STADTLÜCKEN – EIN VEREIN BRINGT FRISCHEN WIND IN DIE STADTENTWICKLUNG

© Stadtlücken e. V.

Mit dem Ziel, das Bewusstsein für öffentlichen Raum und Stadterfahrung zu schärfen, gründete eine Gruppe von jungen Gestalterinnen und Gestaltern den gemeinnützigen Verein Stadtlücken e. V. Die Vereinsmitglieder bündeln Wissen und Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Disziplinen, um ein digital-analoges Netzwerk für die gemeinsame Entwicklung einer lebenswerten Stadt zu fördern. In den vergangenen vier Jahren hat sich der Stuttgarter Verein längst als relevanter Akteur im Stadtgeschehen und über die Stadtgrenzen hinaus etabliert. In dieser Zeit verstetigte sich auch das im Jahr 2016 ins Leben gerufene monatliche offene Diskussionsformat „Einmal im Monat – Wem gehört die Stadt?“ wie auch die digital-analoge „Kartierung“ von Akteuren und Lücken der Stadt, d. h. Flächen ohne zugewiesene Nutzung. Es folgten weitere spannende Projekte wie der „Souvenirshop – Wo ist eigentlich dieser Österreichische Platz?“ im Jahr 2016, die Installation „Stadtstreifen – eine Gehschule für Stuttgart” 2017 sowie seit 2017 „St. Maria als“, das offene Beteiligungskonzept mit Programm zur alternativen Nutzung der größten katholischen Kirche in Stuttgart parallel zum liturgischen Gebrauch.

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Aber was unterscheidet den Verein von anderen Akteuren in der Stadtentwicklung? Stadtlücken e. V. agiert zunächst immer als Fragesteller und nicht als Antwortgeber. Der Verein möchte möglichst viele verschiedene Bürgerinnen und Bürger erreichen und auch weniger interessierte Stuttgarter für die Gestaltung ihrer Stadt begeistern. „Bei allem, was wir machen, wollen wir ein Bewusstsein für den öffentlichen Raum und Stadtgestaltung schärfen.“ So formuliert Sebastian von Stadtlücken e. V. den Leitgedanken hinter den Projekten. Dafür setzt das Team bei ihren Aktionen auf einzigartige Ideen mit Wiedererkennungswert sowie den Bezug zur Stadt. Der Verein arbeitet bewusst mit einer vereinfachten Fachsprache aus Architektur und Stadtentwicklung, um den Bürgerinnen und Bürgern einen niederschwelligen Zugang zu stadtrelevanten Diskussionen zu ermöglichen.

Diese Strategie zeigt sich auch am langfristigen Stadtentwicklungsprojekt „Österreichischer Platz“. „Wo ist eigentlich dieser Österreichische Platz?“ – eine Frage, die sich viele Stuttgarter stellten, denn lediglich eine U-Bahn-Station weist auf seine Identität hin. Der nahezu unbekannte Platz liegt inmitten eines Kreisverkehres und zeichnet sich durch einen spärlich genutzten Parkplatz und ein durchmischtes soziokulturelles Umfeld aus. Beispielhaft für urbane Unorte verwandelte der Verein den Platz innerhalb von etwas mehr als einem Jahr in einen experimentellen Raum für Stadtgestaltung und das Konzept der autofreien Stadt. Den Startschuss bildete der „Österreichischer Platz“- Souvenirshop, mit dem das Kollektiv den Platz unter der Paulinenbrücke aus der Unsichtbarkeit ins Bewusstsein der Bürgerschaft und Lokalpolitik rückte. Eine 80.000 Euro hohe Förderung ermöglichte es dem Verein in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, Bürgerschaft und Wissenschaft vielfältige Nutzungskonzepte auf dem Platz zu realisieren. Bereits mit der Installation des Souvenirshops hinterfragte eine Vielzahl an zivilen und städtischen Akteuren die zukünftige Rolle des Platzes. Nach zwei Jahren Projektzeitraum gab es schließlich konkrete Vorstellungen für die Zukunft des Platzes. Einer langfristigen Entwicklung des Areals hin zu einem kooperativen Stadtraum steht dank der Förderbewilligung des Stuttgarter Gemeinderates in Höhe von 1,6 Mio. Euro und dem rechtskräftigen Beschluss für den Doppelhaushalt 2020/21 nichts mehr im Wege. Für die Realisierung des Projekts arbeitet der Verein zurzeit an der Gründung einer Trägerschaft. „Der Österreichische Platz soll ein Ort kulturellen Austauschs für jedermann sein: ohne Konsumzwang, jederzeit öffentlich zugänglich, einem gemeinnützigen Zweck dienend und frei von Diskriminierung aller Art.“

© Stadtlücken e. V.

Neben der Umwandlung des Österreichischen Platzes plant Stadtlücken e. V. weitere spannende Projekte für die Zukunft. Dazu zählt ihre Ausstellung in der Stuttgarter architekturgalerie am weißenhof, in dessen Rahmen der Verein das Amt für öffentlichen Raum gründen möchte. Ein weiteres großes Projekt thematisiert die Beziehung zwischen Stuttgart und seinem Fluss, die im Vergleich zu vielen anderen Städten eher stiefmütterlich behandelt wird. Den Einstieg in die Entdeckung des Flusses als Stadtraum bildet die bisher noch nicht öffentlich zugängliche Stadtlücke Neckarinsel. Damit verfolgt Stadtlücken e. V. das Ziel, den Neckar in einen erlebbaren Stadtraum zu verwandeln.

Mit ihren innovativen Projekten zeigt Stadtlücken e. V. wie zukunftsfähige Stadtentwicklung mit den Bürgerinnen und Bürgern aussehen kann.

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