SHENZHEN: URBAN FARMING AUF 51 STOCKWERKEN

© CRA-Carlo Ratti Associati

Es ist eine weltweite Neuheit: CRA schaffen mit dem Jian Mu Tower einen Farmscraper, den es in dieser Form noch nirgendwo sonst gibt. Das Hochhaus beherbergt unter anderem Büros, einen Supermarkt sowie einen Food Court – seine Einzigartigkeit erlangt es aber erst durch den Lebensmittelanbau im Inneren und Äußeren des Gebäudes. Die komplette Fassade – die einer Fläche von 10.000 m² entspricht – wird künftig von zahlreichen Nutzpflanzen bedeckt sein. Dabei kommt die Methode der Hydroponik zum Einsatz. Das Ergebnis sind etwa 270.000 kg Lebensmittel pro Jahr sowie eine autarke Lebensmittelversorgungskette: Anbau, Ernte, Verkauf und Verzehr – all das findet unter einem Dach statt. Dabei erhalten auch die Mietenden selbst die Möglichkeit, ihr eigenes Gemüse und Obst anzubauen. Das Ziel von CRA ist es insgesamt, natürliche und landwirtschaftliche Systeme in urbane Strukturen zu integrieren.

Letztes Puzzlestück der Skyline

Diese neue Art von Wolkenkratzer verbindet Naturgegebenes mit Artifiziellem und fördert nicht nur die lokale Lebensmittelproduktion, sondern sorgt darüber hinaus für eine angenehme und gesunde Atmosphäre in Shenzhens Central Business District. Ein weiterer Vorteil der Begrünung ist auch die reduzierte Sonneneinstrahlung im Inneren, sodass der Betrieb von Klimaanlagen teils entbehrlich wird. Zur nachhaltigen Strategie des Designs gehört auch eine speziell entwickelte App, mit der die Mitarbeitenden in den Büros die mikroklimatischen Bedingungen individuell beeinflussen können.

© CRA-Carlo Ratti Associati

Das grüne Design ist aber nicht die einzige Besonderheit des Jian Mu Tower: Er fügt sich zudem als finales Puzzlestück in die Skyline des Central Business District von Shenzhen ein und besetzt das dort letzte verfügbare Grundstück. Neben dem Lebensmittelanbau bietet der Turm viele weitere Annehmlichkeiten. Die Terrassen an den Außenseiten des Gebäudes sind mit Seerosen, Farnen und Litschis bepflanzt. Auf diese Weise können die reichlichen Regenfälle in Shenzhen möglichst effizient genutzt werden. Auch im Inneren des Gebäudes wird es Grün: Die Gärten dort sorgen für Entspannung und Begegnungsorte. Die Nutzenden bekommen hier das Gefühl, mitten im umtriebigen Shenzhen in eine natürliche Umgebung eintauchen zu können.

Jian-Mu-Baum als Inspiration für Gebäudeform

© CRA-Carlo Ratti Associati

Der Ursprung des Projektnamens liegt im mythischen Symbol des „Jian-Mu-Baums“, der in alten chinesischen Erzählungen Himmel und Erde verbindet. Dabei ist in diesen traditionellen Erzählungen der Himmel rund und die Erde quadratisch. Darauf basierend spiegelt der Wolkenkratzer diese Vorstellung wider: Mit seiner rechteckigen Basis, die sich nach und nach in einer röhrenförmigen Gestalt nach oben verjüngt.

Entstanden ist das Gebäude von CRA in Kooperation mit dem italienischen Unternehmen ZERO, das seinen Fokus auf innovative Ansätze in der Landwirtschaft legt. Diese Zusammenarbeit führte zu einer optimierten Gestaltung des Designs, um den Anbau aller Produkte von Salat über Kräuter bis hin zu Obst ermöglichen – und zwar auf nachhaltige und effiziente Weise. Um alle Belange rund um die Pflege und Bewässerung der Pflanzen kümmert sich ein sogenannter virtueller Agronom.

„Urban Farming in kleinem Maßstab findet in Städten auf der ganzen Welt statt – von Paris über New York bis Singapur. Dieser Ansatz hat das Potenzial, eine wichtige Rolle bei der Gestaltung zukünftiger Städte zu spielen, da er eine der dringendsten architektonischen Herausforderungen unserer Zeit angeht: Wie kann man die natürliche Welt in das Gebäudedesign integrieren?“

– Carlo Ratti, Gründungspartner von CRA

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