SCHWIMMENDE HÄUSER: NOTUNTERKÜNFTE NACH ERDBEBEN

Das Architekturstudio SO? setzt die Hoffnungen auf das Wasser als sicheren Lebensraum in Notsituationen wie einem Erdbeben. Das Studio baute ein schwimmendes Haus, das nach einem Erdbeben in der türkischen Hauptstadt als Notunterkunft genutzt werden könnte.

Der Prototyp „Fold and Float“ kann bis zu sechs Personen beherbergen und wurde im Rahmen der Istanbul Design Biennial erstellt – und könnte prompt genutzt werden, da laut Geologen eine hohe Gefahr besteht, dass Istanbul aufgrund seiner tektonischen Gegebenheiten in den kommenden Jahren von einem Erdbeben heimgesucht werden könnte. Es ist die Reaktion der Gründer des Studios Sevince Bayrak und Oral Goktas darauf, dass der Platz für Notunterkünfte in Istanbul immer geringer wird. Laut den Gründern seien 477 Flächen nach einem Beben der Stärke 7,4 im Jahr 1999, das mehr als 14.000 Menschen das Leben kostete, als Sammelpunkte ausgewiesen worden. Der Großteil dieser Flächen wurde bis heute bebaut – allerdings stehen davon nur noch 97 als die ausgewiesenen Versammlungspunkte zur Verfügung. An Land gibt es also nicht mehr genügend Platz für Notunterkünfte – die Architekten verlagerten deshalb das Projekt auf eine schwimmende Umgebung.

Der Prototyp besteht nun aus einem Ponton aus Beton mit einer faltbaren Struktur, die als Schutz dient und sogar feste Möbel enthält. Die obere Struktur kann zusammengelegt und gestapelt werden – der Entwurf ist auf möglichst hohe Flexibilität und Einfachheit bei der Montierung ausgerichtet, aufbauen kann es jeder Bewohner, Fachkräfte werden dafür nicht benötigt. Im Erdgeschoss befinden sich Wohnräume, darunter verfügt das schwimmende Häuschen über eine kleine Küche und einen Sitzbereich. Auf einer erhöhten Plattform darüber findet man Schlafplätze. Auf beiden Seiten des Hauses befinden sich vollständig zu öffnende, hohe Türen, um Licht und Luft in das Gebäude lassen zu können.

Gebaut wurde der Prototyp am Goldenen Horn von Istanbul – eine geschützte Bucht am Bosporus, in der die Biennale stattfindet. Es ist durch seine Lage natürlicherweise vor Tsunamis geschützt und bietet einen guten Zugang zum Meer, der bei gesperrten Straßen eine wichtige Route für Hilfe darstellt. Nach Angaben von SO? verbringen durch Erdbeben vertriebene Personen durchschnittlich ein Jahr nach dem Ereignis in einer temporären Unterkunft. Am goldenen Horn könnten schwimmende Gemeinschaften errichtet werden, die bis zu 180.000 Bauwerke umfassen könnten, falls solch ein schweres Erdbeben eintreten sollte, wie prognostiziert. Istanbul wäre so zumindest teilweise gewappnet.

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Fotocredits © Kayhan Kaygusuz

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