WALKABILITY: DER NEUE ATTRAKTIVITÄTSFAKTOR

Leben und Arbeiten verknüpfen

Generell bieten viele Städte inzwischen gute Möglichkeiten, um Leben und Arbeiten  miteinander zu verbinden. Dazu gehört, dass der Anteil des öffentlichen Verkehrs vielerorts erhöht wird, um den Verkehr stadt- und umweltverträglicher zu organisieren. Zwar haben viele Menschen lange hauptsächlich das Auto genutzt, allerdings zeichnet sich hier bereits ein Umdenken ab: Der Wunsch nach einem hohen Freizeitwert und einer effizienten Gestaltung von Arbeit und Freizeit rückt zunehmend in den Mittelpunkt. Insbesondere junge Menschen, die für viele Unternehmen aufgrund ihrer Ausbildung und ihres Fachwissens als begehrte Talente gelten, möchten dort, wo sie ihren Beruf ausüben, auch leben, einkaufen, einen Arzt aufsuchen und die Kinder in den Kindergarten oder zur Schule bringen.

Dabei bevorzugen die Menschen möglichst kurze Wege. Das zeigt etwa eine Studie des Immobilien-Dienstleistungsunternehmens Savills aus dem Jahr 2016 zum Büro der Zukunft aus Sicht der Generation X & Y: Für Menschen, die zwischen 1964 und 1981 sowie 1982 und 2000 geboren wurden, sind vor allem Einkaufsmöglichkeiten des täglichen Bedarfs sowie Grün- und Parkflächen in der fußläufigen Umgebung des Büros von wesentlicher Bedeutung. „Walkability“, also in Büros zu arbeiten, von denen aus sich alles in wenigen Gehminuten oder mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichen lässt, ist folglich ein Faktor, der eine Stadt im Zuge des gesellschaftlichen Wandels wertvoll macht.

Erfüllen Städte und ihre Bürozentren die „Walkability“-Kriterien, zu denen neben einer guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zum Beispiel auch die optimale Verfügbarkeit von Einkaufs- und Dienstleistungsmöglichkeiten, die Nähe zu öffentlichen Grünflächen sowie das Image als sichere und freundliche Umgebung gehört, steigt ihre Attraktivität. Aus diesen Gründen konnte eine Stadt wie Berlin stärker wachsen, als laut Prognosen erwartet. Das Wachstum erfolgte „bottom-up“, also etwa durch die Ansiedelung von jungen Gründern mit kreativen Geschäftsideen.

Kreativität schafft wirtschaftlichen Erfolg

Gerade Berlin weist einen weiteren Faktor auf, der einer Stadt aus Sicht der Menschen, die in ihr leben wollen, Wert verleiht: Kreativität als Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg. Denn ein kreatives Umfeld macht Innovationen wahrscheinlicher, die wiederum die Grundlage für Wirtschaftswachstum sind. Neue Unternehmen schaffen mehr Arbeitsplätze für hochqualifizierte Mitarbeiter, die einen weiteren Zuzug und zusätzliches Wachstum ankurbeln. Weil der Bedarf oft schneller steigt, als geeignete Arbeitnehmer verfügbar sind, ist in diesen Städten mittlerweile sogar ein regelrechter Kampf um die besten Fachkräfte ausgebrochen.

Dass „Walkability“ den Wert einer Stadt steigern kann, zeigt sich auch auf dem Immobilienmarkt. Die 2017 europaweit durchgeführte Umfrage „Emerging Trends in Real Estate der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hatte zum Ergebnis, dass Faktoren wie die tatsächliche und soziale Infrastruktur, Lebensqualität, Diversität, zukunftsorientierte Stadtverwaltungen sowie Nachhaltigkeitsaspekte bei der Anlage in Immobilien berücksichtigt werden müssen. Entsprechend sollten langfristige Trends wie ein hoher „Walkability“-Faktor im Fokus stehen und Investitionen in Immobilien erfolgen, die eine gute Performance aufweisen werden. Dies verspricht eine langfristig stabile Fonds-Performance.


André Zücker

ist seit 2015 Mitglied der Geschäftsführung der KGAL Investment Management GmbH & Co. KG und in dieser Position verantwortlich für den Bereich Real Estate. Außerdem ist er innerhalb des Unternehmens zuständig für IT, Sales und Strategic Research. Die KGAL Gruppe konzipiert Finanzlösungen in den Bereichen Immobilien, Flugzeuge und Infrastruktur. Zücker ist studierter Diplom-Ingenieur und lebt in München.

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