KURT ZECH: FIT FÜR DIE ZUKUNFT

© Patrick Runte, Quelle: Zech Group

Die Neugestaltung der Bremer Innenstadt ist eine der zentralen Herausforderungen in puncto Stadtentwicklung, sofern die Hansestadt als Einkaufs- und Besucherziel nicht irgendwann ins Hintertreffen geraten will. Wie sieht Ihre Version einer zukunftsfähigen Innenstadt aus?

Meines Erachtens müssen die Innenstädte von heute und morgen den Menschen eine hohe Verweilqualität bieten. Das bedingt Angebote mit Attraktionen, Unterhaltung, guter und abwechslungsreicher Gastronomie sowie attraktive Einzelhandelsflächen. Um dies weiter herauszuarbeiten haben wir die fünftägige „Ideenmeisterschaft #MitteBremen“ mit Experten aus ganz Deutschland und unterschiedlichsten Disziplinen durchgeführt.

Es heißt, Sie wollen eine halbe Milliarde Euro investieren, das Parkhaus Mitte abreißen und die Fläche zusammen mit dem Karstadt-Gebäude und der Kaufhof-Immobilie unter der Überschrift „City-Galerie“ neu entwickeln. Begegnet dieses Konzept den Bedarfen einer modernen Innenstadt? Braucht es (wieder) ein Einkaufszentrum? Welchen Mehrwert würde die „City-Galerie“ für die Innenstadt schaffen?

Ganz sicher kein neues Einkaufszentrum. Die ursprüngliche Kernidee war, den Besuchern der Bremer Innenstadt einen Rundgang sowie ein attraktives Warenangebot auf hochwertigen Einzelhandelsflächen inkl. hoher Verweilqualität zu bieten. Doch hier wird noch ein wenig Wasser die Weser herabfließen, da es sich um ein komplexes Projekt mit vielen Beteiligten handelt und noch wesentliche Grundlagen geschaffen werden müssen.

Wie Sie eben schon erwähnten, haben Sie im vergangenen Jahr branchenübergreifend Experten für eine ganze Woche zur „Ideenmeisterschaft #MitteBremen“ eingeladen, um zukunftsfähige innerstädtische Konzepte zu diskutieren. Welche Impulse haben sich aus diesem interdisziplinären Austausch ergeben?

Daraus sind enorm viele Vorschläge entstanden, die im nächsten Schritt gewichtet, bewertet und entschieden werden müssen. Wie sieht eine optimale Nutzungsmischung aus und welche Angebote muss eine moderne Innenstadt bieten, um Menschen zum Schlendern und Verweilen einzuladen? Darüber werden wir mit einer Jury beraten, die sich aus Bremer Institutionen und Behörden sowie Investoren und Händlern zusammensetzt.

Welche (Handels-)Konzepte sind aus Ihrer Perspektive als erfolgreicher Unternehmer notwendig, um in einer zunehmend digitalisierten Welt Erfolg zu haben? Wie wird die Digitalisierung das (Bremer) Stadtbild verändern?

Wenn ich den Empfehlungen von Menschen folge, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen, muss der Einzelhandel Begegnungsstätten mit hoher Aufenthaltsqualität schaffen. Inwieweit dies mit digitalen Angeboten verknüpft sein wird, kann ich heute nicht abschätzen. Doch klar ist, die Digitalisierung wird unweigerliche Auswirkungen haben.

Ihr Engagement in puncto Bremer Stadtentwicklung ist beispiellos. Neben den Plänen zur „City-Galerie“ investieren Sie auch 300 Mio. Euro in die Entwicklung des Europahafenkopfes. Welchen Mehrwert wird dieses neue urbane Quartier für die Stadt Bremen bringen?

Dass Projekt Europahafenkopf wird als Scharnier zwischen der Bremer Innenstadt und der Überseestadt viel öffentlichen Raum mit Gastronomie, Streetfood, Ladenflächen, Mobilitätsangeboten sowie Wohnen und Arbeiten bieten. Wir sind überzeugt, dass unser Projekt ein weiterer wesentlicher Meilenstein in der Entwicklung und Belebung der Bremer Überseestadt sein wird. Darüber hinaus haben wir gerade die Projektgesellschaft für das EuropaQuartier erworben, das in unmittelbarer Nachbarschaft liegt.

Welche Ausgangsbedingungen/Faktoren machen die Stadt Bremen für Sie als Unternehmer bzw. für andere Investoren attraktiv? Wo steht Bremen Ihrer Meinung nach im deutschlandweiten Vergleich in puncto Attraktivität für Immobilieninvestoren?

Neben den Potenzialen, die wir in Bremen noch heben können, haben wir einen sehr schönen historischen Stadtkern, der teilweise zum Weltkulturerbe gehört. Unabhängig davon hat die Stadt Bremen viele Weichen in die richtige Richtung gestellt, um Wirtschaftswachstum zu fördern. Darüber hinaus profitiert Bremen, wie alle größeren Städte, von der Urbanisierung und dem Wunsch vieler Menschen, in der Stadt zu leben.

Im Vergleich zu anderen Projekten, wie dem „Kö-Bogen“ den Sie in Düsseldorf gebaut haben oder der Entwicklung „Alter Wall“ in Hamburg, gestaltet sich der Prozess in Bremen etwas schwieriger: Ende letzten Jahres ist die Kommunikation zwischen Ihnen und der Bremer Stadtverwaltung ins Stocken geraten. Was motiviert Sie, dennoch weiterzumachen und „am Ball zu bleiben“?

Die Projekte sind in keiner Weise vergleichbar und es ist auch nichts ins Stocken geraten. Es lag und liegt auf der Hand, dass bei diesem Projekt viele Menschen abgeholt und involviert werden müssen, damit später alle an einem Strang ziehen und eine erfolgreiche Umsetzung möglich ist.

Sie sind nicht nur Projektentwickler/Immobilieninvestor, sondern auch im Hotelgeschäft tätig, haben die Deutsche Agrarholding aus der insolventen KTG-Gruppe herausgekauft und die Hamburger Rickmers-Reederei übernommen. Die Aufgaben sind so vielfältig und die Herausforderungen so groß, dass sicherlich keine Langeweile aufkommt. Dennoch: Wo steht die Zech Group in zehn Jahren?

Das kann ich Ihnen heute nicht sagen. Jedoch kann ich Ihnen versichern, dass wir dort investieren werden, wo Beteiligungsergänzungen Sinn ergeben, um unsere Wertschöpfungsketten zu vertiefen und ggf. neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Vielen Dank für dieses interessante Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.