ENTGEGEN DER KLASSISCHEN CONTAINERBURG

Die Gemeinde Niederzier gehört mit ihren rund 14.650 Einwohnern zum Kreis Düren. Mit insgesamt acht Ortsteilen ist sie durch einen dörflichen Charakter geprägt. Die aktuelle Flüchtlingslage führt dazu, dass auch kleine Gemeinden immer mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen. Grund genug, um über schnelle Lösungen nachzudenken.

Bei der Unterbringung der Flüchtlinge geht die Gemeinde Niederzier neue Wege. Dem Leitsatz der Architekten Feldschnieders & Kister: „Flüchtlingsunterkünfte dürfen keine Legebatterien sein“ folgend, hat die Gemeinde für die Unterbringung der Flüchtlinge ein eigenes Konzept entwickelt. Nachdem der Übergang von der Erstaufnahmeeinrichtung in die Anschlussunterkunft geschafft ist, möchte die Gemeinde Niederzier den Flüchtlingen keine klassische Containerburg zumuten, sondern einen angemessenen Wohnraum für die Unterbringung in Eigenregie schaffen.

Bei der Entwicklung des Baukonzeptes mussten viele Aspekte berücksichtigt werden. Die Umsetzung sollte kurzfristig realisiert werden können, da die Aufnahmekapazitäten der Gemeinde nahezu erschöpft sind. Das Baukonzept sollte kostengünstig, aber einer menschenwürdigen Unterbringung gerecht werden. Zudem musste die Möglichkeit einer sinnvollen Folgenutzung berücksichtigt werden. Entgegen einer Containerburg sollte sich das Bauvorhaben auch den örtlichen Gegebenheiten anpassen und sich dem Stadtbild des dörflichen Charakters anpassen.

Gemäß diesen Vorgaben hat der gemeindeeigene Architekt Achim Molls ein eigenes, innovatives Baukonzept erstellt.

Konstruktion/Bautechnik

Das Gebäude wurde als Achteck konzipiert, wodurch ein kompakter Baukörper entsteht. Der Baukörper zeichnet sich durch eine günstige Bauweise aus, da es nur wenige tragende Wände gibt. Lediglich der äußere sowie der mittlere Ring und eine kreuzartige Struktur im Zentrum tragen die Lasten des Daches.

Errichtet werden soll das achteckige Gebäude in Holzständerbauweise mit einer massiven Brettsperrholzdecke auf einer Stahlbetonbodenplatte. Die Räume sollen durch eine Fußbodenheizung, die an eine Zentralheizung mit Gasbrennwerttechnik angeschlossen ist, beheizt werden. Entsprechende Ver- und Entsorgungsleitungen werden bei dem Bau gleich so verlegt, dass auch eine spätere Umnutzung möglich ist. Die Fensterelemente lassen eine gute und ausreichende Be- und Entlüftung sowie eine entsprechende Belichtung der jeweiligen Räume zu.

Durch die Konzipierung als Achteck und der jeweils gleichen Aufteilung der einzelnen Fassadenabschnitte ergibt sich aus jedem Anschauungswinkel die gleiche Ansicht auf das Gebäude. Dies hat den Vorteil, dass das Gebäude den jeweiligen gegebenen örtlichen Gegebenheiten bezüglich Lage, Ausrichtung und Versorgungsanschlussmöglichkeiten angepasst werden kann.

Die Außenhaut des Gebäudes wurde bewusst der angrenzenden vorhandenen Bebauung, hier der örtlichen Grundschule, angepasst. Sie besteht aus einer Holzleistendeckung aus Douglasienholz.

Die sanitären Anlagen (Dusche/WC) befinden sich im Innenbereich und können über einen umlaufenden Flur erreicht werden. Die Zimmer können aufgrund des Tragsystems individuell gestaltet und als Einzel-, Mehrbett- oder auch als Familienzimmer ausgebildet werden. Jedes Zimmer hat einen direkten Zugang zu einer zugeordneten, rundumlaufenden Terrasse, sodass auch ein zweiter Fluchtweg vorhanden ist.

In jeder Einrichtung sollen maximal 48 Personen untergebracht werden.

Baurealisierung

Die gesamte Architektenleistung einschließlich der Bauleitung wird durch den gemeindeeigenen Architekten erfüllt. Für die Tragwerkskonstruktion konnte das Holzbau-Ingenieurbüro Pirmin Jung ge-wonnen werden. Die Architekturvisualisierung erfolgte über das Büro Rendertaxi aus Aachen.

Folgenutzung

Ein wichtiges Kriterium für den Bau dieses Flüchtlingsheims war jedoch, dass eine entsprechende Nachnutzung in vielfältiger Art und Weise möglich ist. Aufgrund des Tragsystems können sämtliche Zwischenwände zu den jeweiligen Zimmern ohne größeren Aufwand beliebig ausgetauscht oder komplett entfernt werden. Somit ergibt sich ein hoher Grad an Flexibilität bei einer anschließenden Nachnutzung. Im konkreten Fall bietet sich, aufgrund der Nähe zur vorhandenen Grundschule, die Nachnutzung für die Betreuung der offenen Ganztagsschule an.

Es sind jedoch auch diverse andere Nutzungen wie beispielsweise als zweigruppiger Kindergarten, als Studentenwohnheim für die nur wenige Kilometer entfernte Fachhochschule Jülich, als Dorfgemeinschaftshaus oder Vereinsheim, aber auch als Nutzung für Sozial- oder Seniorenwohnungen denkbar.


Stadt Niederzier

Ansprechpartner

Herr Achim Molls
Architekt
Rathausstraße 8, 52382 Niederzier
T. +49 (0)2428 / 84 – 406
AMolls@niederzier.de | www.niederzier.de

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