DER (NATÜRLICHE) PROZESS

© wavy.com

Mit ihrer Möbelserie „Fictive Erosion“ begibt sich die schwedische Künstlerin Kajsa Melchior in eine Zukunft, in der die maschinelle Fertigung zugunsten der Natur verboten ist. Mit dieser Vorstellung im Hinterkopf arbeitete sie mit Luft, Wasser und ihrer eigenen Kraft, um ihre einzigartigen skulpturalen Möbel herzustellen. Geologie und Erosion sind ihre großen Inspirationsquellen, wobei sie die natürlichen Prozesse unserer Erde faszinieren – Prozesse, die sie sich zum Vorbild nimmt, um ihre Designmethoden zu entwickeln. Die von ihr geschaffenen Hybride vereinen die Funktionalität, die ein Möbelstück erfüllen muss, ohne sie in ihrem Erscheinungsbild einzuschränken.

© wavy.com

Zwischen Kontrolle und Unvorhersehbarkeit

Die Materialien sind so natürlich wie die Idee dahinter: Sand und Alabaster. Sie formt zunächst die Skulpturen aus Sand mithilfe von Wasser, Luft und körperlicher Kraft, ein Arbeitsprozess bei dem sie nie genau weiß wie das Ergebnis am Ende aussieht. Anschließend verbindet sie den Sand mit dem Naturgips, Alabaster. Der Sand verleiht dem Alabaster schließlich eine ganz individuelle Textur und resultiert in einer steinähnlichen Substanz. Die mitschwingende Unvorhersehbarkeit wie sich das Material letztlich unter ihrer Arbeit verhält, macht ihre Werke so einzigartig und entfacht gleichzeitig ihre Neugier für die Natur und ihre physikalischen Eigenschaften, für Ursache und Wirkung, immer wieder aufs Neue. Daher setzt ihre Verarbeitungsmethode ein Wissen über die Eigenschaften der Materialien und ihrem Verhalten gegenüber Wasser, Luft und der körperlich ausgeübten Kraft voraus.

© wavy.com

Unser Planet Erde

Kajsa Melchior will mit „Fictive Erosion“ die Neugier in den Menschen wecken, unseren Planeten besser zu verstehen, die Erde als Quelle und Motor unseres Lebens zu begreifen und so ein Bewusstsein für die verheerenden globalen Entwicklungen durch stetig ansteigenden Konsum zu wecken. Mit ihrer Methode gibt sie Denkanstöße für eine Zukunft, in der sich der Zustand unserer Umwelt soweit verschlechtert haben könnte, dass Maschinen für die Herstellung von Möbeln oder anderen Konsumgütern keine Option mehr sind und wir wieder auf die händische Fertigung zurückgreifen müssen.

 

 

 

________________________________________________

Über Kajsa Melchior

Die unabhängige Designerin und Bildhauerin aus Stockholm verfolgt in ihren Arbeiten einen designkritischen Ansatz und bewegt sich zwischen Möbeldesign und künstlerischer Skulpturen, Fakten und Fiktion. Sie erforscht wie natürliche Entwicklungs- und Erosionsprozesse als Basis für Untersuchungen von Raum und Material fungieren können und hinterfragt mit ihren Werken die ästhetischen Standards. Anstelle von „fertigen“ Objekten konfrontiert die Schwedin mit generativen Formen, die durch laufende und sich verändernde Prozesse geprägt sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.