LONDON: UNGENUTZTE WÄRME AUS U-BAHN-TUNNEL ZUR ERWÄRMUNG HUNDERTER GEBÄUDE VERWENDET

Jedem, der mal U-Bahn gefahren ist, ist wahrscheinlich schon einmal aufgefallen, dass es in Tunneln von U-Bahnen häufig unerträglich warm ist. Aber darüber nachgedacht, dass diese übermäßige Hitze eigentlich eine ungenutzte Wärmequelle ist, haben wahrscheinlich die wenigsten.

Ein Gemeinschaftsprojekt in London ist nun auf diesen einfachen, aber doch unglaublich nützlichen Gedanken gekommen und hat eine Lösung entwickelt, wie man diese ungenutzte Wärme sinnvoll verwenden kann: Ab diesem Winter wird die Abwärme einer U-Bahn-Linie genutzt, um über 1000 Wohnungen Londons mit Wärme zu versorgen. Dafür wird die warme Luft der Northern Line abgeleitet, um die Fernwärme des Londoner Bezirks Islington zu unterstützen.

Was Fernwärme bedeutet? Es ist die Versorgung einer Gebäudegruppe mit Wärme und Warmwasser aus einer zentralen Quelle. In diesem Fall ist die Quelle ein Lüftungsschacht der stillgelegten U-Bahn-Station City Road: Ein vertikaler Durchgang, der zur Wärmeabfuhr genutzt wird. Somit können bis Ende des Jahres Büros, Freizeitzentren sowie 1 350 Wohnungen mit Wärme versorgt werden.

Ziel des Projekts ist es, London energieautarker zu machen, die CO2-Emissionen (sogar stärker als bei herkömmlichen Fernwärmeanlagen!) sowie Heizkosten der Anwohner zu reduzieren. Ein Nebeneffekt: Metro-Passagiere können sich über kühlere Tunnel während ihrer Fahrten freuen. Entstanden ist das Projekt während der Suche nach alternativen erneuerbaren Wärmequellen aufgrund der Klimakrise und des daraus resultierenden Verbots von Gaskesseln für Neubauten ab 2025.

Herausgekommen ist das Gemeinschaftsprojekt „Bunhill 2“ – es ist das erste seiner Art in Europa. Es ist eine Kooperation des Islington Council, Transport of London sowie des Ingenieursbüros Ramboll.

Wie genau das Wärmenetz funktioniert? Das Büro Ramboll hat eine Wärmepumpe entwickelt, welche die überschüssige Wärme aus dem Lüftungsschacht speichert, bevor sie auf etwa 70 Grad Celsius erwärmt wird. Dann wiederum wird diese Wärme in das Wärmenetz von Islington übertragen, um die Gebäude mit warmem Wasser sowie Wärme zu versorgen. Das schon bestehende Wärmenetz wird ausgeweitet, sodass deutlich mehr Immobilien von der Wärme profitieren können. Eine Besonderheit ist auch, dass das System im Sommer umfunktioniert werden kann, sodass kühle Luft in den Tunnel geleitet werden kann.

Es ist in Anbetracht der Zahlen ein sehr effizientes System: In London geht so viel Wärme verloren, dass man 38 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt damit abdecken könnte. Durch den Ausbau der erwähnten Fernwärmenetze wie Bunhill 2 könnte man einen Anstieg von 63 Prozent bis 2050 erzielen.

Bunhill 2 soll Ende des Jahres an den Start gehen: Es ist die zweite Phase des Bunhill Heat und Power Plans des Islington Council. 2013 wurde das Projekt begonnen, wobei schon damals rund 700 Wohnungen durch Fernwärme erwärmt werden konnten. Im Moment leitet das Netz die im Kraftwerk Bunhill Energy Center erzeugte Wärme in kommunale Wohnungen, Schulen sowie ein Freizeitzentrum. Ab diesem Winter dann soll die Wärme auf weitere Gemeinschaftsgebäude sowie 450 weitere Wohnungen ausgeweitet werden. Die Kooperation hofft, dass mit dem zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energiequellen große Wärmepumpen in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Erwärmung von Städten im Vereinigten Königreich spielen wird.

__________________

Fotos © Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.