die kreative Nutzung öffentlicher Straßenräume aktiviert und gefördert werden kann. Das Programm VIVA Vancouver widmet sich diesen Empfehlungen besonders intensiv.

Vancouver fragt nach Zukunftsvisionen für den öffentlichen Raum © Marie Sammet

VIVA Vancouver verfolgt seit einigen Jahren aktiv das Ziel von Verkehr geprägte Straßenräume in lebendige öffentliche Räume für Fußgänger zu verwandeln. Dadurch soll der städtische Gemeinschaftssinn gefördert werden und auf dem Weg zur grünsten Stadt der Welt insbesondere auch zum zu Fuß gehen und Fahrradfahren angeregt werden. Zudem profitiert die lokale Wirtschaft, insbesondere der Einzelhandel von den fußläufig erlebbaren Stadträumen, die eine ganz andere Wahrnehmung der Bürger von ihrer unmittelbaren Umgebung fördern. Das Besondere des von der städtischen Verwaltung auf die Beine gestellten Programms VIVA Vancouver ist, dass es in enger Zusammenarbeit mit nachbarschaftlichen Gemeinschaften, lokalen Unternehmen, Immobilieneigentümern und Investoren erfolgt eine Zusammenarbeit von fundamentaler Bedeutung für den Erfolg des Programms. Auf Grundlage dieser effizienten Zusammenarbeit werden temporäre oder langfristige Sperrungen von innerstädtischen Verkehrswegen durchgeführt, wodurch hochwertige öffentliche Räume für Fußgänger entstehen – zum Verweilen, zum Austausch, zum Essen.   

Nachdem erste Parklets als eigenständige Projektrealisierungen engagierter Bürger ein großes Interesse an derartigen öffentlichen Straßenräumen in der Stadt Vancouver geweckt haben, hat die Stadt im Jahr 2013 im Rahmen des VIVA Vancouver Programms das Parklet Pilot Program eingeführt, das sich explizit der Realisierung von Parklets widmet. Im Rahmen des Parklet Pilot Programs haben engagierte Akteure der Stadt Vancouver die Möglichkeit sich mit ihrer Idee für die Realisierung eines Parklets zu bewerben. Im Falle einer Realisierung sind die Kosten von dem jeweiligen Bewerber selbst zu tragen. Auch die Instandhaltung und die Organisation des Parklets im Stadtalltag liegt in der Verantwortung der Bewerber. Bis heute sind sechs erfolgreich genutzte Parklets in der Stadt Vancouver entstanden. Bereits 2015 hat die Stadtverwaltung einen Rückblick auf das Parklet Pilot Program gewagt und die Parklets hinsichtlich ihres Erfolges evaluiert. Das Resultat der Evaluation zeigt, dass die Parklets sowohl intensiv genutzt als auch sorgfältig in Stand gehalten werden. Bürger der Stadt und lokale Unternehmen engagierten sich gleichermaßen für den Erfolg der Parklets, die einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität der Stadt leisten. Die Menschen halten sich wieder vermehrt im öffentlichen Raum auf und genießen das städtische Gefüge.

Ein weiteres, für die Entwicklung lebenswerter Stadträume wichtiges Projekt, an dem im Rahmen des VIVA Vancouver Programms gearbeitet wird, ist die Transformation der Robson Street in einen öffentlichen Platz. Bereits im Jahr 2010 wurde erstmalig darüber nachgedacht, die 800 Robson Street als wichtige innerstädtische Verkehrsachse zu schließen und in einen lebenswerten öffentlichen zugänglichen Raum im Herzen der Innenstadt zu verwandeln. Seit 2011 wird 800 Robson Street jedes Jahr im Rahmen von VIVA Vancouver von Juni bis Ende September gesperrt und als saisonale Plaza getestet. Mit Ausnahme des Jahres 2016 wurde seit 2011 jedes Jahr der Design Wettbewerb „Robson Redux“ ausgerufen, bei dem sich ambitionierte Designer und engagierte Bürger mit der Neugestaltung der 800 Robson Street als einen öffentlichen Stadtplatz auseinandersetzen. Mit innovativen Entwürfen aus qualitativ hochwertigen Materialien wird die 800 Robson Street dann temporär zu einem einladenden öffentlichen Ort umgestaltet, an dem sich die Menschen gerne versammeln und aufhalten. In diesem Jahr konnte der Wettbewerb aufgrund von Bauarbeiten am Vorplatz der angrenzenden Vancouver Art Gallery nicht stattfinden. Stattdessen haben sich die Mitarbeiter von VIVA Vancouver andere Aktionen einfallen lassen: Unter dem Hashtag #VIVAROBSON wurden die Bürger dazu aufgerufen ihre Wünsche und Bedürfnisse an 800 Robson Street als öffentlichen Raum zu äußern. Und so wurde die Straße auch in diesem Sommer wieder ausgiebig genutzt. Zwar war die Gestaltung mit Klappstühlen, Tischen und Streetfood Angeboten in diesem Jahr weniger kreativ professionell als in den Jahren davor – die gesperrte Robson Street wurde dennoch wieder ausgiebig als öffentlicher Raum genutzt.

Die 800 Robson Street wird in einen öffentlichen Platz verwandelt © Marie Sammet

Die Testphase der letzten Jahre hat verdeutlicht, dass 800 Robson Street großes Potenzial besitzt, zu einem lebenswerten öffentlichen Raum zu werden. Damit die Stadt jedoch endgültig die Entscheidung darüber treffen kann 800 Robson Street dauerhaft zu schließen, müssen die dadurch entstehenden Probleme im Bereich der Verkehrsinfrastruktur gelöst werden. Dass durch die nötige Umleitung des motorisierten Individualverkehrs und von Buslinien zum Teil längere innerstädtische Verkehrswege entstehen, sollte beispielsweise nicht die Folge der Realisierung öffentlicher lebenswerter Stadträume sein. Die Stadtverwaltung erfährt jedoch große Unterstützung seitens der lokalen Verkehrsunternehmen. Gemeinsam soll eine detaillierte Verkehrsplanung ausgearbeitet werden, die dem Leitbild einer nachhaltigen, lebenswerten Stadt Vancouver entspricht.

Die Stadtverwaltung und alle am VIVA Robson Projekt beteiligten Partner schätzen die Kompromisse und Herausforderungen, die bei einer dauerhaften Schließung von 800 Robson Street eingegangen werden müssen, als handhabbar ein. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass mit der dauerhaften Entwicklung dieses öffentlichen Raumes im Herzen der Stadt, der wichtigste Verkehrsträger wieder in den Mittelpunkt der Stadtentwicklung gerückt wird: der Fußgänger. Der Fußgänger ist es schließlich, der die öffentlichen Nischen und Plätze einer Stadt mit Leben füllt und sie als Bühne für das Theater des urbanen Lebens nutzt. Und gerade diese Bühnen machen eine Stadt für Besucher und Bewohner gleichermaßen unwiderstehlich.


Der Begriff Parklet beschreibt eine Erweiterung des Bürgersteiges, die dazu dient den Bürgern eine größere Fläche an öffentlichem Raum in der Stadt bereitzustellen. Parklets sollen dazu anregen sich im öffentlichen Raum aufzuhalten und diesen zum Erholen, Sitzen und Austausch zu nutzen. Sie sind grundsätzlich immer öffentlich zugänglich. Parklets können auch begrünt werden, als Fahrradabstellmöglichkeiten dienen oder als Ort zur Realisierung urbaner Kunst. Auch wenn Parklets als dauerhafte öffentliche Raumerweiterungen gedacht sind, müssen sie in Notfallsituationen schnell geräumt werden können.

 

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