THE WHALE: AUSSTELLUNGSZENTRUM AUF NORWEGISCHER INSEL ANDOYA VON DORTE MANDRUP

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Die norwegische Insel Andøya, 300 Kilometer nördlich des Polarkreises, gilt als einer der besten Orte, um Wale in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Ursächlich dafür ist ein sogenannter Tiefsee-Canyon, der fast bis zur norwegischen Küste verläuft. Es fehlte nur noch ein Besucherzentrum mit Ausstellungsräumen, die sich den einzigartigen Säugetieren widmen.

Aus diesem Grund wurde in diesem Frühling ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, der ein würdiges Informations- und Ausstellungszentrum auswählen sollte. Die Jury hat sich nun für das dänische Architekturbüro Dorte Mandrup entschieden: Sie lobte den spannenden und ungewöhnlichen sowie zugleich zurückhaltenden und poetisch angehauchten Entwurf, der am besten zur Landschaft der Insel passe. In Kooperation mit Marianne Levinsen Landskab soll ein Gebäude entstehen, das sich vollkommen den Walen widmen und ihre Geschichte durch Architektur, Kunst und Wissenschaft erzählen soll.

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Dorte Mandrup will ein Zeichen in der atemberaubenden Landschaft setzen, die das Meer umgibt. Der Entwurf zeigt ein Gebäude, das aus der Landschaft herauszuwachsen scheint. Es erhebt sich gemäß der umgebenden Natur als weicher Hügel aus dem felsigen Ufer der unruhigen See. Es wirkt fast, als hätte ein Riese eine dünne Schicht der Erdkruste angehoben und einen Hohlraum darunter geschaffen. Das durch Steine getarnte Dach trägt abermals zu diesem Eindruck bei und unterstreicht die Verbindung zwischen der norwegischen Insellandschaft und dem Bau. 

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Gigantische Fenster zum Archipel hin schaffen zusätzlich eine visuelle Brücke zwischen den Ausstellungsräumen und den weiten natürlichen Umgebungen. Öffnungen in den Felsen um den Bau herum lassen von Außen schon Einblicke ins Innere zu.

Dort befinden sich zahlreiche Ausstellungsflächen, aber auch Büros, ein Café sowie ein Geschäft, alles passend zum Thema Wale und andere Meeresbewohner. Denn genau das ist das Ziel und die große Verantwortung des Projekts: Die Meeres- und Tierwelt durch ein gesteigertes Wissen nach einem Besuch in The Whale zu schützen und zu einem respektvollen Umgang mit ihnen anzuregen. 

Die zerklüfteten Berggipfel und Niedermoore haben vollkommen die Formen des Gebäudes bestimmt, die es umgeben: Das Dach ist geschwungen und wird durch drei hohe Punkte definiert, das Fundament des Gebäudes wird durch die darunter liegenden Felsen beeinflusst. 

Es sind ambitionierte Pläne, um den Besuchern den Aufenthalt auf der sowieso schon beeindruckenden Insel noch ein wenig unvergesslicher zu machen. Schon jetzt besuchen jährlich 50.000 Interessierte Andøya. The Whale soll nun Natur und Landschaft mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, Kunst und Architektur in Einklang bringen. 

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Die Auswahl des Gewinnerbüros ist wenig überraschend: Das dänische Büro hat schon viel Erfahrung mit Bauten dieser Art. Aktuell befinden sich zwei Wattenmeerzentren in Deutschland und in den Niederlanden in der Planungsphase. In Grönland ist momentan ein Eisfjordzentrum in Bau.

Mandrup kennt diese Herausforderungen und konnte nun einmal mehr mit ihren Entwürfen punkten. Es gelingt ihr, die Gebäude nicht nur gekonnt in die Umgebung einzufügen, sondern schafft es, den Charakter der Landschaft noch hervorzuheben und tatsächlich zu ergänzen. Im Dunkeln wirkt es wie ein Wal, der mit seinen Flossen aus dem Wasser herausragt.

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Die Eröffnung von The Whale ist für 2022 geplant. Die Schaffung einer neuen Touristenattraktion ist laut dem Architekturbüro von den Einwohnern erwünscht und werde sowohl lokal als auch regional unterstützt. Es werde erwartet, dass es Nordnorwegen als Reiseziel stärkt und einen positiven Welleneffekt für andere Unternehmen im Norden schafft.

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