GRONINGEN: KULTURKOMPLEX, DER VERBINDET, INSPIRIERT UND ZAHN DER ZEIT TRIFFT

© Deon Prins

Mitten im historischen Zentrum Groningens, auf der östlichen Seite des Grote Markt, erhebt sich seit Ende letzten Jahres ein eindrucksvoller, futuristischer Bau. Wenn man die Stadt überblickt, ragt das neue Kulturzentrum „Forum Groningen“ wie ein Fels in der Brandung zwischen den niedrigeren Bauten drum herum hervor. Im Inneren findet man ein komplexes und beeindruckendes Angebot aus kulturellen Aktivitäten sowie Arbeits- und Geschäftsräumen, Treffpunkten für Jung und Alt zum Austauschen, Sinnieren und gemeinsamen Erleben. Das niederländische Büro NL Architects hat gemeinsam mit den Ingenieuren von ABT Engineering ein abwechslungsreiches Kulturzentrum neuen Maßstabs geschaffen, das den Zeitgeist trifft.

© Marcel van der Burg

Das multifunktionale Gebäude hat auch äußerlich viel zu bieten. Inspiriert von der ungewöhnlichen umgebenden Straßengestaltung, hat man diese Struktur in die Vertikale übertragen und in die Höhe schießen lassen. Auf diese Weise wird das vielseitige Erscheinungsbild des historischen Zentrums der Stadt fortgeführt. Um den Bau weniger wuchtig erscheinen zu lassen, entschied man sich für eine asymmetrische Form. Nach oben hin schmaler werdend wird die quaderförmige Struktur an einigen Stellen aufgebrochen. Damit wird ein Überschatten der Umgebung des Kulturzentrums vermieden und ein echter Blickfang geschaffen. Dennoch bestimmt das Gebäude durch seine Größe und das auffällige Erscheinungsbild viele Straßen und aus vielen Perspektiven auch das Bild der Stadt. Spannend ist, dass es von allen Seiten aus immer eine etwas andere Wirkung hat und nie gleich aussieht. 

Dachterrasse, Freiräume und jede Menge Licht

© Marcel van der Burg

Im Inneren bildet ein großes, von drei Seiten verglastes Atrium den Kern des Hauses. Von dort aus schlängeln sich in Form von Rolltreppen seine „Tentakel“ in die Höhe über alle elf Etagen des Gebäudes hinweg. Auf diese Weise werden auch genügend Freiräume in dem lichtdurchfluteten Komplex gelassen, um den Besuchern Raum zum Atmen und Denken zu lassen. Die Leere fungiert als räumliche Schnittstelle, um den Austausch von Wissen und Ideen zu katalysieren. Die „Tentakel“ führen die Besucher in die vielseitigen Räume des Gebäudes. 

Auf 17.000 m² vereint es eine ausladende Bibliothek, fünf Kinosäle, ein großes Auditorium, zwei Ausstellungsräume, ein Smart- und Medialab, verschiedene Bars und Restaurants, ein Café, Büro- und Geschäftsräume sowie einen großen Veranstaltungsraum. Auf den obersten Etagen gipfelt diese Mischnutzung in einer weitläufigen Dachterrasse in 45 Meter Höhe mit Aussichtsplattform und Außentheater. Von dort aus kann man atemberaubende Blicke auf die Stadt genießen. Ein Parkhaus auf 10.000 m² liegt unter dem Gebäude.

Das Konzept des Forums schafft es, die Grenzen zwischen verschiedenen Institutionen und Einrichtungen verschwimmen zu lassen, sodass ein zusammenhängendes Konzept entsteht, das die Besucher auf allen Etagen inspiriert und zahlreiche Möglichkeiten zum Entdecken bietet. Alle Bereiche des Baus sind öffentlich zugänglich, für einige Etagen sind Eintrittsgelder fällig. Die meisten sind aber kostenlos nutzbar, wie die Bibliothek, die Lern- und Arbeitsorte und viele mehr.

Plattform des kulturellen Austauschs

Überall finden sich Bilder, Bücher, Möglichkeiten zum Versinken und Treffen Gleichgesinnter. Es ist eine Plattform für den kulturellen und intellektuellen Austausch für alle Bewohner der Stadt. Ein echtes städtisches Wohnzimmer – an dessen Gestaltung die Bewohner der Stadt viel Mitspracherecht hatten. 2007 entschied eine Volksabstimmung über das Design des Kulturkomplexes. Es ist eine neue, außergewöhnliche Form des öffentlichen Raums entstanden, wo die traditionellen Grenzen überwunden werden. Es drückt ein oft bestehendes Bedürfnis nach Synergien aus, das Verlangen, viele verschiedene Akteure miteinander zu verknüpfen. Und ist dabei vor allem leicht zugänglich.

© Marcel van der Burg

Im „Forum Groningen“ ist immer etwas los. Es finden sich dort vor allem drei Themen immer wieder, die man interaktiv entdecken und erleben kann: Populäre (visuelle) Kultur, Technologie und aktuelle Ereignisse in der und um die Gesellschaft. Diese Themen sind vor allem auch in dem Museum im siebten Stock verankert. Dort stehen visuelle Narrative wie Comics, Animationen und Spiele im Fokus. Es lädt Jung und Alt ein, die starke Wirkung der Exponate zu erleben.

© Marcel van der Burg

Das Motto des Kulturtreffpunkts: Hier wird das Entdecken und nicht das Suchen ermöglicht. Das Konzept regt zum eigenen Erforschen an. Die Besucher sollen umherwandern, sich durch die Bücherlandschaft bewegen und die Eindrücke des Umgebenden auf sich wirken lassen. Explore the world, discover the future: Das Forum will die Besucher von der Gegenwart sowie den Möglichkeiten der Zukunft inspirieren lassen. Anhand internationaler Ausstellungen, Filmreihen, Literaturfestivals, Paneldiskussionen, Workshops und Vorträgen. Das Konzept will die Besuchenden dazu auffordern, sich mit den aktuellen und künftigen (technologischen) Entwicklungen auseinanderzusetzen.

© Deon Prins

Das Forum entstand im Zuge einer größeren Entwicklung des östlichen Grote Markt, der schon länger im Fokus von städtebaulichen Neuerungen steht. Es bildet dabei den Kern der neuen Entwicklungen.

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