RESTRICTED AREAS – DAS ENDE DER ZUKUNFT

In seinem Projekt „Restricted Areas“ untersucht der russische Künstler Danila Tkachenko, was vom Fortschritt übrigbleibt, wenn er zum Erliegen gekommen ist. Wohin führt das menschliche Streben nach Utopien? Manchmal zu geheimnisumwobenen Städten, die auf keiner Landkarte zu finden sind, zu längst vergessenen wissenschaftlichen Durchbrüchen und zu verlassenen Gebäudekonstruktionen von nahezu unmenschlicher Komplexität. Diese Motive hielt der studierte Dokumentarfotograf Danila Tkachenko auf aufregende, doch auch beklemmende Art und Weise fest.

Die Utopie ist beherrscht vom Gedanken des Fortschrittes – ein durchaus positiv belegter Begriff. Als Phänomen ist er allerdings ambivalent: Fortschritt evoziert möglicherweise positive Konnotationen wie höhere Lebensstandards und erweitert das menschliche Wirkungsspektrum. Fortschritt produziert aber auch Waffen, mit denen Menschen einander umbringen. Gleichwohl orientieren sich die meisten utopischen Gesellschaftsentwürfe am Besseren, am Stärkeren und am Höheren. Nicht selten  fordern sie vom Individuum die Bereitschaft, sich für das große Ziel aufzuopfern. Doch was folgt auf die Kulmination, nach dem großen Knall? Was passiert an Orten, die schon längst nicht mehr in das Licht der Scheinwerfer gehüllt sind?

Auf diese Fragen findet Tkachenko Antworten, die er dem Betrachter in dokumentarischem Stil vorführt. Seine Bilder wirken dabei keineswegs nüchtern oder statisch – ganz im Gegenteil: Durch die kraftvollen Szenerien beinah unerträglicher Ödnis und Menschenleere wird der Betrachter fast in das Bild hineingezogen. Dennoch kann diese Wiederentdeckung verlassener Orte keineswegs allein als Antwort auf die Frage vergessener Utopien gelten. Vielmehr werfen Tkachenkos Fotografien gänzlich neue Fragen auf. Zum Beispiel solche, die nach den Geschichten dieser Un-Orte forschen.

Dass es dem Betrachter unmöglich ist, sich dem Objekt zu nähern und es zu erkunden, liegt wohl auch daran, dass den Objekten Tkachenkos‘ Fotografie bisweilen ein fast unheimliches Maß an Abstraktion zuteil wird. Unausweichlich beginnt der Betrachter daran zu zweifeln, ob die Bilder denn wirklich real existierende Gebäude zeigen, die in der Vergangenheit konkrete Funktionen besaßen, oder ob es sich stattdessen nicht vielleicht doch nur um pure Formen handelt, die nie einem Zweck unterworfen waren.

Das Ziel, das Tkachenko mit seiner Fotostrecke verfolgt, bleibt verborgen. Interpretationsversuche verlaufen gleichsam ins Leere wie unser Blick auf die Fotografien. Ob Tkachenko uns nun die Schnelllebigkeit politischer Ideologien vor Augen führen will oder uns davon überzeugen möchte, dass jede Utopie zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist, muss jeder Betrachter für sich selbst entscheiden.

Mehr Eindrücke und Arbeiten von Danila Tkachenko gibt es hier.

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