ES LEBE DER BRUTALISMUS

Vielen Menschen sind die klobigen und etwas schwerfälligen brutalistischen Gebäude, wie man sie zum Beispiel im Ruhrgebiet zuhauf findet, ein Dorn im Auge. Mit dem Projekt „Big Beautiful Buildings“, kurz BBB, wurde der sogenannten Architektur des Aufbrauchs eine Imagekampagne verordnet. In anderen europäischen Ländern scheint dies allerdings gar nicht nötig zu sein. In Portugal bauten die Valdemar Coutinho Arquitectos in diesem Jahr ein brutalistisches Sportzentrum, den Atlantic Pavilion.

Wie Lautsprecher wirken die Betonfassaden, die durch mittig gesetzte Glasfenster Tageslicht in die Empfangshalle fallen lassen. Der Brutalismus steht für die moderne und demokratische Gesellschaft. Die Transparenz als Leitmotiv demokratischer Gesellschaften spiegelt sich im Sichtbeton, der rohen Fassade der brutalistischen Architektur, wieder. Dynamisch, aber vor allem auch menschenfreundlich sollte der Entwurf der Valdemar Coutinho Arquitectos werden. Die Baufläche nimmt fast den gesamten Raum des Grundstückes ein. Tief eingelassene Sichtfenster schützen die Sporthalle vor direkter Sonneneinstrahlung, sorgen aber zugleich für ausreichend natürliches Licht. Die brutalistische Architektur der neuen Sporthalle und ihre Funktion gehen Hand in Hand: Viel Licht und ein unaufgeregtes Äußeres repräsentieren Offenheit, laden ein und wirken inklusiv.

Der Neubau, der zudem auch noch kostengünstig war, zeigt, dass der Brutalismus noch lange nicht tot ist. Projekte wie BBB und Neubauten wie der Atlantic Pavilion legen gar die Vermutung nahe, dass der Brutalismus eine Renaissance erlebt. Vielleicht ist diese ehrliche Baukunst besonders heute, in einer Zeit der gesellschaftlichen Verunsicherung und des Misstrauens gegenüber Institutionen und Personen, wichtiger denn je. Dass der Brutalismus dabei manchmal ein bisschen unangenehm und irritierend daherkommt, hat er möglicherweise mit der Demokratie gemein. Vielleicht kann er uns daran erinnern, dass wir das einfach aushalten müssen.

 

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Bilder © Joao Morgado

 

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