DAS BÜRO ALS KRAFTWERK: FORM FOLLOWS ENVIRONMENT

Laut dem World Resources Institute erzeugen Energie- und Bausektor insgesamt über 40% der weltweiten industriellen Emissionen. Als nördlichstes energiepositives Gebäude der Welt könnte das Powerhouse Brattørkaia daher neue Standards für sowohl verantwortungsbewussten und qualitativ hochwertigen als auch nachhaltigen Bau setzten. Ein Gebäude, das mehr Energie produziert, als es einschließlich Erbauung und Abbruch in einer geschätzten Bestandsdauer von 60 Jahren verbrauchen kann, soll richtungsweisende Impulse zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks der Bauindustrie geben.

Das Powerhouse Brattørkaia befindet sich in Trondheim, Norwegen, 63° nördlich des Erdäquators, wo das Sonnenlicht je nach Jahreszeit stark variiert. Dennoch produziert der Gebäudekomplex durchschnittlich mehr als doppelt so viel Strom wie er täglich verbraucht. Darüber hinaus kann überschüssige Energie für die weniger produktionsstarken Perioden des Jahres gespeichert und sogar Nachbargebäude, Elektrobusse, Autos und Boote durch das lokale Mikronetz mit versorgt werden.

„Energieeffiziente Gebäude sind die Gebäude der Zukunft. Das Mantra der Designindustrie sollte nicht „form follows function“ sein, sondern „form follows environment“. Das bedeutet, dass sich das heutige Designdenken auf Umweltaspekte und die Reduzierung unseres Fußabdrucks konzentrieren sollte und dass das Design dieser Prämisse folgt“, sagt Snøhetta-Gründer Kjetil Trædal Thorsen.

Dieses Konzept soll durch das Projekt Powerhouse realisiert werden. Planung und Bau führte ein Zusammenschluss verschiedener Firmen durch, zu dem neben Snøhetta, Skanska und Asplan Viak auch die auf nachhaltige Immobilien spezialisierte Firma Entra und die ZERO Emission Resource Organization gehören. Das Team hat bereits einige Powerhouses geplant und gebaut, die während ihrer Lebensdauer – einschließlich Bauzeit, Materialproduktion und Abriss – mehr  Energie produzieren als verbrauchen sollen, darunter das Powerhouse-Hotel Svart.

POWERHOUSE BRATTØRKAIA

Das 18.000 m2 große Bürogebäude Brattørkaia liegt am Hafen und ist über eine Fußgängerbrücke mit dem Hauptbahnhof Trondheim verbunden. Brattørkaia bietet Büroräume für Gewerbe, darunter Bau- und Schifffahrtunternehmern, ein Café und ein Besucherzentrum. Die Uferpromenade ist die schmalste Fläche des Gebäudes, sodass das Projekt in ähnlichem Umfang wie seine Nachbarn gelesen werden kann. Die mit schwarzem Aluminium und Solarmodulen verkleideten Fassaden spiegeln sich im angrenzenden Trondheimfjord wider.

Von der Hafenfront aus gesehen, kippen die Seiten der Gebäudefassade nach innen und sollen den Eindruck erzeugen, dass das Gebäude vor Energie strotze. Das geneigte Dach zeigt in der Mitte seines Grundrisses einen Ausschnitt, der Tageslicht in die Büroräume fließen lässt. In diesem beleuchteten Kern befindet sich ein Atrium, das als öffentlicher Garten mit horizontalen Glasfenstern an den Seiten fungiert und das Oberlicht in die darunter liegende Kantine bringt. Dieser schräge Lichtschacht lässt Tageslicht in jedes Stockwerk eindringen und bietet den Arbeitern im Inneren einen großartigen Blick auf die Stadt.

SAUBERE ENERGIE PRODUZIEREN – ENERGIEVERBRAUCH OPTIMIEREN

Das Ziel des Projekts ist es, die Menge an sauberer Energie, die das Gebäude produziert, zu maximieren, den Energiebedarf für den Betrieb zu minimieren und als angenehmer Raum für seine Mieter und die Öffentlichkeit zu dienen. Der Standort des Baus wurde sorgfältig ausgewählt, um eine maximale Sonneneinstrahlung über den Tag und die Jahreszeiten hinweg zu gewährleisten. Das schräge, fünfeckige Dach und der obere Teil der Fassade sind mit fast 3.000 m2 Solarmodulen verkleidet, die strategisch günstig platziert sind, um möglichst viel Sonnenenergie zu gewinnen. Über ein Jahr gesehen sind das insgesamt rund 500 000 kWh mit sauberer, erneuerbarer Energie. Das Gebäude fungiert damit als kleines Kraftwerk mitten in der Stadt. In die Gebäudehülle ist viel Platz für die Energiespeicherung eingebaut, so dass sie in den Sommermonaten mit nahezu vollständigem Tageslicht überschüssige Energie speichern und in den Wintermonaten mit minimalem Tageslicht nutzen kann.

Simultan wird der Energieverbrauch im täglichen Betrieb des Gebäudes stark reduziert. Dies wird durch die hochwertige Isolierung des Gebäudes, die Installation intelligenter Lösungen für den Luftstrom zur Reduzierung des Heizbedarfs, Wärmerückgewinnungslösungen für die Belüftung von Luft und Grauwasser (Abwasser aus allen Quellen außer Toiletten), die Verwendung von Meerwasser zum Heizen und Kühlen und die Implementierung ausschließlich energieeffizienter Elektrogeräte gewährleistet. Die Tageslichtbedingungen werden im gesamten Gebäude optimiert und die Nutzung von Kunstlicht auf ein Minimum reduziert.

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© 1-5 Ivar Kvaal; 6 Synlig.no

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