HAND IN HAND ODER FAUST IN DER TASCHE?

Immer mehr Menschen zieht es in die Metropole am Rhein. Die steigende Nachfrage nach Wohnraum treibt dessen Preise in die Höhe.

DAS HANDLUNGSKONZEPT WOHNEN

Mitte 2013 beschloss der Rat der Stadt Düsseldorf erstmalig das Handlungskonzept Wohnen. Der damalige Anlass war die bereits hohe und weiterhin stetig steigende Nachfrage nach Wohnraum, die steigende Kauf- und Mietpreise zur Folge hatte. Dieser hohen Nachfrage stand lediglich ein geringes Flächenangebot gegenüber, was wiederum zu starkem Ungleichgewicht auf dem Düsseldorf Wohnungsmarkt führte. Das Ziel des Handlungskonzepts war es also, durch gemeinwohlorientierte Wohnbauentwicklung ein ausgewogenes Angebot zu schaffen. Die konkreten Regulierungsmaßnahmen sahen unter anderem vor, insgesamt 40% der neu gebauten Wohneinheiten im öffentlich geförderten und preisgedämpften Segment zu realisieren. Wenn sich auch nicht alle Akteure mit der Ausgestaltung des Handlungskonzepts zufrieden zeigten, so herrschte doch allgemeiner Konsens hinsichtlich seiner Sinnhaftigkeit.

Im April 2016 wurde das Konzept mit einer Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP überarbeitet und angepasst. Seitdem haben Investoren mehr Spielraum bei der Gewichtung des preisgedämpften und öffentlich geförderten Wohnraums innerhalb der 40%-Quote. Damit reagierte die Politik auf ein Signal aus der Immobilienwirtschaft, die den preisgedämpften Wohnraum angesichts hoher Bau- und Grundstückskosten in vorliegender Form nur schwerlich für realisierbar hielt.

Nach der letzten Anpassung 2016 wurde das Handlungskonzept nicht mehr überarbeitet. Der Markt hingegen sei weiter dynamisch und die Instrumente der Regulierung entsprechend nicht mehr zeitgemäß, beanstandet die Düsseldorfer Gesellschaft zur Ermittlung von Wohnungsmarktdaten e.V. und fordert auf der Grundlage erhobener Marktdaten eine weitere Revision.

GEWD E.V.

Die GEWD gründete sich 2013 als Zusammenschluss mehrerer Teilnehmer des Düsseldorfer Immobilienmarktes. Das gemeinsame Ziel ist es, mehr Transparenz auf dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt herzustellen. Dazu sammelt der Verein gemeinsam mit zwei Bildungsinstitutionen Daten zu Immobilienpreisen, Mieten und Ausstattungsvarianten für Düsseldorf, um lokale Unterschiede der Düsseldorfer Stadtteile herauszuarbeiten.

GEZIELTERE FÖRDERUNG

Die Wohnungsmarktdaten sollen dazu dienen, den Entscheidungen von Politik und Verwaltung eine relevante empirische Grundlage zu geben. Derzeit erfolge die Förderung nämlich noch mit der Gießkanne, monieren die Mitglieder der GEWD. Zudem müsse das Handlungskonzept Wohnen auch die Eigentumsverschaffung stärker unterstützen. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus sollte diese nun auch einen stärkeren Reiz in der Mittelschicht entfalten. Gleichzeitig führen die niedrigen Zinsen allerdings auch zu einer Inflation der Baukosten und treiben die Preise für Immobilien somit in die Höhe.

SCHIEFLAGE DES WOHNUNGSMARKTES

Die Unternehmen der GEWD versprechen sich von einem erneuerten Handlungskonzept Wohnen neben einer sinnvolleren Marktregulierung auch die Linderung der gesellschaftlichen Probleme, die sie in ihrer Quartiersanalyse aufdecken. Schon heute zeigen die Untersuchungen starke Schwankungen der Kaufkraft innerhalb Düsseldorfs, doch die Schere zwischen Stadtquartieren driftet zunehmen auseinander. Zudem stellt der demografische Wandel die Rheinmetropole vor neue. Als Argument führt die GEWD ins Feld, dass wohlgeplante Quartiersentwicklungen positive Effekte auf ganze Stadtteile haben können. Entsprechend könnte die Politik mit angepassten Regulierungsmaßnahmen die Investitionen der Immobilienentwickler vereinfachen und gemeinsam mit ihnen profitieren.

„RHEINISCHER KONSENS STATT BERLINER AGGRESSIVITÄT“

Klaus Franken, Vorsitzender der GEWD und Managing Director von Catella Project Management, plädiert für „Rheinischen Konsens statt Berliner Aggressivität“ und öffnet damit gedanklich den Raum für einen Vergleich zu den aktuellen Vorgängen in der Hauptstadt. Franken betont allerdings, es gehe ihm nicht darum, Schuldige zu suchen. Er wünsche sich lediglich, die Politik würde etwas mutiger agieren und das Handlungskonzept Wohnen erneut evaluieren und anpassen.

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