ROTTERDAM KÖNNTE UM KULTURQUARTIER BEREICHERT WERDEN 

Das Atelier van Lieshout (AVL) ist bekannt für provokante Kunst und Stadtprojekte. Gründer des Projekts ist der Künstler Joep van Lieshout, der in der Vergangenheit das Hafenareal M4H im Westen von Rotterdam erworben hat. Auf diesem Gelände hatte das AVL 2001 einen experimentellen Raum erschaffen. Mit eigener Flagge, Währung und ohne Verkehrsregeln hatte van Lieshout ein Zeichen gegen die damals vorherrschende Kriminalität und Prostitution in diesem Stadtgebiet gesetzt.

Diese anarchisch-sozialistische Utopie hielt sich ein Jahr lang, bis sie durch die Stadtbehörden durch Schließung wieder abgeschafft wurde. Als Antwort darauf folgten van Lieshouts dystopisch gekennzeichneten Projekte, wie die Ausstellung „Stadt der Sklaven“ im Essener Folkwang Museum. 

Das geplante neue Projekt von dem Rotterdamer Künstler dreht sich wieder um sein eigenes Grundstück, auf dem er wohl einen Kompromiss zwischen den eigenen Vorstellungen und der bestehenden Stadt finden will: Er plant das Kulturquartier „Brutus“ auf dem westlichen Hafenareal. Dazu ist die architektonische Umgestaltung des gesamten AVL-Areals geplant. Kostenpunkt: 150 Millionen Euro. Noch ist Joep van Lieshout auf Investorensuche, zeigt sich aber zuversichtlich, innerhalb der nächsten fünf Jahre passende Investoren zu finden. Da er einer der bekanntesten Künstler der Stadt ist, scheint diese Vorstellung nicht allzu unrealistisch. 

Es sind bislang kaum Modelle oder Zeichnungen veröffentlicht geworden, aber geplant sind wohl mehrere Turmbauten um die bestehende Atelier- und Ausstellungshalle auf dem Areal herum geplant. Darin soll sich eine fast klassische Mischnutzung befinden, wie man sie seit einigen Jahren immer mehr aus der modernen Stadt kennt: Wohnungen, Gastronomieangebote, Einzelhandel sowie Arbeitsräume kennzeichnen die Pläne. 

Neben einem Skulpturendeck und -garten soll sich eine Art künstlerisches Labyrinth auf dem Gelände befinden: Dabei kann man sich durch verschiedene Brücken, geheime Gänge, Rutschen und Leitern schlängeln, die viel Raum zum Entdecken bieten.

Über eine Fußgängerbrücke soll der Ort mit der Innenstadt verbunden sein. Offiziell hat die Stadt dem Projekt zwar Unterstützung zugesichert, verfolgt im Grunde aber auch eigene Vorstellungen in Bezug auf das Areal. Im Juni veröffentlichte sie Pläne für das Hafenareal M4H als sogenannten neuen „Maker District“, in dem sich die Ideen des AVL aber nicht widerspiegeln. 

Es bleibt jedenfalls spannend, zu verfolgen, was zukünftig aus dem Projekt wird und der Frage nachzugehen, ob ein Künstlerkollektiv es schafft, ernsthafte Veränderungen in der Stadtentwicklung durch- und umzusetzen. 

_________________________________

Foto © Niels Kehl /Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.