URBAN NEWS

© Twaice

THINK TWAICE

Gegründet im Juni 2018, bietet das Münchner Start-up Twaice eine vorausschauende Analytik-Software, die sowohl die Entwicklung als auch die Nutzung von Lithium-Ionen-Batterien optimiert. So kann beispielsweise mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz der Batteriezustand bestimmt und auf dieser Grundlage eine Prognose zu Alterung und Leistung getroffen werden. Durch diese Technologie bekommen Unternehmen des Energie- und Mobilitätssektors die Möglichkeit, die Lebensdauer, Effizienz und dementsprechend auch die Nachhaltigkeit ihrer batteriebetriebenen Produkte signifikant zu erhöhen.

Seit Spätsommer 2021 kooperiert Twaice mit pepper motion aus Oberbayern, die sich auf die Elektrifizierung gebrauchter und neuer Nutzfahrzeuge spezialisieren. Der als „Retrofitting“ bezeichnete Prozess der Umrüstung ausgedienter Verbrenner eröffnet zunehmend größere wirtschaftliche Möglichkeiten; schließlich ist es sowohl weitaus günstiger, als auch nachhaltiger, Bestandsfahrzeuge umzurüsten, anstatt sie neu herzustellen. Im Mai 2021 konnte Twaice eine Series-B-Finanzierungsrunde mit mehr als 21 Millionen Euro abschließen. Audi und Daimler gehören bereits zum Kundenkreis.
 

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MOBILITÄT IM NEUEN HAMBURGER STADTTEIL

Im Osten der Hansestadt realisiert die IBA auf 124 ha den 105. Stadtteil Hamburgs – Oberbillwerder. Künftig werden dort ca. 7.000 Wohnungen, 5.000 Arbeitsplätze und entsprechende Bildungs- und Begegnungseinrichtungen entstehen. Der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs stammt aus der Feder des Architekturbüros ADEPT in Kooperation mit dem Landschaftsarchitekturbüro Karres en Brands. The Connected City besteht aus fünf Quartieren, die sich in ihren Qualitäten und Atmosphäre unterscheiden. Das umfassende Konzept definiert insbesondere die Mobilität als freiräumliches Gestaltungselement. Das Ziel ist es, den Anteil des motorisierten Individualverkehrs auf 20 % des Gesamtverkehrs zu beschränken und sowohl den ÖPNV als auch den Rad- und Fußverkehr zu stärken.

Innerhalb des Stadtteils wurde Wert auf eine präzise Ausgestaltung der Mobilität gelegt. Der übergeordnete Gedanke, den Freiraum als lebenswerte Komponente des Gesamtkonzepts zu betrachten, prägte die Mobilitätsentscheidungen entscheidend. Das Resultat ist der effiziente Umgang mit Verkehrsflächen in den Quartieren und eine intelligente Mehrfachnutzung des Raumes. Das städtebauliche Konzept sieht einen sogenannten Mobility Loop vor, der den Verkehr als übergeordnete Route in Oberbillwerder verteilt. Das Straßen- und Wegenetz gliedert sich in gestaffelte Mobilität, die nur sehr gezielt eine leicht erhöhte Frequentierung des Verkehrs zulässt. Nur ein geringer Anteil der Zuwegung ist für eine Kfz-Nutzung ausgelegt. Die meisten Wohngebäude werden über Wohnwege erschlossen, die nur für Rad- und Fußverkehr vorgesehen sind. Elf Mobility-Hubs sorgen dafür, dass der Großteil des Stadtteils frei von ruhendem Verkehr bleibt.
 

© WSW

SMARTE LATERNEN ALS SINNESORGANE VON QUARTIEREN

Der Kombination von Sensorik und Steuerung der Infrastruktur wohnt eine gewisse Smartness inne und die Datenkopplung von Energie, Umwelt und Verkehr verheißt erkenntnisreiche Erhebungsreihen. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) und der Energieversorgungskonzern Engie testen derzeit in einem Pilotprojekt im Wuppertaler Quartier Schöller-Dornap, wie smarte Laternen mittels digitaler Steuerung über das LoRoWAN-Netz Lichtverschmutzung reduzieren und durch automatisierte Erkennung von Passanten die Sicherheit durch gezieltes Aufhellen erhöhen können. Die Sensoren sammeln des Weiteren Daten zu Luftfeuchtigkeit, Feinstaubbelastung und Temperatur und sollen künftig auch die Verkehrsfrequenz von Autos und Bussen erfassen können.
 

© Twaice

INTELLIGENTE ENERGIEVERTEILER

Ein Smart Grid ist ein intelligentes Stromnetz, das die Erzeugung, die Verteilung und die Speicherung von Energie koordiniert. Um ein solches Vorhaben realisieren zu können, bedarf es eines Netzwerks, innerhalb dessen alle Teilnehmer die Erzeugung und den Verbrauch kommunizieren. Das dazugehörige Instrument ist das sogenannte Smart Meter – ein intelligenter und internetfähiger Stromzähler. Mit einem Gesetzesbeschluss von 2015 begann der Umstieg auf Smart Meter, die ab 2032 in Deutschland verpflichtend sein werden. Über diese Stromzähler werden die Verbrauchsdaten der Nutzer:innen nicht nur abgefragt, sondern auch in den Informationspool des Smart Grid integriert.

Die Weiterentwicklung der Smart Grids ist nicht auf nationale Grenzen beschränkt, sondern von internationalem Interesse. Die Europäische Kommission erkennt Smart Grids als elementaren Bestandteil künftiger Entwicklungen im Hinblick auf die Energiewende an. Das Ziel ist es, die transeuropäische Energieinfrastruktur grundlegend zu optimieren. Die gezielte Fokussierung auf diese zukunftsweisende Technologie soll künftig auch auf europäischer Ebene den Umstieg auf erneuerbare Energien erleichtern und sichere, erschwingliche und nachhaltige Energie garantieren. Die Europäische Kommission startete 2021 zum fünften Mal den Aufruf für Projekte im Themenbereich der Smart Grids. Förderfähige Projekte werden evaluiert und in einer Liste der EU Projects of Common Interest (PCIs) – also Projekte von gemeinsamem Interesse – festgehalten und mit EU-Finanzhilfen in Form von Zuschüssen für Studien und Arbeiten unterstützt.
 

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AUF DER FAHRRADAUTOBAHN ZUR ARBEIT

Rund 11.000 Bewohner:innen Pekings pendelten tagtäglich mit U-Bahn und Auto zwischen den beiden Stadtquartieren Huilongguan und Shangdi. Ein Verkehrsaufkommen, das den Norden der Stadt in hohem Maße belastete. Aus diesem Grund beschloss die Stadt Peking, auf der 6,5 km langen Strecke einen Fahrrad-Highway zu errichten, um den Pendlerverkehr zu entlasten. Seit der Eröffnung im Mai 2021 nutzen nun jeden Tag zwischen 4.000 und 6.000 Pendler:innen die Verbindung, durch die sie zudem gut 20 Minuten Fahrtzeit im Vergleich zu vorher einsparen können. Sechs Meter breit, bestehend aus drei Fahrspuren und mit insgesamt zehn Ein- und Ausfahrten ist der Highway ein gelungenes Beispiel für ein gesundheitsförderndes, nachhaltiges und erschwingliches Mobilitätskonzept, das vor allem Nutzer:innen der U-Bahn, aber auch einige Autofahrer:innen dazu veranlasste, auf das Fahrrad umzusteigen.
 

© Max Bögl

OHNE BODENHAFTUNG GLEITEN

Das in der Oberpfalz ansässige Bauunternehmen Max Bögl entwickelt mit dem Transport System Bögl seit 2010 eine autonome Magnetschwebebahn, die ohne Bodenkontakt zügig und geräuschlos über die Trasse gleitet. Dem Transrapid, der wohl bekanntesten und bereits ad acta gelegten Magnetschwebebahn, ähnelt das TSB nur noch in wenigen Punkten. Im Gegensatz zum Transrapid, bei dem der Antrieb im Fahrweg verankert war und das Fahrzeug diesen umfasste, ist der Antrieb des TSB in den Zug selbst integriert und wird vom Fahrweg umrahmt. Das Fahrwerk des Zuges ist mit Magneten ausgestattet, die diesen an einer im Boden montierten Stahlschiene halten. Vor dem Start erhebt sich das Fahrzeug und gelangt in einen Schwebezustand, um mithilfe des sogenannten asynchronen Kurzstator-Linearantriebs an der Schiene entlangzugleiten. Aufgrund des fehlenden Bodenkontaktes entsteht – anders als es beim konventionellen Zugbetrieb der Fall ist – kein Fahrgeräusch.

Das TSB setzt sich laut Hersteller je nach Bedarf aus zwei bis sechs Fahrzeugteilen zusammen und kann damit flexibel auf das Passagieraufkommen reagieren. Ein Zug misst 12 m in der Länge und 2,85 m in der Breite, das Leergewicht beträgt 18 Tonnen. Damit ist die Magnetschwebebahn weitaus weniger massiv als eine konventionelle Straßen- oder S-Bahn. Dennoch fasst ein Fahrzeugteil mit 127 Fahrgästen etwa halb so viele wie die Flexity Swift von Bombardier, ein in weltweit vielen Städten verwendetes Straßenbahnmodell, das für diese Kapazität allerdings die dreifache Wagenlänge benötigt. Während sich insbesondere in Asien bereits einige Magnetschwebebahnen, die allerdings auf den Fernverkehr ausgerichtet sind, im Einsatz befinden, wird das TSB seit Ende 2019 im chinesischen Chengdu auf einer Strecke von 3,5 km getestet. Künftig soll die Magnetschwebebahn am Münchner Flughafen die Terminals mit dem neuen Technologiepark verbinden.

 

© Stadt Monheim

AUTONOM MIT DEM BUS DURCH MONHEIM

In Monheim am Rhein ist es seit Februar 2020 möglich, in autonom fahrenden E-Bussen auf der Linie zwischen Altstadt und Busbahnhof zu fahren. Die 41.000-Einwohnerstadt ist damit die erste europäische Stadt, in der das möglich ist. Entlang einer vordefinierten Route, inmitten des restlichen motorisierten Verkehrs, befördern die insgesamt fünf Busse täglich von 7 bis 24 Uhr zu den üblichen Ticket-Preisen des ÖPVNs die Bewohner:innen und Besucher:innen der Stadt. Die Vehikel sind mit zahlreichen Sensoren ausgestattet, die Hindernisse und mögliche Gefahren frühzeitig erkennen können, was den Bus rechtzeitig stoppen lässt. Darüber hinaus befindet sich jederzeit auch eine Aufsichtsperson im Fahrzeug, die zusätzlich im Notfall eingreifen kann. Begleitet wird das Projekt durch eine wissenschaftliche Studie, die Betriebs- und Planungsdaten aus verschiedenen Quellen analysiert und sich mit den Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten der Monheimer:innen sowie mit der Akzeptanz des neuartigen Angebots beschäftigt.
 

© Schaeffler

SELBSTFAHRENDE SHUTTLES KOMMEN

Bereits im Jahr 2018 entwickelte der Industrie- und Automobilzulieferer Schaeffler für seinen Schaeffler Mover, ein autonomes Fahrkonzept für urbane Räume, das Radmodul Rolling Chassis. Diese flexible skalierbare Plattform eignet sich bestens für fahrerlose Mobilitätslösungen im Personen- und Gütertransport sowie weitere individualisierbare Anwendungen. In Bezug auf Antrieb und Lenkung gibt es je nach Anspruch und Bedarf verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten. Im Rahmen einer Kooperation mit der Intel-Tochter Mobileye forciert Schaeffler nun seit September 2021 die Verknüpfung der Technologien des Experten für Fahrassistenz und autonomes Fahren mit den eigenen langjährigen Erfahrungen im Fahrzeugbereich. Ziel ist es, ab 2023 unter Verwendung des Rolling Chassis autonome und anpassbare Shuttles zur Verfügung zu stellen.

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