MUNCH-MUSEUM: OSLOS NEUE LANDMARKE

© Tove Lauluten

Die Osloer Skyline wurde 2020 um ein neues Monument bereichert: Das vertikale Munch-Museum thront heute, nach fünf Jahren Bauzeit, in der norwegischen Hauptstadt und ist mit seiner gewundenen Fassade ein echter Blickfang. Das Design des Museums stammt aus der Feder von dem global agierenden Architekturbüro estudioHerreros, das in einem internationalen Wettbewerb überzeugen konnte. Insgesamt ist das Museum im neuen Stadtteil Bjørvika ein echtes Vorzeigeprojekt: Es ist in Kooperation mit einem Expertenteam einer breiten Palette an Disziplinen entstanden – über 100 technische Beratende, MuseumsexpertInnen und DesignerInnen waren daran beteiligt, das Museum zu dem zu machen, was es heute ist.

© Adria Goula

Die Fassade des Gebäudes besteht aus perforiertem, recyceltem Aluminium mit unterschiedlichen Graden an Transparenz – dadurch werden mal mehr, mal weniger Einblicke von außen ins innere Treiben ermöglicht und eine gewisse Rätselhaftigkeit hervorruft. Es verleiht dem extravaganten Bau ein sehr variierendes Erscheinungsbild, das durch kleinste Veränderungen der Wetterverhältnisse im nächsten Moment völlig anders wirken kann.

Kunst im öffentlichen Raum verankern

Insgesamt ist das Museum zum einen eine wichtige Institution zur Bewahrung und Präsentation des kulturellen Erbes des Landes. Zum anderen war es für die InitiatorInnen eine einmalige Chance, ein zeitgenössisches Museum zu schaffen, das außerdem eine übergreifende städtebauliche Funktion sowie historische Verantwortung übernimmt. Dem Museum schwebt die Vision vor, Kunst auch außerhalb der Einrichtung im öffentlichen urbanen Raum zu verankern. Es soll als Kondensator sozialer Begegnungen fungieren und den öffentlichen Raum in Bjørvika so erweitern, dass er alle willkommen heißt. Die InitiatorInnen möchten das Museum darüber hinaus zu einer Einrichtung machen, die im alltäglichen Leben der Bevölkerung integriert ist und so einen niederschwelligen Zugang zu dem Museum ermöglichen. In diesem Zusammenhang legten sie besonderen Wert darauf, ansprechende Alltagsaktivitäten wie Konzerte, Vorträge und (Kinder)Workshops als ergänzende öffentliche Funktionen zu etablieren, um das Museum zu einem integrativen Bestandteil von Bjørvika zu machen.

Museum punktet mit Modernität und Vielfalt

Im Museum angekommen, können Kunstbegeisterte auf einem in die Höhe steigenden Rundgang auf riesigen Ausstellungsflächen Werke des bedeutsamen Malers Edvard Munch bestaunen. Der Rundgang verbindet die Lobby, in der sich Erholungs-, Einkaufs- und kulturelle Angebote befinden, mit Terrassen sowie den Ausstellungsräumen. Darüber hinaus gibt es ein unsichtbares Kreislaufsystem, das ein freies Bewegen der Mitarbeitenden abseits der öffentlichen Bereiche ermöglicht. Auf diese Weise können sie im Verborgenen die Exponate Instand halten, an einen anderen Standort bringen oder Austauschen.

© Ivar Kvaal

Die Hauptabschnitte befinden sich in den höher gelegenen Räumen des Baus. Die Galerien verfügen über eine sehr moderne technische Ausstattung, die in Kooperation mit Expertinnen entwickelt wurden. Das Ergebnis ist eine überaus vielfältige Sammlung, innerhalb derer Munchs Erbe klar die Hauptrolle übernimmt. Über die beeindruckenden Werke hinaus bietet auch die architektonische Gestaltung ein besonderes Raumerlebnis. Die Ausstellungsflächen umfassen bis zu 1.100 m2 und lassen sich flexibel in unterschiedliche Abschnitte unterteilen.

Ein besonderes Highlight des Museums ist, dass Einrichtungen zur Restauration und Konservierung der Werke für die Öffentlichkeit sichtbar sind. So können die BesucherInnen Einblicke in alle Schritte der Arbeit innerhalb eines Museums erhalten, ohne deren Arbeitsabläufe zu stören. Außerdem machen diese Einblicke deutlich, wie viel Aufwand für eine Ausstellung betrieben werden muss und wie vorsichtig die Kunstwerke behandelt werden müssen. Den krönenden Abschluss des Gebäudes bildet ein spektakulärer Aussichtspunkt über der Stadt. Im obersten Stockwerk befindet sich außerdem ein Restaurant.

Nachhaltigkeit spielt wichtige Rolle

Besonders ist auch die Gestaltung des Museums in Sachen Nachhaltigkeit. Die für das Projekt gesetzten Umweltziele entsprechen den Energieanforderungen auf dem Niveau eines Passivhauses – es stößt gerade einmal die Hälfte der Treibhausgasemissionen aus, die ein konventionelles Gebäude ausstoßen würde. Ursächlich dafür ist die Verwendung von kohlenstoffarmem Beton, recycelten Materialien sowie passive Lüftungs- und Kühltechniken.

2020 wurde das Museum fertiggestellt. Das Ergebnis ist ein dynamisches Kunstzentrum als eines der Schlüsselelemente in der urbanen Transformation Oslos zur sogenannten Fjordstadt. Ebenso ist es ein Vorzeigeprojekt in Bezug auf die Erfüllung angestrebter Klimaziele.

© Guttorm Stilen Johansen

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