MAILAND: INDUSTRIEBRACHE WIRD ZUM GRÜNEN QUARTIER „PARCO ROMANA“

Was OUTCOMIST, Diller Scofidio + Renfro, PLP Architecture, Arup und Carlo Ratti Associati gemeinsam haben? Sie alle gehören zu dem internationalen Team aus renommierten Architekturbüros, das künftig für die Transformation einer Industriebrache in Mailand zu einem vielfältigen grünen Viertel verantwortlich sein wird. Es konnte sich bei einem internationalen Wettbewerb gegen 46 andere Teams durchsetzen. Das städtebauliche Sanierungsprojekt Parco Romana entlehnt sich namentlich dem Stadtteil, in dem es entsteht: Porta Romana. Das stillgelegte Bahngelände, auf dem sich das neue Viertel erstrecken wird, wird künftig den Südosten der Stadt mit dem Stadtkern verbinden.

Entwurf schafft lebendiges und transformatives Viertel

Die neue Entwicklung erschafft dabei einen einladenden öffentlichen Raum, der sich nicht nur durch seine große Artenvielfalt auszeichnet. Besonders an dem Entwurf ist auch, dass er mit dem Bestand vor Ort arbeitet, statt ihn abzureißen. Das Team erhält so die vielschichtige Geschichte des Areals am Leben, interpretiert sein industrielles Erbe neu und belebt es mit zeitgenössischen Elementen. Bislang trennt eine heute ungenutzte Eisenbahnstrecke Teile des Gebiets voneinander. Die neuen Pläne sorgen dafür, dass diese fragmentierten Abschnitte zu einem gemeinsamen urbanen Raum zusammengeschlossen werden. Darüber hinaus ist es das Ziel, die umliegenden Viertel mit dem bald lebendigen und gemischt genutzten Viertel zu verbinden, das den Prinzipien Inklusion, Resilienz, Wohlbefinden, Konnektivität und Biodiversität folgt. Das Team legt großen Wert darauf, gemeinsame Lebens- und Arbeitsumgebungen für eine Reihe unterschiedlicher Nutzungsgruppen zu erschaffen. Von Studierenden, Bewohner:innen, über Angestellte, Sportbegeisterte bis hin zu Besucher:innen kommen alle in dem Viertel auf ihre Kosten.

Nachhaltigkeitsaspekte geben der Entwicklung einen Rahmen

Insgesamt geben insbesondere Nachhaltigkeitsmaßnahmen der gesamten Entwicklung einen Rahmen. Die Pläne stehen in Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens, des European Green Deal sowie des National Recovery & Resilience Plan der UN. Die Ziele dieser Maßnahmen sind insbesondere die Klimaanpassung sowie die Schaffung widerstandsfähiger Gemeinschaften, das Ankurbeln der Kreislaufwirtschaft und die Erhöhung der Artenvielfalt. Dafür sorgen unter anderem eine kohlenstoffarme Bauweise und grüne Technologien. Diese liefern erneuerbare Energie, sauberes Trinkwasser sowie frische Lebensmittel.

© Courtesy of the Design Team

Bei der Erreichung dieser Ziele spielt auch das biodiverse Herz des Areals eine bedeutsame Rolle: Der große Stadtpark, um den herum die weiteren Elemente der Entwicklung entstehen. Der Park bietet zudem eine topographische Besonderheit: Als erhöhter Grünzug nutzt er die stillgelegte Bahnstrecke optimal, um dem Viertel und der gesamten Stadt eine neue grüne Lunge sowie einen einzigartigen Aufenthaltsort im Freien zu schenken. Hunderte von Bäumen werden künftig die alte Bahnstrecke säumen, zwischen denen sich neue Wanderwege in sattem Grün entlangschlängeln. Die erhöhte Lage erlaubt dabei einzigartige Ausblicke auf den städtischen Raum Mailands.

Entlang der Gleise befindet sich zudem eine artenreiche Wald- und Feuchtgebiets-Zone, ergänzt von lebendigen Gemeinschaftsgärten. Hier können sich die Bewohner:innen über eine Reihe von Aktivitäten in Kooperation mit dem Mailänder Umweltnetzwerk Rotaie Verdi freuen, die die Gesundheit und das Wohlbefinden steigern können. Diese Freiräume befinden sich darüber hinaus in Einklang mit dem urbanen Raum von Mailand – sie werden von Stadtblöcken mit begrünten Innenhöfen eingerahmt, inspiriert von der historischen Stadtplanung Mailands. Neben dieser grünen Entwicklung entsteht zudem ein neuer Geschäftskern für die Stadt. Die Gebäudeensembles sind dabei auf den Grünzug und den hängenden Wald ausgerichtet.

Lebendige Umgebung mit optimaler Infrastruktur

© Courtesy of the Design Team

Über seine Grünflächen hinaus ist auch ein anderer Aspekt der Entwicklung überaus nachhaltig: Die Anpassung des Athletendorfs der 2026 in Mailand stattfindenden Olympischen Winterspiele. Das gemischt genutzte Wohnviertel beherbergt zunächst die Athlet:innen der Sportveranstaltung und wird im Anschluss in eine dauerhaft bestehende Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft verwandelt. Daran angebunden ist auch eine große öffentliche Piazza, auf der eine Vielzahl an kulinarischen, kulturellen und sportlichen Angeboten zu finden sein werden. Dabei überzeugen nicht nur die Angebote selbst, sondern auch die Umgebung: Die Piazza integriert historische Eisenbahnreparaturschuppen, die für die neue Entwicklung aufwendig saniert werden.

Ein derart ansprechender Ort braucht auch eine optimale Anbindung, um für alle Mailänder:innen gut erreichbar zu sein. Die lokale Infrastruktur wurde dazu um umfangreiche neue Mobilitätslösungen erweitert. Im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen legen die Architekt:innen Wert darauf, vor allem die grüne Mobilität im Viertel zu fördern. Dabei wird der Weg für Fußgänger:innen und Radfahrende frei gemacht und damit die Abhängigkeit vom Autoverkehr im Viertel verringert. Die neuen Korridore durch das Viertel sind mit öffentlichen Plätzen verbunden. Diese dienen als natürliche Treffpunkte an der Kreuzung wichtiger Fußgängerrouten. Der Parco Romana verfolgt damit auch die neusten Überlegungen zur 15-Minuten-Stadt in Mailand. Dieses Prinzip zielt darauf ab, dass alles, was man für ein gutes tägliches Leben braucht, innerhalb von 15 Minuten vom eigenen Wohn- und Arbeitsumfeld erreichbar sein sollte.

Das Projekt entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sowie den lokalen Behörden, Bürger:innen und Interessensvertretern. Schon diesen Monat beginnen eine Reihe unterschiedlicher öffentlicher Veranstaltungen, bei denen die Kooperationspartner:innen ihre Einfälle und ihr Feedback zu den bisherigen Plänen geben können.

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alle Renderings © Courtesy of the Design Team

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