AALEN: LEBENDIGES QUARTIER AM STADTOVAL

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„Eine Stadt ist niemals fertig.“ Diesen Satz bemüht Aalens OB Thilo Rentschler in Anbetracht der raschen Veränderungen in Aalen gerne. Das größte aktuelle Projekt, dessen Neugestaltung mit dem Abbruch der bestehenden Industriebebauung im Februar 2014 startete, wird gerade einmal acht Jahre später fast komplett bebaut sein. Ursprünglich waren die Stadtplaner von einer doppelt so langen Zeitspanne für die Aufsiedelung des Stadtovals ausgegangen.

Auf jenem Stadtoval entsteht ein innerstädtisches Quartier mit Atmosphäre – wobei das Naturerlebnis nicht zu kurz kommt. Die „Drehscheibe Grüne Mitte“, in Anlehnung an die Verteileinrichtung im ehemaligen Bahnausbesserungswerk an gleicher Stelle, wird über den von Architekt Prof. Dr. Werner Sobek geplanten Fußgängersteg vom Hauptbahnhof Aalen aus erreichbar gemacht. Mit dem neuen Quartier, in das Aalen über 40 Millionen Euro investiert, gewinnt die Stadt rund 250 dringend benötigte Wohnungen und über 500 neue Einwohner.

Das Herzstück der städtischen Investitionen neben der Erschließung und den Platzgestaltungen an den Übergängen zu den bestehenden Wohngebieten Rötenberg, Hirschbach und Galgenberg bildet der „Kulturbahnhof“ im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Bahnbetriebswerks. Dort finden ab Mitte 2020 das städtische Theater, Musik- und Ballettschule, Orchester, ein genossenschaftliches Kino abgerundet durch einen Veranstaltungssaal für bis zu 300 Gästen ihre Heimstatt. Kulturell gesehen wird in Aalen mit der Fertigstellung des „Kulturbahnhofs“ eine neue Zeitrechnung beginnen: der Bau wird identitätsstiftend sein und auf dem wachsenden Kongress- und Tagungsmarkt Impulse setzen.

In Verbindung mit dem nebenan entstehenden Hotel mit 120 Zimmern werden beste Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Festivals, Konzerte, Kunstausstellungen und Tagungen im neuen Wohnviertel bestens verortet sind. Neben dem „Kulturbahnhof“ wird die Verwaltung des DRK-Kreisverbands inklusive sechsgruppiger Kindertagesstätte einziehen – ein starkes Zeichen für eine ausgewogene Mischung bei der Nutzung des Areals. Diese setzt sich am anderen Ende des Areals mit dem Lokschuppen fort: Von privater Seite wurden bereits vor Baubeginn auf dem Stadtoval dort sechs Lofts geschaffen. In einem davon ist ein italienisches Restaurant ansässig.

Bislang wurde die Entwicklung der innerstädtischen Konversionsfläche mit rund 4,7 Millionen Euro aus Bundes- und Landesfinanzhilfen gefördert. Der Stadtraum östlich der Bahnlinien des Bahnknotenpunkts Aalen erfährt durch das Stadtoval und nicht zuletzt durch die neuen Wegebeziehungen von und zum Stadtoval eine wesentliche Aufwertung – so entstehen Synergieeffekte für die Gesamtstadt durch die Aufsiedelung des Stadtovals. Der Erhalt und die Umnutzung prägender Bestandsbauten aus der 1861 in Aalen beginnenden Eisenbahngeschichte wie dem Bahnbetriebswerk („Kulturbahnhof“) und dem Lokschuppen konnte so gestemmt werden.

Die Themen Wohnen, Kultur, Freizeit und Arbeiten werden auf dem Stadtoval miteinander verbunden. Städtebaulich ist das neue Quartier dreigeteilt. An die bestehende Wohnbebauung der ehemaligen Eisenbahnersiedlung schließen sich die auf mehrere Baufelder verteilte und durch eine Erschließungsstraße getrennte Wohneinheiten an. Die „Drehscheibe Grüne Mitte“ als zentraler Begegnungsort begrenzt den dritten Bereich, der sich aus „Kulturbahnhof“, Hotel und späterer Bebauung am Lokschuppen zusammensetzt.

Das Aufsiedeln des Stadtovals wird der Auftakt weiterer Projekte im Umfeld sein: Die auf dem Areal in der Nähe des Lokschuppens befindliche Loktankstelle soll verschwinden, eine Bebauung des Gaskessel-Areals wenige Dutzend Meter entfernt ist vorgesehen, der Abbruch und die Überplanung des in die Jahre gekommenen Hallenbads steht auf dem Plan. Im Hirschbach soll für rund 35 Millionen Euro ein neues Kombibad in den kommenden Jahren entstehen. Im benachbarten Wohnquartier Rötenberg, in dem gerade 70 Wohneinheiten gebaut werden, sind erhebliche Umbauten geplant.

Wo einst durch eine königliche Entscheidung 1861 der wirtschaftliche Aufschwung Aalens begründet wurde, hat die Stadt die Chance, erneut einen städtebaulichen Nukleus zu bilden. „Das Areal ist erstmals frei begehbar und nutzbar“, sagt OB Thilo Rentschler.

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