BRANDEVOORT: BALD DIE SMARTESTE NACHBARSCHAFT DER WELT

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Die Stadtlandschaft befindet sich weltweit in einem stetigen Wandel. Bis 2050 werden schätzungsweise 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben – dies erfordert neue Lösungen für vielfältige Herausforderungen, wie soziale Isolation, Klimawandel und Wohnungsknappheit. Allen voran soll die Lebensqualität der Stadtbewohner verbessert werden.

Nachhaltige, energieneutrale, zirkuläre Nachbarschaft

UNSense ist ein Unternehmen, das genau solche Lösungen liefert. Im sogenannten Brainport Smart District in Helmond erschafft das Tochterunternehmen von UNStudios künftig eine adaptive Nachbarschaft von 100 Häusern. Was adaptiv bedeutet? Anhand neuester Technologien und wissenschaftlicher Erkenntnisse ein nachhaltiges, energieneutrales, zirkuläres und vor allem soziales Viertel zu entwickeln. Dabei sollen insbesondere die Bewohner des neuen Distrikts eine wichtige und aktive Rolle bei der Gestaltung sowie Weiterentwicklung des eigenen Viertels spielen.

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Im Fokus der neuen Nachbarschaft stehen vier besondere Herausforderungen, welche die Gemeinschaft zusammen meistern soll. Dies sind zum einen die Selbstversorgung durch gemeinsame Energieerzeugung und Nahrungsmittelproduktion, zum anderen ein innovatives Wassermanagement. Auch ein gemeinschaftliches Datenmanagement zählt zu den Aufgaben für die Gemeinde. Der vierte Pfeiler ist die Erschaffung eines umfassenden und nachhaltigen Mobilitätssystems. 

Das Projekt von UNSense ist Teil des Masterplans für die Erweiterung des Viertels Brandevoort in Helmond. Dieser umfasst die Entwicklung von 1500 permanenten und 500 temporären Wohnungen sowie zahlreichen Grünanlagen. Auch zwölf Hektar Gewerbegebiet sind vorgesehen, die das Viertel zum „intelligentesten der Welt“ machen sollen.

Städtische Datenplattform für den Austausch der Bewohner

Insgesamt soll das Viertel Lösungen auf Herausforderungen wie den Klimawandel, die schnell voranschreitende Urbanisierung, mangelnde Sicherheit und einen oft fehlenden sozialen Zusammenhalt von Nachbarschaften bereitstellen. Auch eine städtische Datenplattform soll Input dazu liefern. Dort sollen unterschiedliche Dienstleistungen in den Bereichen Wohnen, Energie, Mobilität und Gesundheit abgedeckt werden. Ebenfalls soll die Plattform die Kommunikation der Bewohner fördern – daraus können neue Initiativen und Projekte innerhalb der Gemeinschaft erwachsen. Der Datenschutz ist dabei ein sensibles Thema. Aus diesem Grund wird ein Ethikrat als objektives Beratungsgremium rund um dieses  Themenfeld begründet. Es beaufsichtigt die Umsetzung der Datenplattform und stellt die Einhaltung der Ethikregeln sicher. Dabei haben die Interessen der Bewohner jederzeit höchste Priorität. Insgesamt verfolgt die Plattform das „Prinzip des gleichberechtigten Austauschs“. Das heißt, die Bürger können selbst entscheiden, was sie preisgeben wollen und was nicht.

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Im letzten halben Jahr hat UNSense im Auftrag der Brainport Smart District Foundation eine Machbarkeitsstudie für das „100 Homes Project“ durchgeführt – mit äußerst zufriedenstellenden Ergebnissen. Dabei wurde die finanzielle, technologische und rechtliche Machbarkeit unter die Lupe genommen. Dazu brachte UNSense unterschiedliche, interdisziplinäre Projektpartner zusammen, darunter die Baufirma VolkerWessels sowie einen Immobilienentwickler. UNSense bekam nach den positiven Resultaten der Studie die Genehmigung der Stiftung, die Realisierung des Projekts voranzutreiben. Dazu werden bald das Baukonsortium für den Bau der Häuser und der Ausgestaltung der Infrastruktur gebildet. Das Technologiekonsortium wird die innovative urbane Datenplattform entwickeln, wobei ein drittes Konsortium die beschriebenen Dienstleistungen ins Leben rufen wird.

Intelligente Technologien zur Erleichterung des täglichen Lebens

Konzipiert ist das Projekt als „Reallabor“. Die Umgebung soll sich ständig adaptiv weiterentwickeln und erfassen, welche Entwicklungen sich positiv auf das Wohlbefinden ihrer Bewohner auswirken. Dabei spielt natürlich auch das wirtschaftliche Wohlergehen und eine möglichst ökonomische Ausgestaltung eine Rolle. Man hofft, durch die ständigen Feedbackschleifen bezüglich der Konsumgewohnheit und Bedürfnisse der Bewohner und sich daraus ergebenden Anpassungen zeitliche, energiebezogene sowie finanzielle Einsparungen zu erzielen. Das Projekt soll stetig effizienter, nachhaltiger und erschwinglicher werden. Zeit und Energie sollen vor allem für Aktivitäten verwendet werden, die den Bewohnern nutzen. Im Fokus steht dabei immer auch die Förderung des sozialen Zusammenhalts der Gemeinschaft.

Intelligente Technologien, mit denen man sich sowieso ständig umgibt, sollen auf unauffällige Art und Weise in den Stadtraum integriert werden. Diese helfen, das alltägliche Leben der Bewohner zu erleichtern und die Stadt stärker auf sie abzustimmen. 

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Außerdem sollen diese Technologien die Bedürfnisse der Bewohner überhaupt erst sichtbar machen; diese werden durch die Nutzung des Raums nachvollziehbarer. Man kann somit in einem abgesteckten Raum Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Städte und Nachbarschaften künftig zu gestalten sind, um das Wohlbefinden der Nutzer zu fördern. Diese Erkenntnisse lassen sich dann auf einen größeren Maßstab übertragen, wodurch Städte weltweit von dem „Reallabor“ in Helmond profitieren können.

Das Viertel wird zu einem realen Testgelände für die Entwicklung neuer Systeme, Verfahren und Dienstleistungen. Und zwar auf eine Weise, die unseren Planeten nicht weiter belastet oder verschmutzt. Die Realisierung erfolgt bis 2029 in Brandevoort.

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