ONOMOTION – EIN E-CARGO-BIKE FÜR DIE „LETZTE“ MEILE

© Janine Graubaum

Als ehemaliger Chefdesigner des Volkswagen-Konzerns überträgt Murat Günak den Design- und Qualitätsanspruch der Automobilindustrie auf die Ausgestaltung des neuartigen Fahrzeugs. Das E-Lastenfahrrad für die letzte Meile verfügt laut Herstellerangaben über mehr Platz als herkömmliche Lastenräder und ist aufgrund des ganzheitlichen Designs inklusive eines Witterungsschutzes auch bei regnerischen Wetterlagen einsetzbar. Der 1,4kWh-Akku von GreenPack ermöglicht eine Reichweite von bis zu 30 km, die sich durch einen beigeführten Ersatz-Akku verdoppeln lässt – eine eingebaute Halterung ist im Fahrzeug vorgesehen. Die elektrische Unterstützung bis 25 km/h erleichtert den Warentransport bis zu 200 kg.

Aufgrund der geringen Außenmaße können ONOs auf Radwegen fahren und sind für eine Nutzung ohne Führerschein zugelassen. Die modularen Container haben ein Ladevolumen von 2 m³ – somit können vier Module ein Lkw-Ladevolumen ersetzen. Ein RFIC-Chip gewährleistet die einfache Bedienung, indem er sowohl das Sperren und Entsperren des Fahrzeugs als auch das Öffnen und Entkoppeln des Containers veranlasst. ONO kann in einem Leasingvertrag gebucht werden, der die Wartung, Verschleißreparaturen, Ersatzteilversorgung, eine Vollkaskoversicherung und den Zugang zu Akkutausch-Automaten beinhaltet. Außerdem ist die Förderung gewerblicher E-Cargo-Bikes mit Pedelec-25-E-Antrieb durch das Bundesumweltministerium möglich.

ONO verfolgt das Konzept einer nachhaltigen, effizienten und kleinteiligen letzten Meile, die gänzlich ohne Lkw auskommt. Nach dem Journal für Mobilität und Verkehr des Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft e.V. könnte die KEP-Verteilung mit E-Cargo-Bikes das Lkw-Aufkommen und somit die Lärm- und CO2-Emissionen im urbanen Raum künftig erheblich verringern. Verzögernde Staus könnten außerdem auf Radwegen umfahren werden; die Parksituation gestaltet sich allein aufgrund der Fahrzeuggröße für alle Beteiligten wesentlich angenehmer. Um diese Art der Mikromobilität in der KEP-Branche effizient einsetzen zu können, bedarf es einer präzisen Organisation. Das angestrebte Verfahren basiert auf einer überregionalen Verteilung auf Mikrodepots, von denen aus die Lieferungen mit E-Cargo-Bikes in die Quartiere verteilt werden. Besonders geeignet als Standorte der Mikrodepots sind nach der Nachhaltigkeitsstudie 2017 des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik urbane Orte, die eine hohe Einwohner-/ Haushaltsdichte pro Quadratmeter aufweisen.

Im Januar 2021 wurde der Betrieb eines Mikrodepots in der Kniprodestraße in Berlin aufgenommen. Das Projekt entstand als Kooperation zwischen DPD Germany, ONO, Swobbee und der dortigen Sprint-Tankstelle. Das Konzept sieht vor, die ankommenden DPD-Lieferungen in dem Hub auf Container für zwei ONOs sowie auf vier zusätzliche Lastenräder zu verteilen. Diese beliefern die Stadtteile Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Pankow und Lichtenberg emissionsfrei. Als Räumlichkeit stellt die Sprint-Tankstelle eine ehemalige Reparaturwerkstatt zur Verfügung. An der Swobbee-Station können leere Batterien durch geladene ersetzt werden oder an einer 75-KW-Ladesäule regulär geladen werden.

Auch Hermes nahm im Februar dieses Jahres 18 ONOs in den Serienbetrieb der dicht besiedelten Bezirke Berlins auf. Voraus ging eine erfolgreiche Testphase im Sommer 2019, die alle technischen Anforderungen für die Paketzustellung des Logistikdienstleisters erfüllte. ONO ist nun ein essenzieller Bestandteil des Mobilitätskonzepts „Urban Blue“ von Hermes, das vorsieht, bis 2025 die 80 größten deutschen Innenstädte emissionsfrei zu beliefern. Das von der EU finanzierte Institut EIT InnoEnergy unterstützt innovative Projekte und Unternehmen, die sich im Bereich nachhaltige Energie engagieren. Auch ONO wird bis Ende 2022 mit insgesamt drei Millionen Euro gefördert. Das Ziel ist es, bis 2025 in ganz Europa in mehr als 60 Großstädten mit 14.000 ONOs vertreten zu sein. EIT bietet außerdem ein Netzwerk europaweiter Partnerschaften, das die geplante Expansion vorantreiben wird.

„Wir sehen einen spürbaren Wandel in der Art und Weise, wie Menschen und Güter in unseren urbanen Zentren bewegt werden“, sagt Jennifer Dungs, Themenfeldleiterin Energie für Verkehr und Mobilität bei EIT InnoEnergy. „Viele Städte starten Initiativen, um diese Chance zu nutzen und das urbane Leben nachhaltig zu verbessern – ONO ist einzigartig positioniert, um eine wichtige Rolle in diesen neu gestalteten urbanen Räumen zu spielen.“

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