WOHNRAUM FÜR ALLE!

Nicht nur Flüchtlinge, sondern auch viele andere sind auf der Suche nach Finanzierbarem, aber gleichzeitig auch lebenswertem Wohnraum. Die „Initiative Wohnraum für Alle!“ hat in einer Ideenwerksatt innovative Konzepte für den Wohnungsbau gesucht, die gut gestaltet, schnell zu realisieren, aber auch bezahlbar und integrationsfördernd sind.

Die Ideenwerkstatt

Die Ideenwerkstatt war der erste Schritt der Initiative „Wohnraum für Alle!“. Über sie wurden innovative Vorschläge für integrative städtebauliche, bauliche und freiraumplanerische Konzepte gesucht. Fachleute aus der Planungs-, Bau- und Immobilienbranche waren aufgerufen, Konzepte für guten, bezahlbaren, schnell zu errichtenden und integrativen Wohnungsbau einzureichen. Interdisziplinäre Projektgruppen, Arbeitsgemeinschaften und die Zusammenarbeit mit Firmen waren dabei ausdrücklich erwünscht.

Eingereicht werden konnten abstrakte Ideen, konkrete oder beispielhafte Planungen im Dorf- oder Stadtkontext, aber auch bereits realisierte Projekte. Beiträge jeder Art, von städtebaulichen, baulichen und freiraumplanerischen Konzepten über Konstruktions-, Montage- und Ausbauvorschlägen bis hin zu sozialen und organisatorischen Lösungsansätzen, waren willkommen. Entscheidend war alleine die Innovationskraft der Projekte, zusammen mit einer schnellen Umsetzbarkeit.

Städtebauliche Planungsansätze

Die neuen Wohnungsbauten sollen sich in das Gesamtkonzept der kommunalen Siedlungsentwicklung einfügen. Sie sollten als Chance genutzt werden, heute einen Entwicklungschritt zu machen, auf dem später aufgebaut werden kann. Deshalb sind Lagen zu wählen, die sich für eine dauerhafte Wohnnutzung eignen und qualitätvolles Wohnen ermöglichen.

Der Integration in das städtebauliche Umfeld kommt besondere Bedeutung zu, auf die Verträglichkeit mit Stadt-, Orts- und Landschaftsbild ist zu achten. Da die schnelle Realisierbarkeit hohe Priorität hat, sollte Unwägbarkeiten mit Nachbareigentümern und langwierigen Fachplanungsprozessen soweit als möglich aus dem Wege gegangen werden. Ziel sind Quartiere mit günstigen Miet- und Genossenschaftswohnungen für eine Mischung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Gewerbeflächen und vielfach nutzbare Gemeinschaftsbereiche in den Erdgeschossen schaffen Erwerbs- und Betätigungsmöglichkeiten. Die Neubauten sollten eine der Lage angepasste hohe bauliche Dichte und optimierte Flächeneffizienz besitzen. Wichtiger Baustein ist die gute Erreichbarkeit zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem öffentlichen Nahverkehr.

Einsatz Modularer Systeme

Das weite Feld des modularen Bauens bietet vielversprechende Ansätze, schnell und kostengünstig Wohnraum zu schaffen. Zum einen ermöglicht ein hoher Grad an Vorfertigung der Module eine Beschleunigung des Bauablaufs, zum anderen verspricht die Standardisierung von Modulen und Produktionsabläufen eine sinnvolle Kostenreduktion. Grundsätzlich sind die eingereichten Vorschläge zu unterscheiden in Modulbauweise, Systembauweise und das Bauen mit Fertigteilen. Alle Methoden bieten gewisse Vor- und Nachteile, was die Flexibilität, den Transport, die Vorfertigung und die Passgenauigkeit der einzelnen Elemente angeht. Die Bandbreite des modularen Bauens ist groß, daher wurden die angebotenen Lösungen vor allem im Hinblick auf ihre gestalterischen Qualitäten und räumlichen Potenziale betrachtet. Lässt sich das System in unterschiedlichen städtebaulichen Maßstäben anwenden und kann es auf den spezifischen Kontext reagieren? Welche Raumqualitäten sind erreichbar? Sind die Module stereotyp oder differenziert und lassen variantenreiche Grundrisstypologien zu?

Soziale Aspekte de Wohnens

Fast alle der über 70 eingereichten Beiträge befassen sich notwendigerweise mit den sozialen Aspekten des Wohnens. Denn jede Wohnform hat Auswirkungen auf das Miteinander ihrer Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch auf deren Nachbarschaft. Einige Arbeiten zeigen darüber hinaus sehr detailliert die Chancen des partiellen Selbstbaus auf. Durch gemeinsames Planen und Bauen wird wie selbstverständlich neben dem baulichen Wert auch ein Mehr an Miteinander und Identifikation mit dem eigenen Lebensraum geschaffen. Kostengünstiger, einfacher Wohnraum bedeutet, dass er mit hohem architektonischen Anspruch hinsichtlich Konzeption und Ausführung entworfen wird, keine qualitativen Einschränkungen in räumlicher, sozialer oder gestalterischer Hinsicht. Dies ist ein wesentliches Ergebnis der Ideenwerkstatt.

Gute, nachhaltige Wohnqualität ist also nicht zwangsläufig eine Frage des Geldes. Bauliche Strukturen, die offen für Veränderungen sind, Veränderung sogar als Chance begreifen, sind gerade deswegen sehr stabile und damit nachhaltige Strukturen. Sie reagieren flexibel auf sich ändernde Rahmenbedingungen wie Bewohnerdichte, Veränderung der Familien- oder Arbeitsstruktur und ermöglichen sukzessive Ausbaustandards und alternative Nachnutzungen.

Die Beiträge, die das Gebäude zusammen mit dem Außenbereich gedacht haben, zeigen, wie ein nachhaltiges und werthaltiges Miteinander von Innen- und Außenraum aussehen kann. Kollektive Wohnmodelle und alternative Arbeitsmodelle, die als Stadtbaustein gut in den jeweiligen räumlichen Kontext und in die Stadtgesellschaft eingebunden sind, ermöglichen vielfältige Formen des Zusammenlebens und fördern darüber hinaus erfolgreiche Integration.

Die konkrete Umsetzung

Auf einem oder besser mehreren Arealen sollen Wohnungen auf Grundlage der im ersten Schritt gewonnenen Konzepte und unter Beteiligung ihrer Urheber realisiert werden. Der zweite Schritt beginnt mit einem „Projektimpuls“. Dort werden alle bei der Ideenwerkstatt eingereichten Arbeiten der Öffentlichkeit präsentiert und die Entwurfsverfasser erhalten die Chance, ihre Konzepte direkt mit Projektentwicklern, Grundstückseigentümern und Verantwortlichen der öffentlichen Hand zu diskutieren. Namhafte Experten sollen dabei helfen, die vorgestellten Beiträge hinsichtlich ihrer Innovationstiefe und Realisierbarkeit einzuordnen. Experten und Besucher können gemeinsam mit den Teilnehmern der Ideenwerkstatt an thematischen „Marktständen“ Lösungsansätze für die Umsetzbarkeit der Konzepte erarbeiten.

Die Beiträge einschließlich der zugehörigen Videostatements sind abrufbar unter www.wohnraum-fuer-alle.de


Wohnraum für alle!

Die Initiative „Wohnraum für Alle!“ hatte im November 2015 im Rahmen einer Ideenwerkstatt dazu eingeladen, Konzepte für gut gestalteten, schnell zu realisierenden, bezahlbaren und die Integration fördernden Wohnungsbau einzusenden. Ursprünglich ging sie von Einzelpersonen und Büros aus dem Planungs- und Architekturbereich aus, die ihren Beitrag zur Bewältigung der Flüchtlingssituation leisten wollen. Seitdem hat „Wohnraum für Alle!“ Zuspruch von vielen Seiten erfahren, im Dezember 2015 hat der Deutsche Werkbund Bayern e.V. die Trägerschaft übernommen.

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