DER WERT DES KULTURELLEN ERBES: JERUSALEM DESIGN WEEK 2018

In Zeiten geprägt durch einen stetigen Wandel und einer nie da gewesenen Schnelllebigkeit, gewinnt das kulturelle Erbe einmal mehr an Bedeutung. Denn bei allen Fortschritten, gebunden an sich minütlich verändernde Einflüssen und Bedingungen im Umfeld bedarf es einer Basis mit Werten des Vertrauens als Stützen für eine solide Zukunftsvision.

Vom 7. Bis 14. Juni widmete sich die Jerusalemer Design Week daher dem Thema der Konservierungsformen des Kulturguts und dessen Wertigkeit für den Blick nach vorn. Mit 150 internationalen und lokalen Ausstellern im Bereich Design, Kunst und Medien genießt die JDW mittlerweile ein hohes Ansehen in der Kunstbranche mit einem breitgefächerten Publikum. Seit 2016 wird das von Ran Wolf Company und dem Hansen House Center organisierte Event nicht nur zentral auf dem Areal des Hansen House ausgerichtet, sondern bietet Veranstaltungsorte im gesamten Stadtgebiet Jerusalems an. Künstler präsentieren sich während der sieben Veranstaltungstagen mit Tanzperformances, Kunstausstellungen und Workshops der Öffentlichkeit.

Die Wurzeln der Design Week Jerusalems reichen, wie auch das diesjährige Thema, weit zurück. 1887 wurde das Hansen House ursprünglich als Asylheim für Leprakranke von der lokalen evangelischen Gemeinschaft gegründet, der deutsche Architekt Conrad Schick nahm sich der Formgebung des Gebäudes an. Erst 2014 nach der Restaurierung des Bestandes unterstützt und gefördert durch die Stadt selbst, konnte das kulturelle Erbe für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und als Plattform von Kulturveranstaltungen freigegeben werden. Das Hansen House etablierte sich so als Zentrum für Design, Medien und neue Technologien. Zusätzlich dient der Ort als Ausrichtungsstätte von Teilen des Studienprogramms der Bezalel Academy of Arts and Design und beherbergt Künstlerzentren wie das Maámuta Art Research Center, das Web Journal Erev-Rav und zahlreiche private Künstlergruppen mit Arbeitsschwerpunkten im Bereich Design und Technologie. Im Grunde genommen greift das Hansen House damit seine ursprüngliche Leitidee auf, sich gegenüber unkonventionellen Formen Offenheit zu bewahren und Grenzen zu überwinden.

Doch trotz innovativer Formen wagt die Jerusalemer Design Week 2018 unter dem Überbegriff „Con I verse“ den Blick in die Vergangenheit. Unter dem Mantel der Kunst wird der Umgang mit dem kulturellen Erbe kritisch hinterfragt, ohne den Zusammenhang mit zukünftigen Themen zu verlieren, denn laut der Initiatoren „beeinflusst unser Dialog mit der Vergangenheit unsere Zukunft maßgeblich“. Nicht nur im künstlerischen Bereich spielt unser Erbe eine entscheidende Rolle. Auch städtebauliche Strukturen beinhalten Geschichte, geben Identität und müssen verstanden werden, um auf einer stabilen Grundlage weiterentwickeln zu können. Doch welche Strukturen sollten auf Dauer bestehen bleiben, um Authenzität und Identität zu bewahren? Wie können innovative Ideen dennoch in sensibler Form im geschichtlichen Kontext umgesetzt werden und was können wir aus der Historie lernen, vielleicht sogar für zukünftige Planungen ableiten?

Der richtige Umgang mit unserem kulturellen Erbe, eine Gratwanderung zwischen Veränderung und Beständigkeit, gewinnt immer mehr an Bedeutung in allen Fachbereichen. Aufgrund dessen widmet sich auch die kommende Ausgabe des polis Magazins 03/18 dem Thema unseres kulturellen Erbes. Erscheinung voraussichtlich Anfang Oktober.

 

© Jerusalem Design Week

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