KUNST UND KONVERSION: VOM EINDRUCK ZUM AUSDRUCK – DAS KÜNSTLERISCHE FRANKLIN

© Toni Montana Studios

Das Atelier des Wahl-Mannheimers befindet sich derzeit in einer ehemaligen Tennishalle auf der Konversionsfläche FRANKLIN, die gleichzeitig Zuhause des Franklin Stores ist, der gemeinsam mit der MWSP betrieben wird. Im Angebot gibt es hier Hinterlassenschaften der US-Streitkräfte. Das Ziel: Den Gegenständen wie Einbauküchen, Rolltoren, Spielplatzanlagen bis hin zu ganzen Hallen ein zweites Leben zu schenken und somit den Gedanken der Nachhaltigkeit zu verfolgen.

2012 gründete Morlock gemeinsam mit der Künstlerin Myriam Holme den Einraumhaus-Förderverein e. V., welcher sich seither aktiv für die Förderung junger Künstler und Künstlerinnen einsetzt. Auf FRANKLIN ermöglichte der Verein 2017 das Einraumhaus c/o – Artist Residence, das erste Residenzprogramm für Bildende Kunst. Das Förderprogramm bot acht jungen Kunststudium-Absolventen die Möglichkeit, altes Material der Konversionsfläche zu neuen Werken zu formen. Der Ort beeinflusste insofern nicht nur die späteren Werke, sondern im Vorfeld bereits die Auswahl der Stipendiaten, die aufgrund ihres Interesses an der Konversionsfläche ausgewählt wurden. Der Leitgedanke des Programms: Mittels der Historie der Konversionsflächen Interesse für sie zu wecken und sie gleichzeitig als Inspirationsquelle zu nutzen. Artist Residence kann insofern als Pilotprojekt für ein dauerhaftes Förderprogramm betrachtet werden, welches sein zukünftiges Zuhause im Künstlerhaus BARAC – Ein Haus für die Kunst auf Franklin-Sullivan finden wird.

© Archiv Einraumhaus

Perspektivisch werden in einem alten Militärgebäude diverse Arbeitsräume mit Projekt- und gemeinschaftlichen Wohnräumen sowie einem interdisziplinären Institut für die Rundumbegleitung der Kunstprojekte entstehen. Ein zusätzliches Programm zur Kunstvermittlung für Kinder rundet das kulturelle Konzept ab. Die Konzeption des Künstlerhauses startete mit der von Philipp Morlock gegründeten Alfred Packer Company, die Umsetzung und Leitung erfolgt gemeinsam mit dem Architekten Andreas Handel. In Kooperation mit den Kunstakademien aus der Umgebung sucht BARAC nicht nur den Dialog mit der nationalen und internationalen Kunstszene, sondern möchte darüber hinaus Kunst als Bestandteil einer vielfältigen Gesellschaft etablieren.

Mit Goldener Benjamin wird ab Oktober dieses Jahres das neueste Konversionsprojekt des Einraumhaus-Fördervereins ausgestellt. Wie der Name bereits erahnen lässt, begaben sich die Kunstschaffenden auf die Suche nach dem goldgräberischen Potenzial der Konversionsfläche FRANKLIN. Eine Lehm-Ader unterhalb der gesamten Fläche bildete die Basis für die prozessorientierten Werke. Passend dazu wird ein Baggerschaufelabdruck aus getrocknetem und schließlich gebranntem Ton 2020 zum Grundstein des Künstlerhauses werden.

© Archiv Einraumhaus

Morlock will mit seinen Aktionen aber nicht einfach „nur“ Konversionskunst schaffen, die für jeden zugänglich ist. Auch gesellschaftliche Teilhabe ist ein wichtiges Anliegen für den Künstler. Vorbildlich ist hier die Flüchtlingsintegrationsmaßnahme (FIM), mit der seit 2017 Geflüchtete der Mannheimer Erstaufnahmestelle durch künstlerische Projekte in das Stadtleben eingebunden werden. Die Verbindung von Begegnung und kulturellem Austausch leitet das Konzept. In diesem Zusammenhang entwickelte das Projektteam ein T-Shirt mit der Aufschrift „New Franklin City“, das an die 1974 entstandene Fotoserie von John Lennon mit einem „New York City“ T-Shirt erinnert. Genauso wie bei Lennon drückt das Motiv die Liebe zur neuen Heimatstadt aus – bei Lennon zu New York – hier zu Franklin. „Man ist mit der Kunst auch Teil der Gesellschaft“, resümiert der Künstler. „New Franklin City“ – mit diesem Gedanken soll auch das zukünftige Residenzprogramm für Künstler verbunden werden.

Unterstützung bekommen die gesellschaftlichen Kunstprojekte bisher von der MWSP, vom Kulturamt der Stadt Mannheim und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Jedes der Projekte begegnet FRANKLIN auf seine ganz eigene Weise. Alle Projekte streben eine Etablierung FRANKLINS als künstlerischen Stadtteil an und möchten gesellschaftliche Teilhabe vorantreiben. „Von Beginn an war es unser Ziel, dem vorerst Temporären langfristig einen Ort zu geben, wo es sich entfalten kann“, erklärt Morlock. Diese Chance wird die Kunst nun dank BARAC nutzen können.

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