IDEE DER WOCHE: WAS MEERESFRÜCHTE MIT STADTENTWICKLUNG ZUTUN HABEN KÖNNEN

Manchmal ist es wirklich verwunderlich, auf welche Ideen Designer kommen, um die Welt ein wenig nachhaltiger zu gestalten. Diese Ideen spielen auch in der Stadtentwicklung eine immer wichtigere Rolle. Wir wollen euch heute zwei unterschiedliche Projekte vorstellen, die zeigen, wie man mit Abfällen von Schalentieren die Städte etwas nachhaltiger gestalten kann.

Beim Projekt Shellworks zum einen haben sich vier Designer ausgedienten Hummerschalen angenommen – sie haben fünf unterschiedliche Maschinen entwickelt, um die Abfälle von Krustentieren in biologisch abbaubare und recycelbare Biokunststoffe zu verwandeln. Sie formen die Hüllen von Schalentieren in ein papierähnliches Material um, das eine nachhaltige Alternative zu Einweg-Kunststoffen bieten könnte.

Die Designer verwenden dabei eine Mischung aus Essig und dem Biopolymer Chitin, welches das Exoskelett von Krebstieren und die Zellwände von Pilzen bildet. Es ist eigentlich weltweit das zweithäufigste Biopolymer – allerdings muss es chemisch aus seiner Quelle extrahiert werden, bevor man es weiter verwenden kann. Das ist auf der einen Seite sehr teuer und aufwendig, auf der anderen wenig nachhaltig.

Aus diesem Grund haben die Designer eine eigene Extraktionsmethode entwickelt: Sie haben lange experimentiert und haben schlussendlich die fünf Maschinen entwickelt, die in der Lage sind, die Schalen der Krustentiere in unterschiedliche Objekte zu verwandeln. Es war ihnen dabei sehr wichtig, keine Zusatzstoffe zu verwenden, die die Wiederverwertbarkeit der Endprodukte beeinträchtigen könnten.

Sie haben die Extraktionsmaschinen so konzipiert, dass sie die vollständige Kontrolle über jeden Parameter des Prozesses bieten, um weitere Experimente zu ermöglichen. Die Vielseitigkeit des Materials ermöglichte es den Konstrukteuren auch, unterschiedliche Materialeigenschaften durch Anpassung der Verhältnisse der Ausgangsstoffe zu erreichen. So können sie die Flexibilität und optische Klarheit des Materials sowie seine Dicke je nach Produkt anpassen.

Eine der Maschinen ist für den ersten Prozess der Entnahme des Chitins aus den Abfällen von Meeresfrüchten zuständig. Jede der anderen vier Maschinen nutzt eine spezifische Eigenschaft der Biokunststofflösung, um ihr Potenzial auf unterschiedliche Weise auszuschöpfen: Das Ergebnis sind unterschiedliche Produkte wie antibakterielle Blisterverpackungen, Tragetaschen und selbstdüngende Pflanzentöpfe.

Eine der Maschinen besteht beispielsweise aus einem beheizten Vakuumformer, welcher die Biokunststoffe zu Verpackungen jedes beliebigen Objekts formen kann, das in den Vakuumformer eingespeist wird. Eine andere Maschine kann hingegen dafür sorgen, das Material erneut in eine flüssige Form zu bringen, um es neu gestalten zu können. Nach der Trocknung in eine der verschiedenen Formen kann das Material somit später wieder in die ursprüngliche Biokunststofflösung umgewandelt werden, wodurch es unendlich recycelbar ist. Alternativ kann es als natürlicher, umweltfreundlicher Dünger in flüssiger Form auf den Boden gegossen werden.

Die Gruppe hofft, mit ihrer Idee einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft beitragen zu können.

Das ist auch das Ziel des spanischen Designers Josep Lluís Mateo: Er hat in Nizza ein Projekt umgesetzt, bei dem die Abfälle von Muscheln genutzt werden, um den Straßenboden zu kühlen. Gerade in Städten wie Nizza, in dem der Konsum von Schalentieren sehr hoch ist, erscheint das Projekt besonders zu fruchten. Im letzten Jahr wurde zum ersten Mal weltweit eine große Fläche an kühlenden Pflastersteinen verlegt.

Ausgewählt wurden dabei Bereiche mit einer hohen Fußgängerfrequenz wie Bushaltestellen und Gehwege. Die Flächen wurden mit einem unterirdischen Bewässerungssystem versehen, das von Außensensoren gesteuert wird. Diese kühlen atmungsaktive Pflastersteine, die experimentell aus Muschelschalen hergestellt werden. Es ist ein spannender Ansatz, um die thermischen Bedingungen eines Stadtraums mit hohen Temperaturen wie Nizza zu regulieren.

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Fotos © Shellworks | mateoarquitectura

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