Shelter

Bildschirmfoto 2016-04-11 um 17.06.44Wer könnte sich den andauernden Bildern aus Syrien, Griechenland, der Türkei und all den Grenzen entziehen. Auch wenn sich über all die vielen vergangenen Monate eine eigentümliche Normalität gelegt hat, so hinterlässt doch immer noch jeder Bericht über verregnete Zeltstädte, jede Reportage über die ausweglose Situation von Familien eine unmittelbare Betroffenheit. Flüchtling ist ein Sammelbegriff, unter dem wir die gesamte Breite
einer Gesellschaft zusammenfassen, die sich vormals in ihrer Bürgerlichkeit und Alltäglichkeit rein äußerlich kaum von unserer
unterschieden hat.

Wenn es neben dem Schicksal der Millionen noch etwas Erschreckendes geben kann, dann ist es wohl die irritierende Erkenntnis, wie unglaublich schnell eine Gesellschaft die Grundlagen ihres Zusammenlebens verlieren kann und ganze Städte in Schutt und Asche versinken. Staat, Recht, Ordnung, Sicherheit, Unversehrtheit etc. – nichts kann man noch erkennen, was dem Wahnsinn des gesellschaftlichen Zerfalls getrotzt hätte.

Und was machen wir in Europa? Mit uns selbst beschäftigt, überfordert, schwerfällig, alles durch die Mühle von 28 Mitgliedsstaaten kämpfend sind wir dennoch sehnsuchtsvolles Ziel von Millionen. Aber warum?

Vielleicht, weil Europa immer wieder um Gemeinsamkeit ringt, weil Freiheit den Rahmen des sozialen Zusammenlebens bestimmt und das Recht jedes Einzelnen die verlässliche Ordnung der Gesellschaft ist. Vielleicht, weil in Europa die Würde jedes Menschen unantastbar ist und damit ein Wert existiert, der uns im Alltag in seiner  unermesslichen Bedeutung leider kaum noch gegenwärtig ist. Und vielleicht, weil Europa aufgrund all dieser Qualitäten die Hoffnung auf ein erfülltes Leben zu bieten scheint.

Entsprächen unsere Wertvorstellungen der gelebten Wirklichkeit, gäbe es genügend Gründe, stolz zu sein auf Europa, dann gäbe es genügend Gründe, ein Obdach zu geben, das nicht nur Dach und Brot meint, sondern viel mehr ein Zuhause, das vielleicht irgendwann einmal Heimat wird. Dann gibt es diese Gründe nicht nur für Flüchtlinge, sondern für uns alle, Heimat als ein ausgewogenes Miteinander in unseren Städten zu verstehen.

Well, I’m livin’ in a foreign country
but I’m bound to cross the line

Beauty walks a razor’s edge,
someday I’ll make it mine

If I could only turn back the clock
to when God and her were born

Come in,‘ she said,
‚I’ll give you shelter from the storm.‘“

Bob Dylan

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