TULUM: NEUE MOBILITÄT

Tulum ist bekannt für weiße Sandstrände, für türkisblaues Wasser und die Maya-Kultur. Das Architekturbüro AIDIASTUDIO wurde nun beauftragt, einen neuen Bahnhof für die Stadt auf der Halbinsel Yucatan zu erschaffen. Die Entwürfe des Studios zeigen ein Bauwerk, das sich insbesondere durch seine kompakte Architektur sowie Nachhaltigkeit auszeichnet. Zugleich wollen die Architekt:innen ein Narrativ erschaffen, das die Qualitäten der Maya-Architektur durch den Einsatz von Licht und Schatten, charakteristischen Mustern sowie Materialien, unter anderem Kalkstein, und eine passende Vegetation widerspiegelt. Auch die gewählte Symmetrie, Monumentalität sowie geometrische Ausrichtung der Entwürfe sind allesamt Merkmale der Maya-Architektur. Es war das Ziel der Architekt:innen, dieses Erbe zu bewahren und es gleichzeitig auf eine zeitgenössische Art neu zu interpretieren.

Schlüsselelement: Verdichtung

Ein weiteres Schlüsselelement ist die Verdichtung der Entwürfe. AIDIASTUDIO minimiert mit seinem Entwurf die Grundfläche des Bahnhofs. Das Ergebnis dieses Ansatzes ist ein augenförmiger Grundriss, der am breitesten in der Mitte der Entwicklung ist, wo die Hauptfunktionen zusammenlaufen. Die Entscheidung für diese außergewöhnliche Grundflächenform ging aus ausführlichen Analysen hinsichtlich einer möglichst effizienten Raumnutzung hervor.

© AIDIASTUDIO

Diese kompakte Form der Architektur setzt sich in mehreren Bereichen des Projekts fort. Über den Bahngleisen stapeln sich öffentliche Programme in die Höhe, die vertikal miteinander verbunden sind. Hierzu gehört auch eine einladende, große und lichtdurchflutete Halle mit einer natürlichen Belüftung. Zu dieser guten Belüftung trägt insbesondere die aerodynamische Dachgeometrie des Gebäudes bei – sie fördert das Anströmen der Meeresbrise und leitet sie durch die Station. Dadurch ergibt sich eine angenehme Atmosphäre im Inneren, die ohne mechanische Belüftung auskommt. Diese natürliche Brise trägt zu einem optimalen Benutzer:innenerlebnis bei, das außerdem durch eine leichte Orientierung und einfache Mobilität in der Station erzeugt wird. Diese leichte Orientierung wird insbesondere durch die lineare Konfiguration sowie die Symmetrie des Bahnhofs ermöglicht – auf diese Weise werden die Nutzer:innen intuitiv zum Zentrum des Bahnofs navigiert.

Offenes Gitterdach sorgt für angenehmes Klima

Das tropische Klima in Tulum mit starker Hitze sowie Regen und hoher Luftfeuchtigkeit im Wechsel ist nicht zu unterschätzen. Ein großes offenes, teils verglastes Gitterdach sorgt deshalb in der neuen Station für eine Anpassung an die Witterungsgegebenheiten. Dabei reagieren die kleineren Öffnungen des Daches auf den variierenden Lichteinfall und reduzieren die Einstrahlung in den heißesten Stunden des Tages. An den Seiten des Daches befinden sich zudem größere Öffnungen, die bei sinkender Temperatur in der Nacht Luft und Licht hineinlassen. Diese passive Strategie regelt die Strahlungsbelastung und die Menge an natürlichem Lichteinfall in die Station – wichtig bei einem tropischen Klima, wie es in Tulum herrscht.

© AIDIASTUDIO

Diese klimatische Anpassung ist nicht der einzige Vorteil, den das Dach bietet. Es sorgt zudem für den Effekt, dass das Sonnenlicht, das an einigen Stellen durch das Dach dringt, komplexe geometrische Muster auf die Wände und Böden des Bahnhofs projiziert. Es ist ein Spiel aus Licht und Schatten, das sich auf besondere Weise durch den Raum bewegt. Konstruiert ist das Dach als Stahlgitterschale, verkleidet mit Glasfaserbetonplatten (GRC) auf der Oberseite und Schichtholzplatten auf der Unterseite. Die daraus resultierenden Motive auf den Außen- und Innenseiten erinnern an traditionelle geometrische Muster der Maya.

 


Bilder im Slider: © AIDIASTUDIO

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